Freischreiben Alexandra Kagerer über das Buch „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“

Alexandra Kagerer. Foto: privat

Allein der Titel des Buches „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ klingt provokant und macht zugleich neugierig darauf, was die Autorin Reni Eddo-Lodge zu dieser Aussage treibt. Das Buch behandelt nicht das typische Wissen, das jeder über Rassismus besitzt, sondern es greift tiefer: Reni Eddo-Logde klärt über den unsichtbaren strukturellen Rassismus auf, der von den Institutionen, Gesetzen, Normen und der Logik einer Gesellschaft ausgeht.

Die Augen öffnen

Die in London geborene Journalistin und Bloggerin Reni Eddo-Lodge, die unter anderem für die New York Times schreibt, hat mit ihrem Roman ein aufsehenerregendes Werk verfasst. Es wurde 2018 mit dem British Book Award ausgezeichnet. Doch warum ist das Buch so besonders? Es dreht sich um das Schlagwort Rassismus, das oft fällt und zu dem jeder meint, das Wichtigste zu wissen. Reni Eddo-Lodge will jedoch die Augen ihrer Leser öffnen und zeigen, welche enorm blinden Flecken in der Gesellschaft zu diesem Thema vorherrschen. Sie setzt genau bei ihnen an und erläutert, wo es wirklich an Wissen fehlt.

Ein Beispiel ist hier das Bewusstsein darüber, dass Weißsein in so gut wie allen Bereichen wie Medien oder Politik als Norm gilt und dass Weiße dadurch enorm profitieren. Reni Eddo-Lodge betitelt dieses Phänomen als sogenanntes „White Privilege“, das jedem Weißen bereits bei der Geburt zufällt. Damit meint sie, dass den Weißen negative Konsequenzen von Rassismus in vielen Lebensbereichen erspart bleiben. Das heißt aber nicht, dass Weiße nicht kämpfen müssen oder nicht von Armut betroffen sein können, sondern vielmehr, dass die weiße Hautfarbe einen positiven Einfluss auf zahlreiche Faktoren im Leben hat, auch wenn Weiße das selbst nicht bemerken.

In ihrem Buch macht die Autorin das aussagekräftig klar: „Neutral ist weiß. Die Norm ist weiß. Weil wir in ein bereits existierendes Drehbuch hineingeboren werden, das uns sagt, was wir aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Akzents und ihres sozialen Status von Fremden zu erwarten haben, ist die gesamte Menschheit weiß codiert. Schwarzsein ist das ‚Andere‘ und deshalb verdächtig.“

Auch der Brexit ist Thema

Schonungslos und ehrlich legt Reni Eddo-Logde dar, dass viele weiße Menschen nicht begreifen, wie sich „People of color“ in einem System behaupten müssen. Dieses suggeriert an der Oberfläche Toleranz, praktiziert aber im Kern strukturellen, institutionellen Rassismus. Sie berichtet zudem von eigenen Erfahrungen, lässt aber auch wichtige mit Rassismus verbundene Ereignisse in der Geschichte Großbritanniens aufleben. Auch der Brexit ist Thema in ihrem Buch, aber aus einer völlig neuen und überraschenden Perspektive.

Reni Eddo-Lodge leistet mit ihrem Buch einen wichtigen Beitrag zu mehr Toleranz und findet wahre Worte zum strukturellen Rassismus. Deshalb: klare Leseempfehlung!

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