Freischreiben Svenja Schindler war im Autokino Landshut

Svenja Schindler. Foto: privat

Selbstgemachtes Popcorn, ein Hollywood-Film und jede Menge Nostalgie: Svenja Schindler (20) aus Parkstetten im Landkreis Straubing-Bogen hat vergangene Woche das Autokino in Landshut ausprobiert. Wie sie den Abend erlebt hat.

Autokinos kenne ich bislang nur aus alten Hollywood-Filmen: Ein paar Freunde genießen in ihrem Pick-up unterm Sternenhimmel mit riesigen Popcorn-Tüten einen kitschigen Liebesfilm oder das neueste Actionabenteuer. Jetzt konnte ich vor Kurzem diese Szene selbst erleben.

Rückkehr aufgrund von Corona

Das erste Autokino der Welt eröffnete 1933 in Camden, New Jersey. Es erfreute sich so großer Beliebtheit, dass es schon bald einen großen Hype auslöste. In den 50er- und 60er-Jahren gab es bereits 4 000 sogenannter Drive-in-Cinemas in den USA. Dann kam der Trend 1960 auch nach Deutschland, wo das erste Autokino in Gravenbruch bei Frankfurt am Main Premiere feierte. Bis in die 70er gab es deutschlandweit rund 40 solcher Anlagen.

Das vor 70 Jahren so beliebte Freiluftkino ist heute allerdings fast ausgestorben. Hierzulande sind laut ADAC und Filmförderungsanstalt (FFA) nur noch 18 Autokinos übrig, wovon einige nur saisonal öffnen. Doch seit das öffentliche Leben durch die Covid-19-Pandemie stark eingeschränkt ist und damit auch die Kinosäle bis auf Weiteres geschlossen bleiben müssen, werden immer mehr Anträge auf Freiluftkinos in verschiedenen Städten in Deutschland eingereicht. Das taten auch Nicolas Nagel und Rafael Palacios, die mit ihrem Autokino Bayern ein bisschen Nostalgie ins Jetzt bringen wollen.

Als ich davon erfuhr, kaufte ich mir sofort Tickets für eine Vorstellung in Landshut, wo unter anderem der Film „Jumanji“ mit Robin Williams lief. Der Kartenvorverkauf fand unkompliziert online und somit ohne Abendkasse oder Ähnlichem statt. Gleich darauf bekam ich eine E-Mail mit allen weiteren Informationen und Regeln, die gerade in der aktuellen Zeit besonders wichtig sind. In jedem Auto dürfen sich beispielsweise nur zwei Personen befinden, die Türen und Scheiben müssen geschlossen bleiben und auch der Verkauf von Getränken und Snacks ist derzeit nicht möglich. Dafür dürfen wir selbst etwas zum Essen und Trinken mitnehmen.

Voller Vorfreude auf das Kinoerlebnis fuhren wir mit zwei großen Schüsseln selbst gemachtem Popcorn unter leider strömenden Regen los. Ob der Film trotzdem wie geplant gezeigt werden würde? Eine Information über Wetterbedingungen hatten wir nicht bekommen, also sollte alles wie geplant ablaufen.

Angekommen am Landshuter Messepark reihten sich schließlich Autos an Autos, die darauf warteten, dass der Einlass begann. Als sich die Autoschlange in Bewegung setzte, war ich beeindruckt wie schnell und geregelt alles ablief: Nach einem Ticket-Scan durch die Fensterscheibe wurde man sofort zu seinem Parkplatz gewunken. Außerdem wurde besonders darauf geachtet, dass jeder trotz der anderen Autos vor einem immer noch freie Sicht auf die Leinwand hatte.

Keine bösen Blicke

Für den perfekten Ton stellte man an seinem Autoradio eine Frequenz ein, die gleich zu Beginn auf der Leinwand gezeigt wurde. Es dauerte nicht lange, bis allmählich die Sonne unterging, der Regen wie gerufen nachließ und plötzlich ganz aufhörte, als der Film begann.

Mit zurückgelehntem Sitz und kuscheligen Decken war unser kleines, von Popcorn-Duft erfülltes Auto ein überraschend gemütlicher Ort für einen Filmabend, den man so schnell nicht mehr vergisst. Doch was macht ein Autokino neben der nostalgischen Atmosphäre so besonders? Vermutlich all die kleinen Vorteile, die es im Vergleich zu einem normalen Kinobesuch mit sich bringt. Als Erstes wäre da natürlich der große Luxus, so laut mit seinen Chips rascheln zu können, wie man möchte. Aber auch die Tatsache, dass man sich während des Films unterhalten kann, ohne dabei böse Blicke vom Kinostuhl vor einem zu ernten, ist von Vorteil. Außerdem kann man seine Schuhe ausziehen, den Sitz in jede gewünschte Position verstellen – und niemand sieht die gepunktete Schlafanzughose, die man trägt.

Der wohl größte Pluspunkt ist jedoch, dass man so viele eigene Snacks mit in den Film nehmen kann, wie man will, und es ist sogar erlaubt! Darüber hinaus ist das Autokino gerade in einer Zeit wie dieser, in der wir umdenken und uns an neue Regeln gewöhnen müssen, der perfekte Ort, um trotzdem ein Stück Gemeinsamkeit und Normalität zu erleben, ohne dabei die Gesundheit anderer zu gefährden. Während man mit all den anderen Menschen den Film genießt, kann man für einen Augenblick die Realität vergessen. Wie in der Zeit der 1950er oder der vor Corona. Der Besuch im Autokino ist nämlich ein Erlebnis, bei dem man die Maßnahmen gegen das Coronavirus positiver als bei vielen anderen Aktivitäten zu spüren bekommt.

Noch weitere Vorstellungen

Das Autokino Bayern von Nicolas Nagel und Rafael Palacios wandert ab sofort zwischen verschiedenen Städten Bayerns umher und stattet dabei Straubing, Landshut, Passau, Landshut und Bayreuth immer wieder einen Besuch ab. Wer also auch gerne dem Corona-Alltag entfliehen will, sich zurücklehnen und in einer anderen Welt versinken möchte, der sollte sich unbedingt ein Ticket dafür holen, solange es noch welche gibt!

Mehr Infos zum Autokino Bayern und Tickets gibt es hier.

 

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