Frankfurter Buchmesse Auf der Suche nach ostbayerischen Ausstellern

Ziereis Faksimiles aus Regensburg. Foto: Sonja Esmailzadeh

Mehr als 7.000 Aussteller sind auf der Frankfurter Buchmesse vertreten, darunter etwa 7 aus Ostbayern. Wer sind sie und was stellen sie aus?

So groß der Besucherandrang am Samstag, so lang die Schlangen, so überlaufen die Veranstaltungen – die Präsenz regionaler Vertreter auf der Frankfurter Buchmesse ist überschaubar. Gibt man in der App gezielt Aussteller der größeren Städte Ostbayerns ein, lassen sich im Verzeichnis nur zwei ausmachen: Landshut, 1 Treffer, Regensburg immerhin 6. Straubing, Cham, Deggendorf oder Passau: 0.

Die Suche gestaltet sich schwierig. Einige Aussteller sind unter der Signatur in der App gar nicht erst zu finden und selbst an den Ständen entspricht die Fluktuation eher dem weniger dicht besiedelten Raum der Region. Ansprechpartner: Fehlanzeige.

Am Stand des Verlags „Friedrich Pustet“ etwa steht am Nachmittag kaum einer, in den gut sortierten Regalen liegen dafür umso mehr regionale, historische und theologische Abhandlungen. Damit gibt der Verlag, den der in Passau geborene Friedrich Pustet (1798-1882) damals gründete, Einblicke in die Verlagsentstehung.

Pustet geht damals von Passau nach Regensburg, wo er 1826 seine Buchhandlung aufbaut. Der Schwerpunkt liegt auf liturgischen Werken – ein späteres Alleinstellungsmerkmal des Verlags. Pustet bringt die katholische Familienzeitschrift „Deutscher Hausschatz“ heraus, für die etwa der „Winnetou“-Autor Karl May schreibt. Mit der Publikation wird der Verlag bekannt. Heute gehört zur Firma Friedrich Pustet die Buchhandlung „Bücher Pustet“ mit elf Standorten in Bayern, acht davon in Ostbayern.

Glückslichter und meditative Postkarten

Etwas weiter in Halle 3.0 ist der kleine Stand „Kreitmeier-Valina Design und Produkte“ und endlich – ein erster Ansprechpartner zu finden. Geschäftsführer Jürgen Kreitmeier aus Landshut zeigt einem Kunden gerade einen seiner Hauptartikel, das Glückslicht. „Das ist das Prinzip Glückskeks, nur als Kerze“, sagt er. Brennt das Teelicht herunter, wird am Boden eine Botschaft sichtbar. Kreitmeiers Firma ist spezialisiert auf Geschenkartikel. Das Grafikunternehmen gibt es schon seit 15 Jahren, die Produkte seit etwa 5 bis 6, sagt er. „Ich mache das zusammen mit meiner Frau, wir sind beide selbständige Designer. Das meiste gestalten und produzieren wir selbst.“

Aktuell präsentiert er auf der Messe einen neuen Artikel, der Analoges und Digitales verbinden soll. „Auf den Postkarten gibt es einen Zugangscode für eine Online-Meditation, die man sich 15 Minuten lang anhören kann.“ Andere ostbayerische Aussteller hat Kreitmeier noch nicht entdeckt. „Es ist wahnsinnig viel Betrieb, anders als auf anderen Messen“, sagt er.

„Das ist für uns das Wohnzimmer des Verlags“

Halle 4.1: Am Messestand des Verlags „Schnell und Steiner“ aus Regensburg steht ein weiterer Ansprechpartner aus Ostbayern. Rainer Boos ist Vertriebs- und Marketingleiter des Verlags und räumt schon die Bücher aus den Regalen. Hier steht etwa der Jubiläumsband „800 Jahre Veste Oberhaus“, aber auch Bücher über Mythen, sakrale Kunst oder jüdisches Leben in Regensburg liegen aus.

Für ein kurzes Gespräch nimmt sich Boos noch Zeit und erzählt von den Anfängen des Verlags, der seit je her auf Kunstgeschichte und Archäologie spezialisiert ist. „Alles begann vor 85 Jahren. Da waren zwei Herren, der Herr Schnell und der Herr Steiner, die damals ein bisschen Streit hatten mit dem damaligen Regime. Die haben sich selbständig gemacht, weil die in ihren Verlagen nicht mehr arbeiten durften - als NSDAP-Gegner.“

Die beiden verlegten kleine Kirchenführer und wurden damit erfolgreich. „Wir haben heute über 3.000 Hefte, sind der größte Anbieter in Europa und machen hochwissenschaftliches und profan wissenschaftliches Programm, weil wir die Kunstgeschichte auch einem breiten Publikum zugänglich machen wollen“, sagt Boos, der schon seit rund 40 Jahren zur Frankfurter Buchmesse kommt. „Das ist für uns das Wohnzimmer des Verlags“, sagt er. Hier kommen jedes Jahr Kunden aus aller Welt zusammen. „Es ist einfach schön, mit den Menschen in Dialog zu treten und neue Kontakte zu knüpfen.“

Obwohl es nicht viele ostbayerische Aussteller gibt, wird man letztlich doch fündig. Allen Verlagen aus der Region ist gemein, dass sie viel Wert auf Bodenständiges und historisch Verwurzeltes, aber auch Mystisches und Theologisches legen.

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