Freischreiben Matthias Keck über Skandal-Politiker Donald Trump

Donald Trump eckt mit seiner Sprache oft an – ob auf Twitter oder im echten Leben. Foto: picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Ungehobelt, aber geradeheraus: Matthias Keck (17) aus Frauenberg bei Landshut schreibt über die Sprache von Skandal-Politiker Donald Trump. Dazu hat er Liz, eine Studentin aus New York, interviewt.

Politik? Langweilig! Wir, die junge Generation, wollen uns allzu oft nicht mit ihr befassen. Wer will dem Gerede dieser Anzugträger und Hosenanzugträgerinnen schon zuhören? Mit monotoner Stimme und dicken Ringen unter den Augen hocken Regierungsmitglieder oder Parteivorsitzende vor den Mikrofonen der Bundespressekonferenz. Sie stammeln fade Worthülsen vor sich hin und beantworten in unverständlichen Formulierungen und Schachtelsätzen die Fragen der Reporter. Besonders uns Jugendliche erreicht dieser Redestil nicht – ganz im Gegenteil: Er stößt uns ab.

Auf der anderen Seite des Atlantiks regiert seit über zwei Jahren ein Staatsmann mit ganz anderem Ton: Donald Trump. Ist seine Sprache besser? Was denken die Jugendlichen in den USA darüber?

Eine einfache Sprache

„Sie mögen mich, ich mag sie, weißt du? Es ist toll“, beteuert das amerikanische Staatsoberhaupt in einem Interview mit dem Wall Street Journal von 2017 beim Thema Außenpolitik. Laut Donald Trump hat er es nicht nur ausländischen Politikern angetan, auch mit den Landwirten und den Arbeitnehmerverbänden soll es laufen: „Die Farmer lieben es, die Gewerkschafter lieben es“, lässt er in einer Pressekonferenz auf eine Frage zu seiner Zollpolitik verlautbaren. Er verzichtet auf große Erklärungen und genaue Ausführungen. Seine Auftritte sind prägnant, seine Aussagen leichtfertig. Keine Systemrhetorik, kein Politikergelaber. Beides gibt es im Land des Showbusiness – zumindest so, wie wir es kennen – ohnehin nicht.

Liz ist in New York City geboren und aufgewachsen. Sie studiert an der State University of New York und erlebt Trumps Politik hautnah mit. „Ich glaube nicht, dass es eine typische Rhetorik der politischen Elite gibt“, meint sie. „Ein Politiker folgt seinem Instinkt.“ Ein bunter Mix im Vergleich zum grauen Sprachtrott hierzulande. „Die Art, wie Politiker sprechen, spiegelt ihren Intellekt und ihre Persönlichkeit wider.“ Wie steht es um den Intellekt Donald Trumps?

In einem Tweet beschreibt der US-Präsident seine eigene Weisheit als „groß und unerreicht“. Twitter ist seit Jahren sein beliebtestes Kommunikationsmittel: kurze Sätze, einfache Zusammenhänge. Dieser Mann hat es satt, erst nachdenken zu müssen, bevor er die Worte aus sich herauspurzeln lässt. Ein „Fake News!“ hier, ein „America First!“ da. Pausenlos ballert er seinen Followern unter @realDonaldTrump Wortbrocken, manchmal sogar ganze Sätze um die Ohren. Der Schreibaufwand wird auf ein Minimum reduziert. Was er an Qualität einspart, macht Trump an Quantität wieder wett: 2 600 Tweets war die Bilanz nach einem Jahr im Amt.

Allzu oft stecken hinter ihnen gefährliche Falschdarstellungen. Erderwärmung? Erfunden von den Chinesen! Barack Obama? Nicht einmal in Amerika geboren! Auch Liz findet diese Äußerungen besorgniserregend: „Er macht sich zum Narren und es ist traurig, dass er Amerika auf diese Weise repräsentiert. Mir kommt es so vor, als wolle Trump zeigen, dass er hart ist, auch wenn er es nicht ist. Tatsächlich benimmt er sich wie ein Baby.“

Beleidigungen und Sexismus

Nicht nur online wird man von Donald Trumps Verbalhagel getroffen. Ob bei Wahlkampfveranstaltungen oder Interviews: Immer ist es, als wolle er mit einem Bulldozer über das dünne Seil der Sprachakrobatik brettern und zeigen: Ich komme auch ohne eloquentes Herumtänzeln auf der anderen Seite an.

