Freischreiben Eine zweite Chance: Verena Gerbl über das Buch „Bob, der Streuner“

„Bob, der Streuner – Die Katze, die mein Leben veränderte“ von James Bowen ist im Verlag Bastei Lübbe erschienen. Foto: Bastei Lübbe

Der Roman „Bob, der Streuner – Die Katze, die mein Leben veränderte“ ist die wahre und herzergreifende Geschichte von James Bowen, einem Straßenmusiker aus London, der sein Leben in Form einer Autobiografie auf sehr ehrliche und bewegende Weise schildert. Er schreibt vom täglichen Kampf darüber, wie er allein mit seiner Musik über die Runden kommt, aber auch davon, wie er überhaupt obdachlos geworden ist.

James’ Kindheit, die aus ständigen Reisen zwischen seiner Heimat England und Australien, wo seine Mutter ein neues Leben aufbauen will, besteht, kann ihm nur wenig Halt bieten. Als Jugendlicher gleitet er immer tiefer in seine eigene Welt aus Musik und Drogen.

Nachdem er seinen Job als Barkeeper verliert, bei der eigenen Familie nicht mehr zuhause ist und auch bei seinen Freunden nicht noch länger unterkommen kann, muss er wohl oder übel auf die Straße ziehen.

Raus aus der Drogenszene

Seine Autobiografie beschreibt die Einsamkeit, die Menschen verspüren, die durchs Raster unserer Gesellschaft fallen und von dieser kaum mehr wahrgenommen werden. Wohin gehen, wenn der Magen knurrt, aber immer noch gut 20 Cent fehlen, um die warme Suppe in der Obdachlosenunterkunft zu bezahlen? Geradezu verlockend erscheint da die erneute Flucht in die Drogenszene. Nachdem sein Entzugsversuch scheitert, wird er in einem Sozialprogramm aufgenommen: Ihm wird der Einzug in eine Wohnung im Stadtviertel Tottenham ermöglicht.

Seine Einsamkeit, die für ihn der Hauptauslöser seiner Drogenprobleme war, beginnt sich aufzulösen, als ein streunender, verletzter Kater eines Morgens durch ein offenes Fenster in James’ Wohnung gelangt und ihm nicht mehr von der Seite weicht. Zu Beginn, als der ausgehungerte Kater mit einer klaffenden Wunde am Bein sich über James’ Müsli hermacht, ist man sich als Leser noch nicht wirklich sicher, wem von beiden es wohl gerade dreckiger geht. Dennoch fasst sich James ein Herz, pflegt ihn gesund und tauft ihn Bob.

Auch das Methadon-Programm, dem James beitritt, verhilft ihm zu den ersten, wenn auch unsicheren Schritten in ein Leben ohne Drogen.

Treuer Begleiter auf vier Pfoten

Schon bald entpuppt sich der Kater Bob, der aufgrund seines Fells ein wenig an die schlanke Version Garfields erinnert, als wahre Attraktion an der Seite des Straßenmusikers. Das seltsam anmutende Duo zieht Passanten und Touristen magisch an, deren Spenden nicht nur für James’ Mahlzeiten, sondern auch noch für Katzenfutter reichen. Das Leben schenkte James Bowen letztlich nicht nur eine zweite Chance, sondern auch einen treuen Begleiter an seiner Seite, für den es sich lohnt, seinen Kampf gegen die Drogen weiterzuführen.

James Bowens Geschichte ist wahnsinnig bewegend. Es erscheint schwer zu glauben, wie einfach Menschen aus der Gesellschaft fallen können und wie steinig der Weg zurück in die Mitte ist. Einziger Kritikpunkt: James Bowens Erzählton ist sehr nüchtern. Darin spiegelt sich aber auch seine schlimme Vorgeschichte wider.

Sehr emotional verfilmt

Die gleichnamige Verfilmung, die es von dem Roman gibt, ist dafür sehr emotional. Vor allem die Lieder, die James Bowen an der Underground-Station Covent Garden spielt und die man im Buch leider nicht hören kann, sind so schön getextet, dass sie dem Film noch eine weitere Tiefe verleihen.

Wer also Langeweile verspürt, darf sich „Bob, der Streuner – Eine Katze, die mein Leben veränderte“ definitiv nicht entgehen lassen. Den Film gibt’s unter anderem bei Netflix. Die Tatsache, dass es James Bowen dank eines zugelaufenen Katers und seiner Akustik-Gitarre aus seiner Krise geschafft hat, führt vor Augen: Es lohnt sich, das Leben und seine Chancen jeden Tag neu zu nutzen.

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