Freischreiben Sklaventreiber der Musikindustrie: Manuel Bogner sieht die Künstlervergütung bei Spotify kritisch

Spotify sollte man mit Vorsicht genießen, findet Manuel Bogner. Denn der Streamingdienst nutzt Musiker aus. Foto: Fabian Sommer/dpa

Wer braucht schon CDs, wenn er Spotify hat? Der Streamingdienst ist für viele der einfachste Weg, um Musik zu hören. Doch dieser Komfort geht auf die Kosten der Musiker, warnt Manuel Bogner (16) aus Straubing. Eine Meinung.

Es war noch nie so einfach, neue Musik zu entdecken und alte Lieblingslieder wiederzufinden. Dank Streaming kann jeder in kürzester Zeit neue Genres und Künstler anhören und ohne Probleme auf diese zugreifen. Allerdings berichten vor allem unbekannte Musiker immer wieder, dass Spotify Künstler ungerecht behandelt und sogar ausnutzt.

Weniger als ein Cent

Der Hauptgrund sind die geringen Gewinnbeteiligungen, die die Plattform ihren Künstlern auszahlt. Bei Spotify schwanken sie zwischen 0,0028 Euro und 0,0037 Euro pro Stream, liegen also unter einem Cent. Das bedeutet, dass man mit 1 000 Streams höchstens um die vier Euro verdienen kann. Im Vergleich zu anderen Plattformen ist der Unterschied groß: Durch Musiker, die ihre Gewinne veröffentlichten, ist bekannt, dass Apple Music und Amazon zum Beispiel rund doppelt so viel wie Spotify zahlen.

Das liegt daran, dass Spotify die Anteile für ihre Künstler daran errechnet, wie oft ein Song im Vergleich zu den aktuell beliebtesten Tracks aufgerufen wird. Deshalb kommen besonders unbekannte Künstler auf durchschnittlich geringere Einnahmen als große Namen wie Taylor Swift oder Kanye West.

Mehr produzieren

Daniel Elk, der Chef der meistgenutzten Streaming-Plattform weltweit, reagierte bereits vor einiger Zeit auf diese Vorwürfe: Er findet, Musiker sollten einfach mehr Musik produzieren, um über die Runden zu kommen. Die Gewinnbeteiligung will er nicht verbessern. Das ist und bleibt seine Meinung – auch während der Corona-Pandemie, in der Streaming-Gewinne für die Musikindustrie wichtiger denn je sind, da Konzerte und Festivals ausfallen. Sie waren vor Corona für viele Künstler die größte Einnahmequelle. Viele Musiker sind sich deshalb unsicher, ob sie eine Zukunft in der Branche haben. Eine Erhöhung der Gewinnbeteiligung von Spotify würde da vielleicht manche Sorgen aus der Welt schaffen.

Außerdem gibt es noch einen Punkt, den Daniel Elk mit seiner Aussage ignoriert: Kunst entsteht nicht von einem Tag auf den anderen. Viele gute Alben brauchen teilweise jahrelange Planung und Arbeit, bevor sie erscheinen. Schließlich ist auch das Streaming-Format daran schuld, dass Alben immer länger und umfangreicher sein müssen. Plattenlabels wollen so mehr Streaming-Zahlen erzeugen, besonders weil sie durch diese am einfachsten hohe Chartplatzierungen erreichen können. Die Folge: Musik als lieblose Massenware, nichts Neues oder Innovatives mehr.

Bandcamp hilft

Doch nicht alles ist hoffnungslos in der Welt des Musik-Streamings, so zum Beispiel der Online-Musikdienst Bandcamp. Die Plattform gibt es seit 2008. Musiker können dort ihre Songs promoten und sie kostenlos oder kostenpflichtig zum Anhören und Herunterladen anbieten. Außerdem hilft der Streamingdienst unbekannten Künstlern, indem er ihnen und ihren Labels immer am ersten Freitag des Monats die Gesamteinnahmen an ihren Songs weitergibt. Spotify sollte sich daran ein Beispiel nehmen.

 

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