Freischreiben Leben umgekrempelt: Ines Kiefl über ihren neuen Lebensabschnitt in Jena

Drei Stunden Autofahrt trennen mich jetzt von daheim. Und nicht nur mein Studienort ist mir fremd, sondern mein ganzes Leben wurde umgekrempelt. Plötzlich kocht Mama nicht mehr, man muss selber Wäsche waschen, Putzen ist wieder mal angesagt und was hab ich für ein Glück, dass das Kaufland zu meiner Nachbarschaft zählt.

Der erste eigene Haushalt macht mir zu schaffen und braucht seine Zeit. Daneben soll man sich in einer fremden Stadt zurechtfinden – ausgerechnet ich mit meinem ach so ausgeprägten Orientierungssinn. Neue Freundschaften will man schließen, aber sich auch gleichzeitig auf die Uni konzentrieren. So ungefähr war auch mein Start ins Studium.

Ich habe mir die Stadt der Frühromantik ausgesucht, die für Goethe und Schiller bekannt ist – passend zu meinem Studiengang Germanistik, der viel Zeit fürs Lesen und Schreiben erfordert. Doch was mir am schwersten fällt, ist eindeutig das Hochdeutschsprechen. Obwohl ich mich ohnehin bemühe und früher dachte, dass ich perfekt Hochdeutsch sprechen kann, höre ich nicht gerade selten: „Kommst du aus der Schweiz?!“. Doch anders als erwartet finden die meisten Mitstudenten meinen Dialekt „richtig süß“.

Auch hätte ich nicht gedacht, dass so viele Studierende der Friedrich-Schiller-Uni gar nicht aus der Umgebung kommen. Mein neuer Freundeskreis setzt sich zusammen aus einer Hessin, Baden-Württembergerin, Bayerin (das bin ich), Sächsin und Inderin, die extrem gut Deutsch sprechen kann. Ich bin also nicht die einzige, die in einem anderen Bundesland studiert.

Hier mache ich jeden Tag neue Erfahrungen, beispielsweise dass man das Wort „heuer“ (also dieses Jahr) hier nicht verwenden kann oder dass ein Butterbrot hier „Bemme“ genannt wird. Die Thüringer Rostbratwurst lässt sich in Jena außerdem auch gut genießen und, dass alle zehn Minuten eine Straßenbahn geht, steht in keinem Verhältnis zu der raren Anzahl an Busfahrten in meiner Heimat. Trotzdem freue ich mich jedes Mal auf meine Familie und die vertraute Umgebung, die man meiner Meinung nach immer schätzen sollte, egal wo man sich gerade befindet.

 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading

Videos