Kommentar Lena Völk über Fake News und Manipilation: Das Volk glaubt alles

Im Zeitalter von Facebook und Co. sind Fake News ein großes Problem. Foto: Dominic Lipinski/dpa

Manipulation gibt es überall. In der Politik, den Medien und der Werbung. Für Lena Völk (19) aus Straubing gibt es nur eine Möglichkeit, um mit ihr fertig zu werden: Nachdenken! Ein Kommentar.

Mit dem Glauben habe ich ja so meine Probleme, aber daran, „dass wir es schaffen werden“, habe ich nie gezweifelt. Trotzdem sollten wir nicht immer alles glauben, was uns erzählt wird und auch ab und zu mal selbst das Hirn anwerfen. Denn Manipulation war schon immer ein Thema, das Menschen interessiert hat. Das Gefährliche daran: Wir merken oft nicht einmal, dass wir beeinflusst werden. Es gibt zahlreiche Sätze, Floskeln und Metaphern, die Politiker in ihre Reden einbauen, um Sympathiepunkte zu sammeln. Ähnliches nutzen Unternehmen, um ihre Kunden zum Kauf des zehnten Toasters zu bewegen. Manipulation nutzen leider eine ganze Reihe an Leuten zu ihrem Vorteil.

Fake News und Mitgefühl

Auch beim Thema „Fake News“ findet Manipulation der Sprache statt. Jetzt könnte man sich denken: „Ach, jeder macht doch mal einen Fehler und lässt seiner Fantasie vielleicht ein bisschen zu viel Spielraum.“ Aber wenn Politiker oder Journalisten bewusst Falschmeldungen verbreiten, um einen bestimmten Gedanken in der Gesellschaft zu verankern, sollte sich unser Mitgefühl in Grenzen halten. Was passiert, wenn durch eben diese irreführenden Nachrichten das Persönlichkeitsrecht verletzt oder sogar Rufmord begangen wird? Natürlich muss konsequent zwischen absichtlich falsch dargestellten und aus Versehen falsch recherchierten Aussagen unterschieden werden. Wie wenn im Fall von Attentäter Anis Amri, der 2016 einen Anschlag auf einem Berliner Weihnachtsmarkt verübte, vorschnell das Foto der falschen Person veröffentlicht wird. Das sind noch lange keine Fake News, sondern eine voreilige, unüberlegte und höchst ärgerliche Handlung. Auf der anderen Seite stehen jedoch Trump und seine Kumpanen. „Klar“, könnte man jetzt argumentieren, „dass dieser ja vielleicht auch nur voreilig und unüberlegt twittert, was ihm gerade in den Sinn kommt.“ Doch als einer der mächtigsten Männer der Welt, sollte man eigentlich in der Lage sein, sein Temperament in Zaum zu halten.

Doch Fake News und Manipulation durch sprachliche Mittel sind kein Phänomen der Neuzeit. Ein anderer zu seiner Zeit mächtiger Mann hat sich ebenfalls bei beidem sehr erfolgreich bedient: Adolf Hitler, oder besser gesagt sein Propagandaminister Joseph Goebbels. Mit gezielt eingesetzten Falschinformationen und geschickter Wortwahl haben sie die deutschen Bürger manipuliert.

Die berühmte Sportpalastrede

Gerade Kriegspropaganda ist ein sehr vielschichtiges Kapitel. So versuchte Goebbels, vor allem durch Fragen seine Zuhörer zu animieren. „Wollt ihr den totalen Krieg?“ Natürlich nicht, wer will schon Krieg, aber durch intelligent gesetzte Lobeshymnen an das Volk bringt er es auf seine Seite.

Analysiert man seine Sportpalastrede von 1943 aus rein rhetorischer Sicht, erkennt man einen ganz primitiven Aufbau. Goebbels beginnt mit einer emotionalen Ansprache und führt seinen Zuhörern die damalige Situation vor Augen. Jedoch macht er den Menschen auch Hoffnung. Er stellt den „bolschewistischen Feind“ nicht nur als deutschen Feind, sondern auch als Feind Europas dar. Anschließend spricht er verschiedene Volksgruppen persönlich an. Darunter alte Menschen, invalide Soldaten und Rüstungsarbeiter. Dann stellt er ihnen rhetorische Fragen zur Kampfbereitschaft, die er allesamt mit „Ich frage euch“ einleitet, um den persönlichen Bezug und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Auffällig ist auch, dass Goebbels die ihm wichtigen Punkte mehrmals wiederholt, um sie im Gedächtnis seines Publikums zu verankern. Er endet mit dem Appell: „Nun, Volk, steh’ auf, und Sturm, brich’ los!“ Was ja durchaus revolutionären Charakter hat.

Ein eigentlich regimekritischer Redakteur gab nach der Rede an, dass auch er aufsprang und beinahe mitgeschrien hätte, weil er so mitgerissen war. An diesem Beispiel zeigt sich einmal mehr die Macht der Sprache. Aber ist das nicht genau das, was Meinungsfreiheit sein sollte? Jeder darf seine eigene Meinung haben und diese frei äußern? Wenn er dabei noch den ein oder anderen von seiner Meinung überzeugt, ist das ja noch lange nicht verwerflich. Woher kommt also der negative Beigeschmack, den das Wort „Manipulation“ mit sich bringt? Aus dem Lateinischen übersetzt, heißt der Begriff so viel wie „etwas in der Hand haben“. Woher nun aber der Gebrauch des Wortes, wie wir ihn heute kennen, kommt, scheint keiner so richtig zu wissen.

Unser Freund mit der Haartolle

Bei meiner Recherche bin ich auf ein schönes Synonym gestoßen: Demagogie. Das hat mich gleich wieder an unseren Freund mit der gelben Haartolle erinnert. Der deutsche Journalist Martin Morlock definiert das Wort folgendermaßen: „Demagogie betreibt, wer Wahres übertreibt oder grob vereinfacht darstellt.“ Kurz gesagt: Trump ist der Inbegriff eines Demagogen. So sehr man sich gegen seine Aussagen und Inhalte wehren mag, eines muss man ihm lassen: Er schafft es immer wieder, uns zu überraschen und im Gespräch zu bleiben – was man ja auch nicht unbedingt von jedem Präsidenten behaupten kann. Aber warum nur auf die negativen Beispiele konzentrieren. Genauso gut kann Sprache auch genutzt werden, um Menschen auf eine wichtige Sache aufmerksam zu machen. Das ist eine Facette der Manipulation, die sich heute leider immer noch nicht wirklich durchgesetzt hat. Wenn „Influencer“ anstatt über ihre neue Mascara zwischendrin zum Beispiel auch mal über Menschenrechte oder Wassermangel sprechen würden, könnte man eine ganz neue Generation mobilisieren.

Das Allerwichtigste ist aber immer noch: Einfach selbst denken! Wir dürfen nicht alles glauben, was wir hören. Wir müssen hinterfragen, was der Typ im Fernsehen erzählt. Dann bestätigen wir, was schon der Schriftsteller Antoine de Saint-Éxupery sagte: „Überlegen macht überlegen.“

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading