Freischreiben Kommentar: Manuel Bogner zum Regelschulbetrieb trotz Corona

Am Dienstag, 8. September geht die Schule wieder los - mit Maskenpflicht und im Regelbetrieb. Foto: Marijan Murat/dpa

Am 8. September, wenn die Sommerferien enden, soll es in Bayern wieder Regelschulbetrieb geben. Manuel Bogner (16) aus Straubing hält das für keine gute Idee. Eine Meinung.

Beängstigend schnell ziehen die Sommerferien an Bayerns Schülern vorbei, während das Corona-Chaos an bayerischen Schulen fortbesteht. Immer noch sind viele Schulen überfordert: So hatten manche am Ende des vergangenen Schuljahres immer noch keine Desinfektionsspender, bei Seife und Papiertüchern gab es Engpässe und bei Nachfragen war die Antwort meist ein kurzes Schulterzucken. Das ist die eine Welt. Die andere ist zu Hause bei den Schülern im Home Schooling: Sie blieben über Online-Meetings mit ihren Lehrern in Kontakt und erhielten über die Plattform Mebis Material zum Lernen. Das funktionierte bei vielen Schulen zum Ende des Schuljahres recht gut: Viele Schüler haben ein passendes Endgerät, die Lehrer waren gut auf das Home Schooling vorbereitet und alles lief einigermaßen flüssig.

Zurück ins Schulhaus

Umso mehr verwundert mich die Entscheidung des Kultusministeriums, wieder alle Schüler zurück in das Schulhaus zu zwängen, weil dort die Ansteckungsgefahr viel höher ist als im Home Schooling. Denn das Kultusministerium plant, dass nächste Woche wieder der Regelschulbetrieb aufgenommen wird. Um das zu ermöglichen, wird die Abstandsregel abgeschafft. Stattdessen gibt es strengere Hygienevorschriften und es soll regelmäßig gelüftet werden. Außerdem muss überall im Schulhaus eine Maske getragen werden, die ersten neun Schultage auch im Unterricht.

Verantwortung abwälzen

Einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, ist sinnvoll und wichtig, das sehe ich auch so. Allerdings kann ich mir nur schwer vorstellen, dass eine dauerhafte Maskenpflicht in der Schule und besonders im Unterricht so einfach durchgesetzt werden kann. Vor allem jüngere Schüler vergessen ihre Maske häufig oder verlieren sie im Laufe des Tages. Deshalb befürchte ich, dass das Kultusministerium die Verantwortung hier nur auf die Lehrer, Schüler und Eltern abwälzen möchte. Außerdem haben die Wochen vor den Sommerferien gezeigt, wie unvorbereitet die bayerischen Schulen auf die Rückkehr zum Präsenzunterricht waren und ich denke, dass sich nach den Sommerferien ein ähnliches Bild zeigen wird.

Was mich jedoch am meisten verwirrt, ist, dass das Bayerische Kultusministerium meiner Meinung nach bereits das perfekte Konzept entwickelt hatte, um Schüler vor dem Virus zu schützen: das Konzept der geteilten Klassen. So wurden Klassen in zwei kleine Gruppen geteilt und wechselten sich jede Woche mit dem Präsenzunterricht ab. Ein Teil lernte zuhause, der andere in der Schule. Dieses Konzept ließ sich nicht nur schnell und einfach umsetzen, sondern brachte auch andere unerwartete Vorteile, die ich als Schüler deutlich gespürt habe. So entstand durch die kleineren Klassen ein besseres Lernklima und der Unterricht konnte viel individueller angepasst werden.

Unverantwortlich

Ich frage mich: Warum ändern, was bereits gut funktioniert hat? Ich finde es unverantwortlich, wieder jeden Schüler in die Schule zu schicken und dabei nur die Maskenpflicht zu verschärfen und auf mehr Hygiene und Lüften zu setzen. Warum können wir nicht teilweise zu Hause lernen?

Es wird sich zeigen, ob die geplanten Maßnahmen wirklich genügen, um Lehrkräfte und Schüler dauerhaft vor Covid-19 zu schützen. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Infektionszahlen im Moment wieder steigen, bin ich mir sicher: Die Maßnahmen werden nicht reichen und ein weiteres Corona-Chaos an den Schulen ist vorprogrammiert.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading