Freischreiben Selbstversuch: Franziska Baghestani schläft eine Nacht auf dem Balkon

Franziska auf ihrem Balkon mitten in München. Foto: privat/Lautschrift

Eine Nacht im Freien, frische Luft und ein romantischer Blick in die Sterne – darauf hat Franziska Baghestani (23) gehofft. Die Studentin aus Regensburg hat in ihrer Heimatstadt München auf dem Balkon geschlafen. Ein Selbstversuch. 

Als Kind klebte an meiner Zimmertür eine Postkarte mit der Aufschrift „Proud to be a Stubenhocker“ und das beschreibt mein Kinder-Ich auf den Punkt. Inzwischen kann ich aber sagen: Ich bin gerne draußen, ich mag Zelten. Und ich habe zwar schon mitten im Nichts in Schweden wildgecampt, aber noch nie unter freiem Himmel geschlafen. Das wollte ich jetzt ändern.

Weniger wild als erwartet

Eines Nachts habe ich mich also gegen Viertel nach zwölf bei elf Grad Außentemperatur auf den Steinboden meines Balkons in meiner Heimatstadt gelegt und war mir nicht sicher, ob ich hier gerade das Märchen „Die Prinzessin auf der Erbse“ oder den Film „Wild“ nachspiele. Über eine Yogamatte hatte ich zwei Decken und eine Isomatte gestapelt. Da lag ich also in meinem Schlafsack auf diesen vier Schichten unter den Sternen, während ich darauf wartete, dass mir das erste Tier übers Gesicht krabbelt. Es war aber deutlich weniger wild als erwartet. Ich habe nämlich ziemlich schnell gemerkt: Stadt bleibt Stadt, auch in der Nacht.

Ich wohne in einem eher ruhigen Wohnviertel. Das mit der Ruhe kann ich nach einer Nacht draußen allerdings nicht mehr bestätigen. Ich war natürlich nachts oft draußen. Aber wenn man bis in die Morgenstunden im Garten sitzt oder an der Isar durchmacht, fallen einem die Geräusche der Großstadt nicht so auf. Wenn man allein auf dem Steinboden liegt und schlafen möchte, dann aber schon. Lasst euch gesagt sein: Die Stadt ist laut, zu jeder Uhrzeit!

Eine Tram nach der anderen

Kurz nachdem ich mich hingelegt hatte, kam erst mal die Tram angefahren und fast gleichzeitig auch die in die Gegenrichtung. Dann irgendwo ein Krankenwagen und auch schon die nächste Tram. Jetzt sind wohl 20 Minuten rum. Oder schon eine halbe Stunde? Wie oft fährt nachts die Straßenbahn? Ich bin hier so lange nicht mehr nachts mit den Öffis gefahren.

Dass ich nicht wusste, in welchem Abstand die Tram fährt, hat mich dann erst einmal beschäftigt – von Schlaf keine Spur. Irgendwann ist eine Gruppe Radler durch meine Straße gefahren, noch ein Krankenwagen in der Ferne … Himmel, ist das ein Lärm hier!

Von den Vögeln geweckt

Um zwanzig nach eins habe ich noch mal auf die Uhr gesehen, dann bin ich wohl doch irgendwann eingeschlafen. Sehr lange hat der Schlaf aber nicht angehalten, denn um Viertel nach vier wurde ich von den Vögeln geweckt. Oder vom Sonnenaufgang.

Ich blieb noch eine knappe Stunde liegen. Denn gemütlich war es schon, als ich so warm eingepackt im dicken Schlafsack dalag, ein leichter, kühler Wind über mein Gesicht wehte und ich einfach nur zusah, wie der Himmel heller wurde.

Aber als um fünf Uhr dann mein Nachbar mit röhrendem Motor aus der Garage gefahren ist und es inzwischen wirklich hell war, habe ich beschlossen, die Nacht auf dem Balkon zu beenden und bin ins Bett umgezogen – in der Hoffnung, vor meinem Schwedischkurs am Vormittag noch ein bisschen Schlaf zu bekommen.

Meine letzte Nacht draußen war das aber definitiv nicht. Mein Vorhaben ist jetzt, das Ganze nochmal ein bisschen abenteuerlicher irgendwo außerhalb der Stadt zu probieren – ohne Tram, Radler und die allgemeine nächtliche Geräuschkulisse der Großstadt. Und meine Illusion von einer Nacht in der freien Natur gebe ich definitiv noch nicht auf.

Dieser Text stammt aus der Campuszeitschrift Lautschrift der Universität Regensburg, die von Studierenden verschiedener Studiengänge veröffentlicht wird. Mehr Infos hier. 

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