Nach tödlichem Unfall Wie gefährlich sind Brände bei E-Autos?

Das ausgebrannte Unfallwrack eines Autos steht an einem Baum. Eine junge Fahrerin ist in Groß Kreutz bei Potsdam mit ihrem E-Auto gegen einen Baum geprallt und darin verbrannt. Foto: Julian Stähle/dpa-Zentralbild/dpa

Eine junge Frau ist in der Nähe von Potsdam in einem Elektroauto verbrannt. Spätestens seit dieser Unfall-Tragödie stellt sich die Frage, wie gefährlich solche Fahrzeuge sein können und ob Feuerwehren in Ostbayern für einen Ernstfall richtig ausgerüstet und entsprechend geschult sind.

Bei Potsdam passierte Ende Juni ein tragischer Unfall. Eine junge Frau verlor in einer Kurve plötzlich die Kontrolle und krachte mit ihrem E-Auto gegen einen Baum. Das Fahrzeug fing Feuer. Für die Feuerwehrkräfte sei es laut eines Polizeisprechers schwierig gewesen, die Frau zu retten. Sie hätten zunächst versucht, durch Kühlen des Fahrzeugs zu verhindern, dass die Batterien im Fahrzeug explodieren. Gegenüber dem Rundfunk Berlin-Brandenburg sagte der Gemeindewehrführer Kristian Titsch, dass E-Autos relativ schwierig zu löschen seien und sie die Erfahrung nicht hätten. Die Feuerwehr konnte die Tür nicht öffnen. Es musste erst entsprechendes Material besorgt werden. Für die Frau kam jegliche Hilfe zu spät. 

E-Autos brennen länger – viel mehr Wasser nötig

Bei einem Autobrand spielt zunächst der Fahrzeugtyp keine Rolle. Wenn jemand ein brennendes Auto meldet, alarmiert die Integrierte Leitstelle die nötige Zahl an Einsatzkräften. Vor Ort bekämpfen Atemschutzträger mit Löschwasser die Flammen. Sobald das Feuer eingedämmt ist, wird die Person aus dem Wrack gerettet. In der Zwischenzeit informiert sich der Gruppenführer über den Fahrzeugtyp und alarmiert gegebenenfalls Löschfahrzeuge nach.

„Bei Elektroautos ist der Wasserbedarf um einiges höher. Laut Tesla sind bei ihrem Model S 11.000 Liter Wasser nötig. Bei einem Auto herkömmlichen Antriebs werden nur bis zu 2.000 Liter benötigt“, sagt Jürgen Weiß, Sprecher des Landesfeuerwehrverbands Bayern. Seiner Meinung nach ist ein E-Auto nicht schwerer zu löschen. Das Problem bei dem beschriebenen Unfall war ein anderes. „Als die Feuerwehr am Unfallort eintraf, war der Brand zu sehr fortgeschritten. Die Frau war schon tot und konnte deshalb nicht mehr gerettet werden“, sagt Weiß.

Akkus müssen tagelang gekühlt werden

Auch nach dem Löschen braucht es für E-Autos einen höheren Aufwand. „Die Batterie kann sich nach dem Löschen wieder von selbst entzünden“, sagt Dominik Zehatschek, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Landshut. Das Fahrzeug muss einige Tage lang in einem wasserdichten Abrollbehälter gekühlt werden. Diese spezielle Mulde kostet laut Pressesprecher Tobias Welck vom Landratsamt Straubing-Bogen rund 60.000 Euro, das Wechselladefahrzeug dafür kostet 150.000 Euro.

Laut Stadtbrandrat Stephan Bachl von der Feuerwehr Straubing belegen Studien, dass das kontaminierte Wasser bei Beschädigung der Batterie hochgiftig ist und als Sondermüll entsorgt werden muss. Für ihn stellt sich die Frage, wo der Löscheinsatz der Feuerwehr endet und der Bergeeinsatz von Privatunternehmen beginnt. Die Straubinger Feuerwehr greift derzeit auf einen wasserdichten Container vom THW Ortsverband zurück. Für die Feuerwehr Landshut ist das Herunterkühlen der Batterie Sache des Entsorgers. 

Hiesige Feuerwehren gut aufgestellt

Die Feuerwehren Straubing, Landshut und Deggendorf sind für solche Einsätze gut aufgestellt, um auch kleinere Wehren entsprechend unterstützen zu können, wie Feuerwehrverantwortliche aus der Region betonen. Alleine im Landkreis Straubing-Bogen gibt es 128 Freiwillige Feuerwehren, wie Welck mitteilt. Den Umgang mit E-Autos lernen die Feuerwehrkräfte in der Ausbildung, bei Übungen und jährlichen Schulungen.

Jährlich brennen laut Bachl zehntausende Fahrzeuge aufgrund von Unfällen und Kurzschlüssen. Eine Statistik, wie viele E-Autos brennen, ist nicht vorhanden. Durch die steigenden Zulassungszahlen wird in den kommenden Jahren aber mit einer steigenden Zahl von E-Fahrzeugbränden zu rechnen sein.

 

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