Freischreiben Rotzig, erhrlich, laut - Das sind die "Brave Bones"

Die Punkband „Brave Bones“: David, Gregor, Flo, Lars und Leo (von links). Foto: privat

Paula Schießl (17) aus Straubing hat was für die Ohren: die Musik von „Brave Bones“. Die Straubinger Punkband bringt am heutigen Freitag ihre neue EP „Schmutzengel“ raus. Das musst du über die Gruppe wissen.

Du hast noch nie von den „Brave Bones“ gehört?! Womöglich leidest du dann laut Band an Marionettenpest oder bist ein toter Fisch, der mit dem Strom schwimmt. Aber keine Sorge, dir kann geholfen werden! Seit 2017 tritt die Straubinger Punkband regelmäßig auf, animiert, provoziert und bereitet Freude. Die Truppe – bestehend aus Gregor, Leo, David, Lars und Flo – könnte ungleicher nicht sein, was vielleicht der Grund für ihre unverwechselbare und authentische Musik ist.

Was Punk für die Band bedeutet

Das Wort „Freiheit“ fällt im Gespräch mit der Gruppe, ist aber dann doch zu kitschig. Man könnte es auch „keine Richtlinien“ nennen. Das geht am besten im Bandhaus – weg von den Eltern. Die Gruppe mixt gerne verschiedene Genres wie Reggae, Grunge Rock und Rap. Dass dabei Punk entsteht, liegt wohl eher an ihrer Gesinnung und Ästhetik. Dabei steht aber der Spaß vor der Perfektion. Die Leidenschaft ist eher der Grund für ihre Professionalität. Ihre Texte sind meist politisch und gesellschaftskritisch.

Was sie mit ihrer Musik erreichen wollen

„Wir wollen nicht per se etwas erreichen“, sind sich die Jungs einig. Sie wollen nicht die neuen Weltverbesserer spielen, dafür seien Politiker da. Sie sind diesbezüglich eher ego- und realistisch veranlagt, sprechen an, was ihnen wichtig ist und was sie bewegt. Liedzeilen wie „Alle Menschen klammern sich an den goldenen Strang, denn was für sie zählt ist gesellschaftlicher Rang“, „Es gibt einen schmalen Grat zwischen Meinungsfreiheit und Volkshetze“ oder „Du weißt nicht genau, wer du bist, deshalb folgst du dem neuen Trend“ sind nur einige Beispiele dafür. Oft ist die Musik auch ihr Ventil, um Frust abzulassen. Wenn das den Leuten die Augen öffnet, umso besser.

Ganz ehrlich ergänzt Gregor: „Ich erfinde einen Refrain, der eher oberflächlich ist und Leos Strophentexte gehen dann meistens in die Tiefe.“ Gerade bewundernswert ist aber, dass sie sich eben auch mit eher banalen Inhalten wie Spinat oder dem verhassten Lateinunterricht treu bleiben und wirklich nur Dinge ansprechen, die ihnen persönlich nahe gehen.

Wie sie im konservativ geprägten Straubing Fuß fassen

Das verlangt sicher Selbstvertrauen, aber davon ist genug vorhanden. Alle mit ihrer Musik zu begeistern, ist unmöglich, aber auch nicht das Ziel der Band. In Straubing haben sie nicht das offenste Publikum. Mit viel Charme und Engagement kann man sich dennoch seine eigene Szene aufbauen. Im Bandhaus wird geprobt und im Raven oft gespielt. Dort sind sie auch gerne gesehen und gehört.

Im Juni organisierten sie sogar ihr eigenes Festival „Ay Carrramba“, das von vielen Kollaborationen mit anderen Bands profitierte. „Es gibt Leute, die uns hören. Man muss sie nur einmal zusammenbringen.“

Trotzdem ist es schade, dass eine Stadt, die sich Studentenstadt nennt, so konservativ ist. Wenn die Band mal außerhalb ihrer Szene auftritt, wird das auch sichtbar. Auf dem Sommerfest ihrer Schule gab es Eltern, die demonstrativ mit zugehaltenen Ohren an ihnen vorbeigingen. „Natürlich hat jeder seinen eigenen Geschmack, das ist aber noch lange kein Grund, sich kindisch und unhöflich zu verhalten“, betonen sie. Solche Leute fühlen sich wohl einfach auf den Schlips getreten.

Denn bei aller Kritik: Technische Unprofessionalität oder dergleichen kann ihnen nicht vorgeworfen werden. Es sind also die Texte, die provozieren. Ihre Kreationen zeigen: Sie sind offen und experimentierfreudig.

Musikalische No-Gos und verhasste Hits

Keines ihrer Lieder ähnelt dem anderen. Sie bedienen sich gerne an den verschiedensten Musikrichtungen, packen mal eine Ballade aus, mal eine Trompete. Trotzdem: Die klassischen Gegenstücke zu Punk – wie Volksmusik und Schlager – könnten sie höchstens im ironischen Sinne unterbringen. „Am Volksfest würden wir gerne spielen, aber mit Ballermann-Hits – nein, danke!“ Indem sie sich aber keine Grenzen setzen, sind sie breit aufgestellt, abwechslungsreich und nicht engstirnig. An der Gesellschaft kritisieren sie vor allem das Schwarz-Weiß-Denken: „Wir denken bunt!“

Erste eigene Platte und Release-Konzert

Ob im Raven, bei Stadtfesten wie dem Streetfood-Festival oder politischen Veranstaltungen wie der Demo gegen das Polizeiaufgabengesetz – die Band ist offen für Auftritte aller Art. Der eingefleischte „Brave Bones“-Fan hat vielleicht schon einige Lieder auf CD. Für alle anderen kommt an diesem Freitag eine EP raus, die man bei Bücher Pustet in Straubing oder über Facebook bei der Band direkt kaufen kann. Wer sich vorher anhören will, wofür er bezahlt, kann die Lieder beim Release-Konzert im Straubinger Bandhaus anhören. Los geht’s am heutigen Freitag um 19.30 Uhr, Einlass ist eine halbe Stunde vorher. Der Eintritt ist frei.

 
 

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