Freischreiben Die Sache mit der Einzigartikeit

 Foto: ccvision

Kaum etwas scheint noch besonders zu sein. Beim Versuch, anders und einzigartig zu sein, schießen viele übers Ziel hinaus. Anna Schwarz (25) aus Straubing findet: Eine Kleinigkeit wird dabei übersehen – man dreht sich im Kreis.

Pinke, blaue oder graue Haare? Gelber, schwarzer oder doch lieber grüner Lippenstift? Sollten die Flash-Tunnel (Tunnel im Ohr) vielleicht noch etwas mehr gedehnt werden? Immerhin passt da noch kein Fußball durch. Bunte Haare, extremer Körperschmuck, auffällige Kleidung, ein besonderer Musikgeschmack und natürlich dem aktuellen Food-Trend folgen – das sind heute Voraussetzungen, um einzigartig zu sein. Ob man zum Schluss aussieht wie ein Papagei, spielt keine Rolle. Hauptsache auffallen. So scheint der Trend seit geraumer Zeit.

Was macht uns besonders?

Doch was ist normal und was besonders? Besonders sind wohl Menschen mit einzigartigem Aussehen, Können, oder außergewöhnlichen Eigenschaften. Menschen mit grünen Augen sind weltweit zum Beispiel selten anzutreffen. Der größte Teil der Weltbevölkerung hat braune Augen. Ebenfalls selten ist die Fähigkeit der „Beidhänder“. Sie können beide Hände geschickt nutzen, so zum Beispiel die Herzogin Meghan Markle.

Menschen, die etwas besonders gut können, scheinen ebenfalls einzigartig zu sein: So macht nicht nur sein orangefarbenes Haar Ed Sheeran zu etwas Besonderem, sondern vor allem sein musikalisches Talent. Der Künstler beherrscht mehrere Musikinstrumente und schreibt einen Hit nach dem anderen.

Man dreht sich im Kreis!

Selbstverständlich kann ein körperliches Merkmal nicht ohne weiteres verändert werden. Aber warum möchten viele unbedingt etwas verändern? Wenn doch alle bunte Haare und große Flash-Tunnel haben, die individuelle Musik hören und dasselbe Superfood anbeten, wie kann dann noch jemand auffallen? Dreht man sich hier nicht im Kreis? Und wer sagt, dass einzigartig sein besser als normal sein ist?

Besonders zu sein und immer und überall aufzufallen, ist nicht immer von Vorteil. Bestimmt kennst du folgende Situation: Tolles Wetter, eigentlich müsste man noch etwas lernen, aber am Weiher ist es gerade so schön. Schnell ist das Lernen vergessen. Am Folgetag sucht der Lehrer nach einem Kandidaten zum Ausfragen. Alle Unvorbereiteten rutschen langsam tiefer in den Stuhl und auf einmal ist sogar ein leeres Blatt Papier interessant. Hauptsache den Augenkontakt zum Lehrer vermeiden. Auch ich war schon einige Male in besagter Situation und durfte mich freuen, dass der Lehrer anstatt mir den auffällig gekleideten und sonst immer lauten Klassenclown aufrief. In solchen Augenblicken fällt man gerne nicht auf und ist froh, ein „Normalo“ zu sein.

Doch zurück zur eigentlichen Frage: Was steckt eigentlich hinter dem Wunsch, einzigartig zu sein? Wahrscheinlich ist es das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung und Zuspruch. Wer wird nicht gerne gelobt oder bekommt ein Kompliment? So zum Beispiel ein Lob vom Trainer für den guten Einsatz im Spiel oder die Bewunderung der Freunde, weil das neue Tattoo besonders stylisch aussieht. Doch Vorsicht! Pass auf, dass du bei all den Ansprüchen der Gesellschaft – Familie, Freunde und soziales Umfeld – nicht anfängst, dich zu verstellen. Nicht alle Trends müssen verfolgt, nicht alle Ansprüche erfüllt werden. Während du dir Mühe gibst, den Vorstellungen und Wünschen anderer zu entsprechen, kann es schnell passieren, dass du dich selbst verlierst. Und genau das wäre schade.

Jeder von uns hat seine Stärken und Schwächen. Jeder seinen Stil und eine eigene Art. Stell dir vor, du müsstest jeden Tag ein und dasselbe essen – selbst wenn es Pizza wäre – dann würdest du schnell feststellen, dass es irgendwann fad schmecken würde. So ist es auch mit den Menschen und der Welt. Wäre jeder Ort, jeder Tag, jeder Mensch und jedes Tier gleich, dann würdest du das Bunte, das Besondere und das Andere schnell vermissen. Anders herum: Wäre alles anders, alles fremd und immer neu, würdest du dich auf lange Sicht hin wohl einsam, verloren und haltlos fühlen.

Einzigartig oder normal?

Beide Extreme zeigen auf, dass weder zu besonders, noch zu normal jemanden auf Dauer glücklich macht. Sei besser einzigartig normal, oder ein normaler Einzigartiger! Auch wenn du denkst, dass du ein Langweiler bist, hast du trotzdem eine Eigenart.

Kannst du etwas besonders gut, oder bist aufgrund deines Äußeren etwas einzigartig, brauchst du auch in diesem Fall nicht verzweifeln. Trotz der Einzigartigkeit werden sich auch immer Gleichartigkeiten finden lassen. Die Goldene Regel lautet also: Sei dir selbst treu! Leben und leben lassen.

 
 

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