Freischreiben Rebecca Fisch mit einem nachdenklichem Text über „Gehen oder bleiben“

Er hält ein Gänseblümchen in der Hand.

Gehen bleiben gehen bleiben gehen bleiben

Die letzten Blütenblätter

Gehen bleiben gehen

Gehen also

Das alles hier zurücklassen

Seine Freunde

Die, die noch am Leben und hiergeblieben sind

Seine Tanten, Onkeln und Cousinen,

Die er dann vielleicht nie wieder sehen könnte.

Seine Stadt, die einst so prächtigen Häuser,

Markthallen, Kopfsteinpflasterstraßen und die Moschee

Den Hügel, wo sie immer Drachen steigen ließen.

Alles also auf unbestimmte Zeit verlassen und auf unbestimmtem Weg

Zu einem unbestimmten Ziel aufbrechen. Wo es dann hoffentlich sicher ist.

Aber er weiß ja gar nicht, wohin er gehen soll. Er weiß doch nicht,

Was ihn in der Fremde erwartet. Und überhaupt, er, ganz allein? Wie soll er das denn schaffen?

Also bleiben?

Bei den schmerzlichen Erinnerungen an vergangenes Leid.

Nahe dem Hügel, wo jetzt nur noch Kugeln durch die Luft fliegen

In den Trümmern seiner Stadt zwischen Schutt und Asche leben

Ständig umgeben von Schüssen und Angst

Vor den Bomben, vor den Menschen.

Das Weiß des Gänseblümchens ist am Boden verstreut.

Er steht auf, klopft sich Blütenblätter und Staub von der Hose.

Dann geht er nach Hause, um seine Tasche zu packen.

 
 

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