Freischreiben Das verschollene Ich: Unglaubliche psychische Störungen

Sophia Wimmer stellt psychische Störungen vor, die unbekanntund unglaublich zugleich sind. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Sich fühlen wie Alice im Wunderland, Wandeln wie ein Zombie, Angst vor der Zahl 13 – es gibt viele psychische Störungen, die unbekannt und unglaublich zugleich sind. Sophia Wimmer stellt einige davon vor.

Sehen Sie in den Spiegel. Beobachten Sie sich. Wie gut kennen Sie die Person, die Sie sehen? Eine dumme Frage. Aber kann man einfach behaupten, sein eigenes Ich zu kennen? Sich selbst vertraut und beständig zu sein? Verschiedene neuropsychiatrische Störungen, etwa Schizophrenie oder Demenz zeigen, wie wir uns fremd werden können. Unser „Ich“ wird brüchig. Man wird zu einem Fremden. Das eigene Ich ist verloren. Beide Störungen sind in unserer Gesellschaft relativ bekannt und treten häufig auf. Es gibt aber auch psychische Störungen und Erkrankungen, die äußerst selten sind – und deren Symptome sehr seltsam sind. Hier erfährst du mehr über die unbekanntesten und unglaublichsten Störungsbilder der menschlichen Psyche.

Im Traumland: das Alice-im-Wunderland-Syndrom (AIWS)

Benannt nach dem bekannten Kinderbuchklassiker von Lewis Caroll geht man hier von einer gestörten Wahrnehmung der Umwelt oder der eigenen Person aus. Ursachen dafür sind meist organische Schäden oder exzessiver Drogenmissbrauch. Die Störung zeigt sich darin, dass man Gegenstände – egal ob Menschen, Tiere oder Objekte – verkleinert, vergrößert, deformiert, räumlich verstellt oder farblich verändert wahrnimmt. Betroffene empfinden eine Abspaltung von Körper und Seele, haben ein gestörtes Zeitgefühl und Schwebegefühle.

In der Welt der Doppelgänger: das Capgras-Syndrom

Menschen mit Capgras-Syndrom sind desillusioniert und glauben, dass andere durch Doppelgänger ersetzt wurden. Erfahrungen sprechen von einem plötzlichen Fremdheitsgefühl gegenüber Bekannten. Man fühle sich, als würden Eltern, Partner oder die eigenen Kinder Masken tragen oder keine Seele mehr besitzen. Zurückzuführen ist diese Störung auf eine gestörte Informationsübertragung im Gehirn.

Leben wie ein Untoter: das Cotard-Syndrom

Eine bizarre Wahrnehmungsstörung, die Lebende glauben lässt, sie wandeln unter den Toten – das ist das Cotard-Syndrom, auch „Zombie-Syndrom“ genannt. Die Betroffenen fühlen sich tot, wie in einem Zustand der Verwesung. Sie leben in einer Zwischenwelt, ziehen sich zurück und essen nichts mehr. Auslöser dafür können traumatische Erlebnisse oder Reaktionen auf das antivirale Medikament Aciclovir, einem Herpesmittel, sein.

Die Furcht vor Freitag, dem 13.: die Triskaidekaphobie

Seit jeher wird die Zahl 13 mit drohenden Missgeschicken und Unglücken assoziiert. Menschen, die eine spezifische Angst gegen die Zahl 13 entwickeln – auch Triskaidekaphobie genannt – erleben eine derartige Furcht vor der Unglückszahl, sodass sie bereits jeglichen Gedanken daran unterdrücken. Sollte dies einmal nicht glücken, so erleben sie – ausgehend von der Zahl 13 – eine erhebliche Bedrohung für Leib und Seele.

Sympathien für den Peiniger: das Stockholm-Syndrom

Eine Geiselnahme in Schweden gilt als Namensgeber für dieses psychologische Phänomen. Es besagt, dass Opfer plötzlich Verständnis, Sympathien und Zuneigung zu ihren Geiselnehmern entwickeln, sich mit ihnen identifizieren und kooperieren. Ursache dafür ist die isolierte Situation, in der sich eine Geiselnahme oder Entführung abspielt: Die Opfer verlieren jegliche Kontrolle über ihre eigene Existenz und erleben den Täter als Instanz, die über Leben und Tod entscheidet. Dies kann so weit gehen, dass die Opfer sogar Falschaussagen bei der Polizei machen – aus Liebe zu ihrem Peiniger.

Quellen:

Alice im Wunderland-Syndrom: symptomat.de/Alice-im-Wunderland-Syndrom

Capgras-Syndrom: dasgehirn.info/wahrnehmen/truegerische-wahrnehmung/welt-der-doppelgaenger

Cotard-Syndrom: focus.de/gesundheit/videos/cotard-oder-zombie-syndrom-untote-unter-uns-diese-menschen-fuehlen-sich-als-lebende-leichen_id_6138159.html

Triskaidekaphobie: psylex.de/stoerung/angst/phobien/triskaidekaphobie.html

Stockholm-Syndrom: spiegel.de/einestages/stockholm-syndrom-so-entstand-die-bezeichnung-a-1109897.html

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading