Freischreiben Lernen fürs Leben: Austausch in Taiwan

Victoria und ihre Austauschschülerin Katja. Foto: privat

Lee Bo Lin, genannt Katja, war im Sommer 2017 als Gastschülerin am Ursulinen-Gymnasium in Straubing und lebte etwa drei Monate mit uns als Familie. Nun durfte ich Katja besuchen und die Wenzao Ursuline University kennenlernen.

Über 9 000 Schüler aus aller Welt sind dort an der Schule, um Sprachen zu lernen. In Kaoshiung leben etwa 2,8 Millionen Menschen. Es ist die zweitgrößte Stadt in Taiwan, die einen Seehafen hat. Es verschlägt mich also in eine riesige Stadt mitten in der Natur am Meer mit Wolkenkratzern, Nachtmärkten, Tempeln, Seen und Gebirgen mit Quellen. Die Sauberkeit dort war super und das Klima tropisch.

Als wir in Kaoshiung landeten, holte uns Katja mit ihren Freunden am Flughafen ab. Ihre Eltern haben unendlich viele taiwanesische Köstlichkeiten vorbereitet. Der Geschmack der dort wachsenden Früchte fasziniert mich. Mangos, Tomaten, Ananas, Drachenfrüchte und besondere Apfelsorten waren unglaublich süß und lecker. Es ist bemerkenswert, welche Gastfreundschaft uns entgegenkam. Für Katjas Familie war es selbstverständlich, dass ich bei ihr zu Hause wohnen durfte. Katja hat sich selbst ausquartiert, damit ich in ihrem Bett schlafen konnte. Da hatte ich gleich ein schlechtes Gewissen. Meine Großeltern, Großtante und Großonkel haben mich begleitet und in einem Hotel geschlafen.

Als Gast isst man in Taiwan immer als erstes. Erst wenn man fertig ist, essen die Gastgeber. Das kann natürlich auch schlecht für den Gastgeber ausgehen, wenn man das als Gast nicht weiß, denn wir in Deutschland denken ja meist, dass wir aufessen müssen, um nicht unhöflich zu sein.

Morgens gibt es zum Frühstück in Taiwan meistens „Dumplings“. Sie sehen aus wie Maultaschen. Auch Suppen oder Bohnenmilch sind üblich. Das war für mich gewöhnungsbedürftig. Allerdings sind die vielen Meerestiere, Hühnchen und das immer frische Gemüse oder Obst mit Reis sehr lecker gewesen.

Eine besondere Gastfreundschaft kam mir auch in der Schule entgegen. Mädchen, die mich das erste Mal sahen, haben mich einfach eingeladen. Die Lehrerinnen und Lehrer begegneten mir besonders partnerschaftlich und boten direkt das „Du“ an.

Neben etwas Chinesisch konnte ich mein Englisch sehr gut üben, was mir viel Spaß gemacht hat, weil ich nicht mehr nachgedacht habe, was ich alles falsch formulieren könnte, sondern angstfrei einfach los gequatscht habe. Ich habe Schülerinnen und Schüler aus Taiwan, Frankreich, Kanada, Amerika und Japan kennengelernt und es hat mir sehr gefallen, wie offen und selbstverständlich man dort miteinander umgegangen ist.

Für mich ungewöhnlich war auch das Selbstverständnis, nach der ganztägigen Schule, auch am Abend ab 19 Uhr zur Nachhilfe zu gehen. Taiwanesische Kinder sitzen teilweise von Montag bis Freitag bis 22 Uhr in Nachhilfe-Schulen. Das war für mich sehr anstrengend. Immerhin beginnt die Schule morgens erst um 9 Uhr.

Die Fürsorge der Taiwanesen und die Herzlichkeit haben mich besonders beeindruckt. Da können wir Deutschen noch richtig viel lernen, vor allem was Gastfreundschaft angeht. Für mich war diese Reise eine Möglichkeit, um die Welt auch mit anderen Augen sehen zu können.

 
 

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