Freischreiben Veronika Gruber über ihr Projekt plastikfreie WG

Einkaufen im Unverpackt-Laden. Mit diesen Tricks will Veronika Gruber weniger Müll produzieren. Foto: privat

Veronika Gruber (23) aus Leberskirchen im Landkreis Landshut möchte in ihrer WG in Passau weniger Müll. Nach sechs Monaten zieht sie ein Fazit.

Plastiktüten, Einwegbecher, Verpackungen für Kosmetik, Putzmittel und Lebensmittel … Wir produzieren jeden Tag zu viel Müll - oft unbewusst. Konfrontiert mit der Tatsache, dass im Pazifik mittlerweile eine Plastikinsel treibt, die größer ist als Frankreich, habe ich vor einiger Zeit gemerkt: Da muss sich gewaltig was ändern, unserer Umwelt und unserer Gesundheit zuliebe. Ich habe dem Plastik also vor ein paar Monaten den Kampf angesagt und war hochmotiviert, auch das Leben in meiner WG so plastikfrei wie möglich zu gestalten. Zeit also für ein kleines Update darüber, was sich in puncto Müllvermeidung in unserer kleinen, nicht ganz so feinen Studentenbude getan hat.

Plastikfrei in Uni, Schule und Arbeit? Alles selbst gemacht

Ohne Verpackungsmüll zur Uni zu gehen, machen die meisten zum Glück eh schon, denn da kommt uns Studenten unsere "Geiz ist geil"-Haltung zugute: Es ist um einiges billiger, seinen selbstgebrühten Kaffee im eigenen Thermobecher und sein Wasser in der selbst mitgebrachten Flasche mitzunehmen. Thermobecher gibt es mittlerweile schon an jeder Ecke für ein paar Euro zu kaufen, und man kann ja auch einfach eine Pfand-Glasflasche als Trinkflasche nutzen. Für tollpatschige Menschen wie mich allerdings nicht empfehlenswert, da ich ein Naturtalent darin bin, Glasflaschen runterfallen zu lassen. Aus diesem Grund habe ich vor Kurzem zehn Euro in eine Edelstahlflasche investiert.

Bei selbst gemachten Salaten, Sandwiches und so weiter kommt die gute alte Tupperbox zum Einsatz. Wer sich was gönnen möchte, kann sich natürlich auch eine Edelstahl-Lunchbox zulegen. Schwierig wird es, wenn man keine Zeit hat, zuhause einen Snack für den Unialltag vorzubereiten, denn dann sieht man sich an den Cafeten oft mit in Plastik eingeschweißten Sandwiches konfrontiert. Viele Unis reagieren aber schon auf das verbesserte Umweltbewusstsein der Studenten. So bietet die Uni Passau zum Beispiel schon seit einiger Zeit sehr leckere Salate im Glas an.

Kochen ohne Plastikmüll? Gar nicht so schwer

Was Kochen ohne Plastikmüll angeht, muss ich zugeben, dass meine Wohnlage es mir ungemein leicht macht, Lebensmittel ohne Verpackung einzukaufen. Nur zwei Minuten Fußweg von unserer WG in der Passauer Altstadt entfernt, befindet sich seit ungefähr zwei Jahren ein Unverpackt-Laden. Dort komme ich mit meinen Vorratsgläsern hin, wenn ich meine Vorräte an "trockenen" Lebensmitteln auffüllen möchte, also Haferflocken, Nudeln, Reis, Linsen, Kichererbsen, Nüsse, Samen … Und auch Putzmittel sind dort erhältlich.

Wobei unsere Vormieter uns so viele Putzmittel hinterlassen haben, dass wir erstmal diese aufbrauchen werden, bevor wir uns dem Angebot des Unverpackt-Ladens zuwenden. Wasch- und Spülmittel haben wir bereits unverpackt probiert und sind sehr zufrieden mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis, wobei es auch viele Anregungen online gibt, um seine eigenen Putzmittel herzustellen.

