Freischreiben Auf den Spuren der Inkas: Lena Eibl war in der Ruinenstadt Machu Picchu

Lena Eibl aus Straubing hat die Ruinenstadt Machu Picchu in Peru besucht. Foto: privat

Lena Eibl (20) wollte sich nach dem Schulabschluss die Welt ansehen. Deshalb war sie für ein paar Monate in Südamerika. Dort hat sie sich auf den Weg zu einem der sieben Weltwunder gemacht: dem Machu Picchu.

Eingepackt in Schutzkleidung und in einen dicken Pullover sitze ich auf einem Mountainbike und fahre auf einer asphaltierten Straße durch den Dschungel. Ich bin umzingelt von Farnen, bunten Blumen, Regen und großen Wolken. Die Luft ist angenehm frisch. Ich nehme immer wieder tiefe, bewusste Atemzüge. Die Straßen hier sind klein, nass und kurvig. Wegen des Nebels ist die Sicht stark eingeschränkt. Deswegen habe ich nicht nur einmal gedacht, dass ich gleich von einem Truck zusammengefahren werde, die sich den steilen Berg hinauf arbeiten und jedes mal mit nur ein paar Zentimetern Abstand an mir vorbei ziehen. Wassertropfen laufen an meinem Gesicht herunter. Sie haben sich wegen des Dunstes an meinem Körper gesammelt. All das macht mir aber nichts aus. Denn das Gefühl, diese holprige Straße hinunter zu brettern, ist unglaublich.

Deutschland entfliehen

Ich befinde mich gerade in Peru. Auf einem viertägigen Trek zu einem der sieben Weltwunder: dem Machu Picchu. Nach dem Fachabitur im vergangenen Jahr wollte ich Deutschland entfliehen. Deshalb habe ich beschlossen, mir ein bisschen die Welt anzuschauen und mich alleine für ein paar Monate auf den Weg nach Südamerika gemacht.

Ich bin gerade wieder in meiner Unterkunft im Dschungel angekommen, habe meinen Rucksack noch nicht mal richtig abgelegt, als ich schon von meinem Tourguide zur nächsten Aktivität gerufen werde: Wildwasser-Rafting. Zwar bin ich noch sehr müde vom Downhill-Mountainbiking und muss mich schon fast widerwillig dazu aufraffen, dennoch stehe ich nur ein paar Minuten später neben einem reißenden, braun verfärbten Fluss mit Paddel in der linken Hand und einem knallgelbem Raftingboot vor mir. Als ich einen Fuß ins Wasser setze, wird meine Laune nicht gerade besser. Es ist eiskalt und da der Abend schon hereinbricht, ist die Temperatur auch außerhalb gesunken.

„Ich fühle mich sehr klein“

Ich setze mich ins Boot und konzentriere mich auf die wirklich beeindruckende Landschaft um mich herum. Links und rechts erheben sich Berge. Alle sind bewachsen mit Bananenpalmen, Wildpflanzen, Kaffeesträuchern und riesigen Bäumen mit Blättern so groß wie mein Oberkörper. Immer wieder fliegen Vögel über mich hinweg und ich fühle mich sehr klein in dem großen Fluss. Nach ein paar Minuten sitze ich grinsend neben den anderen, während meine Augen über den Dschungel wandern, der inzwischen in wunderschönes, orangerotes Abendlicht getaucht ist. Außer unserem Geschrei und dem Plätschern des Flusses ist es komplett leise. Die Welt steht für einen Augenblick still, während die Sonne im Dunst des Dschungels hinter einem der Berge verschwindet.

Die vergangenen zwei Tage waren gefüllt mit Wanderungen, Seilrutschen und dem Knipsen vieler Fotos. Nun stehe ich am Eingang vom Machu Picchu. Mich umringen Hunderte von Menschen. Jeden Tag besuchen rund 2 500 Besucher die Inka-Stätte. Obwohl sich hier so viele Menschen sammeln, ist die Stimmung sehr ruhig. Geräusche sind gedämpft durch die Nebelschwaden zu hören. Die meisten Besucher sind noch sehr müde, denn es ist gerade einmal halb sechs Uhr morgens.

Ich blicke in die Richtung, in der eigentlich der Machu Picchu zu sehen sein sollte. Gerade wird er noch von dichten Nebelschleiern verdeckt. Viele Trecking-Gruppen laufen an mir vorbei. Meistens tragen sie bunte Jacken, welche die graue Landschaft ein bisschen aufheitern. Ich bin überwältigt von dem Andrang der Touristen und der Masse an Sicherheitskräften, die an jeder Ecke stehen und für Ordnung sorgen. Irgendwann wird mir ein Zeichen gegeben, dass ich mich aufmachen muss, wenn ich mir noch den Machu-Picchu-Mountain ansehen möchte.

Mit hochrotem Kopf und Schweißperlen im Gesicht klettere ich die nächsten 2 600 Stufen nach oben, an die höchste Stelle der Inka-Stätte. Immer wieder muss ich aufpassen, dass ich nicht ausrutsche oder mir ein Zweig ins Gesicht schlägt. Aber nun stehe ich auf 3 080 Metern Höhe. Was man nicht nur an dem frischen Wind merkt, der mir ins Gesicht bläst, sondern auch daran, dass die Luft dünner ist. Ganz von oben ist der Machu Picchu mit all seiner Schönheit zu sehen. Denn inzwischen ist der Nebel verschwunden und ich habe einen wunderbaren Ausblick über die gesamte Landschaft, die aus Dschungel, riesigen Bergen, einem Fluss und großen Wolken auf Augenhöhe besteht.

Unglaublich surreal

Das sieht unglaublich surreal aus: eine Landschaft, die fast unbezwingbar ist und mitten drin der Bau des Machu Picchu. Meine Augen wandern von Berg zu Berg, von Tälern zu Wolken. Der Nebel kommt und geht. Einmal verschwindet alles darin, nur damit kurz darauf die Sonne mit ihren Strahlen das Tal wieder in wunderbares Licht taucht.

Stunden später sitze ich überglücklich und mit wackligen Knien von der Anstrengung der Wanderung im Bus und denke an die letzten vier Tage zurück. Ich muss zugeben, dass ich vom eigentlichen Ziel, dem Machu Picchu, nur halb so begeistert war, wie ich erwartet hatte. Dort tummeln sich unglaublich viele Touristen, durch die die Magie dieser überwältigenden Stätte leider verloren geht. Das ist aber nur halb so schlimm, denn ich habe dafür viele atemberaubende Momente in der Natur erlebt.

 

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