Bei einer Debatte vor seiner Wahl zum US-Präsidenten 2016 konfrontiert ihn eine Journalistin mit sexistischen Aussagen, die er selbst getroffen hatte: „Sie nennen Frauen, die sie nicht mögen, fette Schweine, Hunde, Schlampen und ekelhafte Tiere.“ Damals noch als republikanischer Präsidentschaftskandidat unterbricht Mister Trump die Dame. Mit verschmitztem Lächeln versichert er, er würde nur Rosie O’Donnell, eine Schauspielerin und Moderatorin, so bezeichnen. Von seinen Unterstützern ertönt tosender Applaus. „Er macht andere runter, damit er sich als überlegen erweisen kann. Viele Amerikaner genießen es – das ist traurig für mich“, sagt Liz dazu. „Ich glaube, dass ein Präsident nicht vor aller Welt auf diese Weise sprechen sollte. Es ist peinlich.“

Nicht immer mussten sich Amerikaner für die Worte ihrer Präsidenten schämen. „Das Einzige, was wir fürchten müssen, ist die Furcht selbst.“ Jeder kennt diesen Gänsehaut-Satz von Franklin D. Roosevelt. Genau wie die Fragen, die John F. Kennedy stellte: „Was kannst du für dein Land tun?“ „Was können wir gemeinsam für die Freiheit des Menschen tun?“ Diese Männer zeigten: Amerika ist mehr als ein Konsumgigant, mehr als eine internationale Geldschleuder. Es ist klug. „Trump jedoch weiß nur, wie man ein Geschäftsmann und ein Reality-Star ist. Er wurde nicht zum Mann im Oval-Office ausgebildet. Es ist nicht schwer, das zu bemerken“, sagt Liz. Donald Trump, ein Anti-Intellektueller? Wo ist da die Identität Amerikas als intelligente Nation geblieben? Liz findet, dass man ihrem Land Unrecht tut, solche Schlüsse zu ziehen: „Die Geschichte unseres Landes sollte nicht nur wegen eines lächerlichen Präsidenten missachtet werden.“

Seine Leute lieben ihn

Sie hat Recht. Man sollte nicht genauso einfältig wie die Populisten und rhetorischen Brandstifter pauschalisieren. Außerdem waren auch Präsidenten vor ihm nicht immer glänzende Redner. Vor allem aber darf eines nicht vergessen werden: Seine Leute lieben, was er sagt. „Sie bringen Drogen und sie bringen Kriminalität mit sich. Sie sind Vergewaltiger.“ Auch nach beleidigenden Kommentaren, wie in diesem über Mexikaner bei seiner Wahlkampagne 2016, bekommt sich sein Publikum vor Beifall nicht mehr ein. Viele seiner Anhänger sind es leid, aufpassen zu müssen, wie sie sprechen und sagen sich wie er von der Political Correctness los. Ist ein solcher Befreiungsschlag einfach nur Zeichen der Redefreiheit in einer Demokratie?

Wir sollten aufpassen!

Es stimmt, dass ein gesunder Streit in der Politik wichtig ist. Das bedeutet auch, dass an den Ufern des Meinungsozeans mit den Säbeln geklimpert wird. Dennoch ist Vorsicht geboten: Trumpsche Schimpftiraden führen zur Verhärtung der Fronten – zu Kompromissunfähigkeit. Sobald die Sprache nämlich nicht mehr nur stumpf, sondern auch hasserfüllt ist, sind die roten Linien des demokratischen Diskurses überschritten.

Und wir? Wir jammern gerne über unsere Politik. Wir finden sie nicht attraktiv genug, zu öde, einschläfernd. Mit all dem haben die Worteskapaden Donald Trumps wenig zu tun. Zweifelsfrei spalten sie die Massen. Man kommt an der drastischen Entscheidung, ihn entweder überwältigend oder fürchterlich zu finden, fast nicht vorbei – Polarisierung par excellence. Die amerikanische Bevölkerung ist in einem Dauerzustand der Verunsicherung. Trump ist wohl nicht der Grund dafür, denn er hat den Hass der Menschen nicht erfunden. Er ist viel mehr Symptom einer kranken Gesellschaft.

Hören wir wieder einmal die eintönigen Vorträge einer Bundespressekonferenz, so sollten wir vor lauter Langeweile nicht übersehen: Auch bei uns sind Töne voll Menschenfeindlichkeit keine Seltenheit mehr. Nur beherrschen sie noch nicht die Sprache der obersten Staatsämter. Was in der Zukunft geschieht, liegt an uns. Wir nämlich werden die entscheidenden Töne treffen, wenn man die „Make-America-Great-Again“-Caps nur noch in US-Altenheimen erblicken kann. Kehren wir der langweiligen Politik nicht den Rücken zu! Vielleicht schaffen wir es dann, dass unsere Gesellschaft gesund bleibt – sofern sie es überhaupt noch ist.

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