Obst, Gemüse und Brot kaufe ich am Wochenmarkt ein, weil es mir auch ein Anliegen ist, regional und saisonal einzukaufen. Natürlich mit selbst mitgebrachter Baumwolltasche. Aufstriche kann man gut selbst machen, sie sind oft auch schon im Glas erhältlich.

Auch Mandel- oder Hafermilch lassen sich einfach und günstig selbst herstellen. Ich esse zwar seit einigen Jahren kein Fleisch mehr und seit einiger Zeit kaum noch Milchprodukte, aber mittlerweile kann man scheinbar auch schon bei vielen Metzgern ohne Probleme seine eigenen Behälter mitbringen.

Zero Waste im Bad? Die größte Hürde

Wenn es um Kosmetik und Badartikel geht, hatte und habe ich nach wie vor die meisten Probleme mit der Müllreduktion. Der erste Schritt war es, meine Plastikzahnbürste durch eine aus Holz und die Zahnpasta in der Tube durch Tabletten zu ersetzen. Damit Zähne zu putzen, ist die ersten Tage echt seltsam, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Statt Duschgel eine unverpackte Seife zu verwenden, ist kein Problem, schwieriger ist es da mit der Haarpflege. Man findet inzwischen schon eine beträchtliche Anzahl an plastikfreien Alternativen in der Drogerie und ich habe einige ausprobiert - aber es hat echt lange gedauert, ein Shampoo zu finden, das für meinen Haartyp passt. Jedes Haar ist anders, deswegen ist es schwierig, eine allgemeine Empfehlung abzugeben.

Das Shampoo, das ich jetzt verwende, heißt Lamazuma und auch, wenn man als Student beim Preis von zehn Euro pro Block erstmal schluckt, muss ich sagen: Das ist es wert hinsichtlich des Ergebnisses. Außerdem ist es so ergiebig, dass ich in der Zeit, die ich benötige, um einen Block aufzubrauchen, bestimmt drei reguläre Shampoos verwenden würde.

Zum Rasieren verwende ich einen Rasierhobel - der ist auch günstiger als eine normale Rasur, da ein Päckchen mit 100 Rasierklingen für den Hobel nur acht Euro kostet und die Klingen langlebig sind.

Die Dinge, die im Bad noch verpackt sind, sind meine Tagescreme, Gesichtsmasken, mein Make-up und mein Deo. Deo kann man wiederum auch echt billig selbst herstellen und es soll auch gesünder sein hinsichtlich der Inhaltsstoffe. Da ich mich eh nur für besondere Anlässe schminke, ist es, denke ich, relativ okay, dass meine Schminke verpackt ist. Zum Abschminken verwende ich Baumwollpads, die ich einfach in der Waschmaschine mitwasche. Der Knackpunkt sind also noch die Gesichtsmasken und die Tagescreme.

Plastikfrei leben? Günstiger als gedacht

(Fast) plastikfrei zu leben, ist einfacher und günstiger als gedacht. Meiner Erfahrung nach ist ein plastikfreier Lebensstil nicht komplett möglich, da man ja beim Restaurantbesuch oder in der Mensa mit ziemlicher Sicherheit Lebensmittel konsumiert, die zuvor in Plastik verpackt waren.

Ganz am Anfang muss man eventuell in etwas teurere Dinge wie eine Trinkflasche, einen Rasierhobel oder festes Shampoo investieren - allerdings muss man so rechnen, dass man auf diese Art langfristig Geld spart. Dadurch, dass man beginnt, einige Produkte selbst herzustellen, lässt sich auch nochmal Geld sparen, was wiederum die höheren Kosten für Lebensmittel aus dem Unverpackt-Laden oder vom Wochenmarkt kompensiert. Ein netter Nebeneffekt ist, dass man sich durch Plastikvermeidung nahezu automatisch auch gesünder ernährt. Ist dir schon mal aufgefallen, dass vor allem Junkfood fast immer in Plastik eingepackt ist?

Plastikfrei zu leben, ist nichts, was von heute auf morgen passiert, sondern vielmehr ein Prozess, bei dem man nie komplett auslernt. Es sind die kleinen Veränderungen, das Bewusstsein und der Wille, unserem Planeten etwas Gutes zu tun.

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