Freischreiben Kunst aus der Dose - Der Sprayer Philip Walter

Philip Walter sprayt unter dem Namen C4E. Er ist 19 Jahre alt und wohnt in Regensburg. Foto: Dominik Lichtinger

Philip Walter hat sich einen Namen gemacht. Unter dem Pseudonym C4E (gesprochen: CAE) sprayt er nicht nur Kunstwerke zum Mitnehmen, sondern mittlerweile große Aufträge. Dominik Lichtinger (18) aus Straubing hat den Künstler getroffen.

November 2016: Es ist kalt in Regensburg. Philip Walter steht vor der 24-Stunden-Galerie und sprayt sein erstes Werk an die Wand. Heute – über zwei Jahre später – sagt der 19-Jährige über diesen Einstieg in die Welt der Sprayer, dass es ihm damals ein richtig tolles Gefühl vermittelt hat, so eine große Fläche in so kurzer Zeit zu gestalten. Wenn er jetzt neben seinen Aufträgen etwas Zeit übrig hat, findet man ihn dort manchmal, wenn er einfach mal wieder für sich selbst sprayen möchte.

Nie ohne Stift und Block unterwegs

Angefangen hat aber alles schon ein bisschen früher – nämlich im Unterricht in der achten Klasse. Als es wieder einmal langweilig ist, malt Philip Schriftzüge, die seine Freunde richtig cool finden. Sie bitten ihn deshalb, auch für sie etwas zu malen. Kunst und Schule miteinander zu verbinden und an die FOS Straubing in den Bereich Gestaltung zu wechseln, ist also das Naheliegendste für Philip, der eigentlich nie ohne Stift und Block aus dem Haus geht.

Doch auch neben der Schule ist der junge Mann weiter fleißig damit beschäftigt, Kunst zu erschaffen. Bald findet er das Sprayen von Schriftzügen langweilig und versucht sich an richtigen Bildern. Da er nichts von illegalem Sprayen hält, malt er kleine Bilder, steckt sie in Bilderrahmen und hängt sie in der Stadt auf, damit die vorbeikommenden Menschen sie mitnehmen oder fotografieren können. Anregungen und Inspirationen holt er sich bei bekannten Street-Art-Künstlern, wie zum Beispiel „Scaf oner“, aber auch einfach mal auf einer Ausstellung wie „Kopfgeburten“ von „Vincent Pollak“.

Der Durchbruch gelingt 2017 im Juli bei einem Projekt der FOS. Philip besucht gerade die elfte Klasse und mogelt sich geschickt in das „Bandhausprojekt“, das eigentlich nur den älteren Klassen zugänglich ist. Dort malt er einen „krassen Totenkopf“ – wie er es selbst ausdrückt – der bei den Leuten des Bandhauses einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Sie rufen ihn an und bitten ihn, nochmal für sie zu malen. Sie bezahlen sogar Fahrt, Verpflegung und Farben. Der junge Künstler ist begeistert und stimmt natürlich zu. Für ihn ist das ein Karrieresprungbrett, weil er sich mit zwei Werken auf riesigen Wänden verewigen darf.

Erste eigene Ausstellung für Hotelbesucher

Von da an versucht Philip, sich einen Namen zu machen. Er besucht Ausstellungen, führt viele Gespräche und plötzlich kommen immer mehr Aufträge. Er hat es geschafft. Der Name Philip Walter ist bekannt. Leute kommen auf ihn zu und wollen seine Werke in ihren Wohnzimmern hängen haben. Gerne erinnert sich Philip an seinen ersten bezahlten Auftrag. Genau ein Jahr nach seinem Einstieg in die Welt der Sprayer wurde er bei der 24-Stunden-Galerie von einem Herrn angesprochen. Dieser bot ihm an, im Zuge der Altbausanierung eines Hotels, die dortigen Türen zu gestalten. Grinsend nennt er diesen Auftrag seine „erste eigene Ausstellung“ für die Hotelbesucher. Ziel des Regensburgers ist es, sich mit seiner Kunst immer weiterzuentwickeln und damit die Selbstständigkeit zu erreichen. Wer weiß: Vielleicht schafft es der junge Mann sogar eines Tages, ein internationaler Künstler zu werden?

 

Philips Stilrichtung

Philip bezeichnet seine Arbeit selbst als relativ plakative Kunst. Er will, dass der Fokus auf dem Hauptwerk liegt und malt deswegen kaum Hintergründe. Farben verwendet Philip eher selten in seinen Werken, da er die Meinung vertritt, dass der Einsatz von Farbe dem Betrachter sehr viel vom Hauptmotiv nimmt. Deshalb möchte er in seinen Werken eine für jeden erkennbare Szene schaffen, die seiner Meinung nach durch das ausschließliche Verwenden von Schwarz und Weiß eine besondere Ästhetik besitzt.

 
 

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