Freischreiben Interview: Wie verläuft die Corona-Pandemie in Indien?

Leonie (rechts) mit ihrer indischen Austauschschülerin Samanvi. Beide haben im vergangenen Jahr einen Schüleraustausch gemacht. Foto: privat

Wie geht es Menschen aus anderen Ländern mit den Einschränkungen durch das Coronavirus? Das wollte Leonie Stoffels (17) aus Perkam im Landkreis Straubing-Bogen wissen und hat dazu ihre indische Austauschschülerin Samanvi befragt.

Im vergangenen Jahr war ich für zwei Wochen auf einem Schüleraustausch in Indien. Da es mich interessiert, wie die momentane Corona-Pandemie das Leben der Menschen dort und generell in fernen Ländern verändert hat, habe ich ein Interview mit meiner indischen Austauschpartnerin Samanvi (15) aus Neu-Delhi geführt. Sie hat meine Fragen auf Englisch beantwortet, ich habe sie ins Deutsche übersetzt.

Hallo, Samanvi! Wie sieht der Alltag deiner Familie seit Beginn der Corona-Pandemie aus?

Samanvi: Die Covid-19-Pandemie hat unseren Alltag komplett verändert. Als Ende März der landesweite Lockdown begann, schien es, als würde von einem Tag auf den anderen alles stoppen. Die sonst immer voll befahrenen Straßen waren plötzlich leer und man sah kaum noch Menschen. Der öffentliche Nahverkehr sowie Bahnfahren wurden verboten, Tempel und Moscheen waren geschlossen.

Welche Maßnahmen wurden von der Regierung ergriffen und gibt es schon erste Lockerungen, die euch das Leben erleichtern?

Samanvi: Die indische Regierung hat in den ersten drei Phasen des Lockdowns sehr strenge Einschränkungen verhängt. Für Tausende Menschen, die von der Hand in den Mund leben, war das eine existenzbedrohende Situation. Insgesamt wurde der Lockdown jetzt schon fünfmal verlängert. Doch zum Glück gibt es Erleichterungen: Seit 8. Juni dürfen Straßenhändler wieder ihre Waren verkaufen und Einkaufszentren, Restaurants, Tempel und Moscheen dürfen unter Auflagen wieder öffnen.

Bei euch sind die Schulen ja geschlossen. Weißt du schon, wann du wieder zur Schule gehen wirst?

Samanvi: Im Moment gibt es noch keine Informationen, wann die Schule wieder starten wird. Laut unseren Lehrern sind Bildungseinrichtungen die letzten, die geöffnet werden.

Wie läuft das Home Schooling bei euch in Indien ab?

Samanvi: Wir haben Online-Unterricht über die „Microsoft Teams“-App. Dort helfen uns die Lehrer, den Stoff besser zu verstehen, und versuchen alles, um uns die Inhalte so verständlich wie möglich zu vermitteln. Ich finde aber, dass der Online-Unterricht viel komplizierter ist als das Sitzen im Klassenzimmer, weil man sich nicht wirklich mit den anderen Schülern austauschen kann.

Wie vertreibst du dir die Zeit, die du jetzt hauptsächlich zu Hause verbringst?

Samanvi: Ich verbringe meine Zeit mit Malen, lese Romane und helfe im Haushalt mit. Ich teile mir meine Zeit für das Lernen selbst ein, um auch mal Freizeit zu haben.

Was vermisst du aktuell am meisten?

Samanvi: Ich vermisse alles, was wir zuvor machen konnten. Man war viel freier und konnte das Haus zu jeder Tageszeit einfach so verlassen, ohne sich ständig Sorgen machen zu müssen. Vor allem fehlen mir in dieser Zeit meine Freunde und die Möglichkeit, sich spontan und unkompliziert mit anderen treffen zu können.

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