Freischreiben Buch vs. Film: Svenja Schindler macht den Vergleich

Die Figur Thomas aus der Buchreihe "Maze Runner" von James Dasher fand Svenja in der Verfilmung gut besetzt. Foto: 20th Century Fox

Wenn Bücher zu Filmen werden, streiten Bücherwürmer und Filmfans, denn bei einer Romanverfilmung kann viel schiefgehen. Das weiß auch Svenja Schindler aus Parkstetten. Trotzdem findet sie es gut, wenn Bücher auf die Leinwand kommen. Ein Plädoyer für Buchverfilmungen.

Wer eingefleischte Bücherwürmer kennt, der kennt mit Sicherheit auch das Gejammer, wenn mal wieder eine Buchverfilmung in die Kinos kommt: "Dabei geht die komplette Message verloren", "Die Geschichte ist viel zu umfangreich für einen zweistündigen Film!" oder "Der Handlungsstrang ist im Buch ganz anders!". Das sind ihre typischen Klagen. Ich selbst liebe Bücher auch. Aber genauso liebe ich Filme. Und obwohl ich Bücher vorziehen würde, freue ich mich immer, wenn ich mir eine Geschichte auch einfach mal anschauen kann.

Spannend: Wurden meine Vorstellungen erfüllt?

Wenn ich ein Buch vorher schon gelesen habe, finde ich es besonders spannend, zu sehen, ob sich meine Vorstellungen, die ich mir während des Lesens gemacht habe, auch im Film erfüllen. Zum Beispiel, ob ich mir eine Buch-Figur vielleicht komplett anders vorgestellt habe als den Schauspieler, der diese im Film verkörpert. Da ist es natürlich selbstverständlich, dass man manchmal überrascht oder sogar enttäuscht wird. So ging es mir zum Beispiel bei Gideon in Kerstin Giers Edelstein-Trilogie bestehend aus den Büchern "Rubinrot", "Saphirblau" und "Smaragdgrün". Er sah mir im Film irgendwie immer ein bisschen zu nett aus. Anders war das bei der Trilogie "Maze Runner - Die Auserwählten" von James Dashner. Denn nicht nur Thomas entsprach meinen Vorstellungen, sondern auch viele der anderen Schauspieler fand ich ziemlich passend für ihre Rollen ausgewählt.

Natürlich können Buchverfilmungen manchmal auch schief gehen und nicht alle Autoren waren immer zufrieden mit dem, was die Filmindustrie mit ihren Romanen angestellt hat. So gefielen beispielsweise der Autorin P. L. Travers die Animationen in der Verfilmung ihres Buches "Mary Poppins" nicht und außerdem soll ihr die Strenge der Geschichte im Film gefehlt haben. Ihre Änderungswünsche wurden nicht umgesetzt und somit erlaubte sie Disney nachher nicht, ihre weiteren Bücher zu verfilmen - bis zu ihrem Tod. Ihre Erben gaben Disney schließlich grünes Licht und "Mary Poppins' Rückkehr" kam vergangenes Jahr ins Kino.

Der Pluspunkt: Filme verbreiten ein Buch weiter

Trotzdem glaube ich, dass Filme die Geschichte eines Buches noch mehr in der Welt verbreiten können. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die absolut ungern Bücher liest und ich kann sie einfach nicht dazu überreden. Dann ist es natürlich schwierig, sich mit ihr über mein neues Lieblingsbuch zu unterhalten. Wenn dieses allerdings verfilmt wird, wie es zum Beispiel bei "Maze Runner - Die Auserwählten" der Fall war, konnte ich mich auch mit ihr über die Geschichte austauschen und darüber diskutieren, ob diese Theresa denn nun wirklich eine Verräterin ist oder nicht.

Und zugegeben: Manchmal bin ich auch tatsächlich selbst zu faul, ein Buch zu lesen, von dem plötzlich alle schwärmen. Dann warte ich lieber auf die Verfilmung, die meist nicht lange auf sich warten lässt, sollte das Buch erfolgreich sein.

Da Kinofilme meist nicht länger als zwei Stunden dauern, ist es natürlich schwer, jede Szene aus dem Buch auf die Leinwand zu packen - vor allem, wenn ein Roman über einen längeren Zeitraum spielt. Selbstverständlich müssen die Filmemacher die Geschichte dann ein wenig reduzieren.

Die Schwierigkeit: das Wichtigste auswählen

Ich glaube, die Kunst, ein Buch zu verfilmen, liegt darin, sowohl den Erwartungen des Lesers als auch des Autors gerecht zu werden. Dabei ist es natürlich schwierig, aufgrund der begrenzten Filmdauer nur die wichtigsten Teile des Buches auszuwählen und dennoch damit die komplette Geschichte zu erzählen. Genau hier entstehen dann vermutlich auch Veränderungen der Geschichte, die die Filmemacher vornehmen müssen, um in der kurzen Zeit den bestmöglichen Weg zum Ende des Buches zu finden. Ich persönlich finde es schön, wenn man von einer Buchverfilmung dadurch nochmal überrascht wird. Es wäre ja langweilig, eins zu eins jeden Satz, jedes Wort und jedes Detail aus dem Buch auf der Leinwand zu sehen - kennt man ja schon!

Schutz vor Enttäuschungen: erst der Film, dann das Buch

Und selbst wenn kleine "superwichtige" Details in den Filmen ausgelassen werden, kann der Film genau dann dazu anregen, vielleicht doch mal einen Blick in das Buch zu werfen und darin noch mehr zu entdecken. Das ist auch einer meiner Gründe, weshalb ich es eigentlich sogar bevorzuge, Bücher erst zu lesen, wenn ihre Verfilmungen bereits erschienen sind und ich sie gesehen habe. Dadurch kann ich nicht mehr enttäuscht werden, sondern mich im Nachhinein vom Buch nur noch "bereichern" lassen.

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