Freischreiben Zwei Räder, vier Tage: Paulina Eberl über ihre Fahrrad-Tour nach Wien

Auf dem Weg nach Wien. Foto: privat

Mit dem Fahrrad in den Urlaub: Paulina Eberl (16) aus Simbach im Landkreis Dingolfing-Landau ist in den Sommerferien mit einer Freundin nach Wien geradelt. Das hat sie bei der Tour erlebt.

Nebel liegt noch auf den Feldern. Die Vögel zwitschern schon und für mich ist es an der Zeit, aufzustehen. Voller Vorfreude auf die bevorstehenden Tage packe ich noch die letzten Dinge in meinen Rucksack, ziehe meine Sportkleidung an und steige auf mein Rad. Für eine Freundin und mich geht es heute auf nach Wien, und zwar auf dem Fahrrad.

Während wir an diesem Sommermorgen noch mit Jacken durch Felder und kleine Ortschaften entlang der Vils radeln, muss ich eine Vollbremsung hinlegen. Vor meinem Vorderreifen huscht eine Maus aus dem Maisfeld. Mit so etwas am Morgen hätten meine Freundin und ich nicht gerechnet und nachdem wir uns versichern, dass das Tier noch lebt, geht es für uns weiter nach Vilshofen.

Dort angekommen, legen wir bei einem Supermarkt eine Pause ein – und fast wäre dort unsere Tour schon wieder zu Ende gewesen: Ein Junge wollte unbedingt mit unseren Rädern eine „Testfahrt“ unternehmen. Das konnten wir aber gerade noch verhindern. Mittlerweile hat die Sonne die Wolken durchbrochen und ab diesem Zeitpunkt radeln wir ohne Jacken weiter.

Alleine auf der Strecke

Als wir uns am nächsten Morgen auf den Weg von Passau nach Österreich machen, scheint uns die Sonne schon auf den Helm. In der Stadt begegnen wir nur ein paar Frühaufstehern. Als wir über die Innbrücke auf den Donauradweg fahren, sind wir mit ein paar zirpenden Grillen alleine auf der Strecke. Nach und nach überholen uns aber dann doch ein paar E-Biker und nach etwa 70 Kilometern erreichen wir Aschach. Dort gönnen wir uns endlich eine Brotzeit. So sehr haben wir uns noch nie auf eine kalte Cola und frische Brezen gefreut, denn die Sonne raubt einem ziemlich viel Energie.

Es kostet uns viel Überwindung, aus dem Schatten aufzustehen und wieder weiterzufahren, denn vor uns liegt ein Weg direkt in der Mittagshitze und ganz ohne Bäume, die sogenannte „Brutzelstrecke“. Gegen Abend erreichen wir unser nächstes Ziel: Linz. Nach langem Suchen und Fragen finden wir endlich die Jugendherberge, die, wie sich herausstellt, oben am Berg liegt. Mit letzter Kraft bezwingen wir aber die Höhenmeter und essen noch eine Pizza gleich um die Ecke. Denn runterradeln in die Stadt wollte keine mehr von uns.

Umso schöner ist es, am nächsten Morgen den Berg hinunterfahren zu können, einmal nicht treten zu müssen und uns den frischen Fahrtwind entgegenwehen zu lassen.

Auf dem gut ausgeschilderten und meist flachen Radweg geht es für uns heute weiter nach Melk.

Während wir so dahinfahren, uns hin und wieder mit anderen Radlern unterhalten oder einfach nur den nicht ganz so heißen Tag genießen, hört vor uns plötzlich der Radweg auf. Doch das scheint keine Besonderheit auf dieser Strecke zu sein. Immer wieder gibt es kleine Fähren, die die Sportler ans andere Ufer bringen. Wir steigen ab und warten einige Minuten am Steg, bis das Boot unsere Flussseite erreicht. Nach einer kurzen Schifffahrt auf der Donau sind wir auf der anderen Seite.

Der letzte Radltag steht an. Wir sind etwas traurig, als wir das letzte Mal unsere Rucksäcke auf den Rücken schnallen und die Jugendherberge in Melk verlassen. Allgemein sind die Übernachtungen in den Jugendherbergen relativ preiswert und es ist nicht viel los, weshalb wir auch wegen Corona den Abstand zu anderen gut einhalten können.

Auf der falschen Uferseite

Zurück zu unserer Fahrt. Ein Blick auf unseren Radführer genügt und wir merken: Wir sind auf der falschen Uferseite. Schon gleich am Morgen haben wir uns verfahren. Also müssen wir erst einmal wieder umkehren und auch dann geht es nur sehr langsam voran, denn es kommt eine Umleitung nach der anderen, da der Radweg saniert wird. Mittlerweile ist kein Wölkchen mehr am Himmel, aber mit einer Menge Trinkwasser und dem Blick auf diese wunderschöne Landschaft, den Weinbergen und Obstplantagen der Wachau lässt es sich gut radeln.

Ohne Pause geht es aber trotzdem nicht. Ich gucke Sophia an. „Weißt du, worauf ich jetzt richtig Lust hätte?“, frage ich. Sie weiß es sofort und lächelt: „Auf eine Wassermelone!“ Ich nicke. Während wir also vor dem Billa in Tulln sitzen und unsere Wassermelone essen, ist es Zeit für unsere Freunde, in den Zug nach Wien zu steigen. Wir hatten versucht, sie zum Mitradeln zu überreden – vergebens. Umso mehr freuen wir uns, dass die drei beschlossen haben, mit dem Zug nachzukommen und uns dabei einen Koffer mit frischer Kleidung mitzunehmen.

Endlich in Wien

Nach fast 450 Kilometern, vier Tagen Radfahren, einer Menge Spaß, reichlich Sonnenschein und zum Glück keiner Panne kommen wir stolz in Wien an. Drei Tage Sightseeing inklusive einer Abkühlung in einem Strandbad der Alten Donau haben wir uns jetzt verdient. Am Ende fahren wir mit unseren Freunden gemeinsam mit dem Zug nach Hause.

Das war sicher nicht die letzte Radtour, die meine Freundin Sophia und ich unternommen haben. Denn blicken wir zurück, war sie ein voller Erfolg. Viele Jugendfahrten wurden aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Und da wir schon immer eine längere Tour unternehmen wollten, war die Radreise der richtige Ersatz für uns. Es hat sehr viel Spaß gemacht, auf eigene Faust mit dem Fahrrad Land und Leute zu entdecken.

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