Freischreiben Zweites Wohnzimmer: Radio-Studio

Das „radioaktiv“-Studio an der Uni in Mannheim. Foto: privat

Vom Studio direkt in die Ohren seiner Kommilitonen: Johannes Geith (20) aus Straubing studiert an der Uni in Mannheim und hat dort einen neuen Lieblingsort gefunden: das „radioaktiv“-Studio. Dort macht er zusammen mit anderen Studenten Radio. Ein Blick hinter die Kulissen.

Noch 20 Sekunden! Ich fahre dann die Mikros hoch!“ – „Alles klar. Los geht’s: Hallo zusammen, herzlich willkommen zum ‚radioaktiv Campuswecker‘ – Euer perfekter Start in diesen Donnerstagmorgen. Heute an den Mikros: Johannes und Saskia!“ Nebenbei schiebe ich auf dem Mischpult in der Mitte des Tisches die Regler für unsere Mikros nach oben. In der anderen Hand: ein Stift, mit dem auf dem Touch-PC die passenden Sounds ausgewählt werden. Wir sind „On Air“.

Radio. Gute Musik. Aufdrehen. „Boah, so ein Oldie-Song.“ Leiser drehen.

Wir hören es: auf langen Autofahrten, beim Kochen, oder zum Aufstehen. In den Dienstwagen der meisten Papas ist immer „B5 aktuell“ an, bei Oma und Opa läuft „Bayern 1“ auf und ab, und den ganzen Tag dudeln alte Schlager und Volksmusik aus den Lautsprechern, bei mir ist meistens morgens während des Frühstücks das Radio schon an. Das Radio begleitet uns bewusst oder unbewusst Tag für Tag. Hier an der Uni Mannheim, an der ich studiere, läuft das Radio manchmal durch die Uni-App direkt in die Ohren von tief in ihre Bücher vertieften Studenten, vielleicht bei Studenten, die gerade in einer kleinen Runde zusammensitzen und ein Bier trinken oder auch im Auto eines Geschäftsreisenden, der die Metropolregion passiert und die 89,6 im Autoradio eingestellt hat.

Verliebt ins Studio

Seit Beginn meines Studiums im September 2016 bin ich gut vertraut mit zwei Räumen: der Uni-Bibliothek und dem Studio von „radioaktiv“. Mittlerweile kann ich den Slogan wie auf Knopfdruck: „In Mannheim auf der 89,6; in Heidelberg auf der 105,4 und im Internet unter www.radioaktiv.org. Dein Campus, dein Radio, dein Sound.“ Ich hatte mich entschlossen, dem Studentenradio beizutreten, und ich habe mich seitdem in das Studio und den Sender verliebt.

Um halb sieben aufstehen

Schon von Beginn an hat man bei Studentensendern die Möglichkeit, sich hinter das Mikrofon zu stellen und Sendungen zu machen. Und das macht vor allem eines: wahnsinnig viel Spaß. Ist donnerstags meine Morgensendung, der „Campuswecker“, dann stehe ich ausnahmsweise gerne um halb sieben auf und fahre ins Studio, um die Nachrichten des Tages vorzubereiten. Am PC scrolle ich durch die Tagesschau-Seite und überlege mir, welche Themen heute auch außerhalb der Nachrichten noch erwähnt und besprochen werden könnten. Saskia sitzt nebenan und tippt noch im Eilverfahren ein Thema ab, das ihr am Herzen liegt und über das sie heute reden möchte. Mit Nachrichtenzetteln, Veranstaltungstipps und Kinoempfehlungen bepackt machen wir uns auf in das Studio. Und die drei Stunden vergehen wie im Flug. Hochschulradios gibt es in ganz Deutschland. Studenten senden in einer großen Zahl von deutschen Hochschulstädten. Die Besonderheit: von Studenten für Studenten. Wir sind keine Profis, viel Wissen wird von Studentengeneration zu Generation weitergegeben. Doch hier schlummert auch das versteckte Potenzial: Man wird bei der ersten Sendung von den Kommilitonen ins kalte Wasser geworfen und lernt in einem Rekordtempo die technischen Fertigkeiten im Studio, einfach drauf los. Wir geben unser Bestes und versuchen, uns höchste Professionalität anzueignen. Aber wenn man sich dann doch mal verhaspelt, dann ist es eben „bloß“ ein Studentensender und ich schiebe ein schnelles „Oh, Entschuldigung“ hinterher. Und die größte Freude: Ein Freund oder eine Freundin von dir wünschen sich einen Song und im Gegensatz zu den immer vollen Leitungen der großen Sender kannst du ihnen den Wunsch mit einem persönlichen Gruß erfüllen.

Workshops und Sprechtraining

Dass der Spaß gerade hier nicht zu kurz kommt, das versteht sich von selbst. Zugleich aber mache ich durch eine Teilnahme an Workshops des Radios und einem Sprechtraining eine Ausbildung zum Redakteur für den Hörfunk. Also auch der Lebenslauf freut sich über meine Tätigkeit beim Radio.

„Was spielen wir als Nächstes?“ – „Du bist jetzt dran mit Wünschen!“

Die Regler sind unten, wir überlegen uns, was wir als Nächstes spielen. Und dann heißt es wieder: „Noch 20 Sekunden, ready?“ – „Ready!“

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