Deutschland Frankfurt am Main: Alt und neu - und noch viel mehr

Das Rathaus, der Römer, ist aus dem 15. Jahrhundert. Der Besuch beim Gebäude ist Pflicht für jeden Touristen.
Das Rathaus, der Römer, ist aus dem 15. Jahrhundert. Der Besuch beim Gebäude ist Pflicht für jeden Touristen. Foto: Doris Emmer

Frankfurt am Main ist eine Stadt von Gegensätzen: Alt und Neu, Wolkenkratzer und gemütliche "Äpplwoi-Wirtschaft", der fast ländliche Ortsteil Sachsenhausen und das weltstädtische Finanzdistrikt, Shopping-Overkill in den Flagship-Stores internationaler Marken und Entschleunigung im Taunus.

Erste Station der Reise ist nicht Frankfurt, sondern der wenige Kilometer entfernte Ort Oberursel. Die Häuser hier werden zu Spitzenpreisen gehandelt. Ermöglicht doch die S-Bahn in 15 Minuten von der beschaulichen Idylle einer Kleinstadt direkt ins Zentrum der 700.000-Einwohner Metropole zu fahren. Eines der schmucken Häuser mit Garten gehört unseren Freunden. Sie haben mir die Stadt und die Region gezeigt.

Trotz der touristischen Verstopfung muss man natürlich hin: zum Römer. Das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, das fast direkt neben dem Main täglich Tausende Touristen anzieht. Besonders bei Asiaten ist die Stadt beliebt. Sie drängen sich in den kleinen Andenkenläden und kaufen Apfelweinkrüge, T-Shirts mit der Stadtansicht und allerlei Mitbringsel für die Lieben zuhause, für die die Stadt im Herzen Westeuropas nur ein Traum ist.

Nur wenige Schritte entfernt, vorbei an Straßenkünstlern, die zum Beispiel aus allerlei Küchenutensilien ausdrucksvolle Tierstatuen schaffen, fließt der Main mit seinen Brücken. An der Fußgängerbrücke, über die ich gegangen bin, sind Tausende Liebesschlösser angebracht. Das Zeichen einer unauflösbaren Beziehung könnte zum Problem werden, die Statik mancher Brücken in anderen Städten drohte schon aus dem Gleichgewicht zu kommen. Hier, in Frankfurt, scheint aber alles stabil - die Schlösser und Brücken auf jeden Fall, die Beziehungen hoffentlich.

Blick über den Main

Von der Brücke aus hat man einen wunderschönen Blick auf die kleinen Gebäude am Mainufer und die dahinterstehenden mächtigen Finanzhochhäuser. Jede Bank der Welt hat einen Sitz in Frankfurt, so sagen es mir zumindest meine Gastgeber. Gefühlt ist das auch so - die Finanztempel ragen eindrucksvoll in die Höhe und glitzern im Sonnenlicht. Geht nicht alles mit Geld? Oder zumindest fast?

Wieder zurück zwischen den Häusern führt mich unser Weg zu einem anderen Machtzentrum, wenn auch einem historischen: zum Kaiserdom Sankt Bartholomäus. Kaiserdom, nicht Dom wohl gemerkt. Ein richtiger Dom ist das Bauwerk im kirchenrechtlichen Sinn nämlich nicht. Der Grund ist ganz einfach: Frankfurt ist keine Bischofsstadt. Bekannt wurde das Bauwerk als Wahl- und Krönungskirche der deutsch-römischen Kaiser. Der momentan in Restaurierung befindliche Sakralbau ist schon die vierte Kirche an dieser Stelle. Das früheste Bauwerk reicht bis ins 7. Jahrhundert zurück.

Und dann stürzen wir uns ins pralle Konsumleben mit seinem Glitzer, Bling-Bling, Schick-und-Schön-Schein, der hier Tradition hat: Es geht zur "Zeil". Diese Prachtstraße ist das Mekka für Shoppingfans. Die großen Filialisten und Kaufhäuser sind hier. Wer einen noch dickeren Geldbeutel hat, begibt sich in die Goethestraße, wo sich Armani, Versage und Co. angesiedelt haben.

Unbedingt zu einem Frankfurt-Besuch dazu gehört die Kleinmarkthalle. Sie lädt zum Essen und Genießen ein. Händler aus aller Welt bieten Luxusdesserts, exotische und heimische Fleischsorten, Fischgerichte, frisches Marktgemüse, Trockenfrüchte aus allen Herrenländern, unzählige Blumensamen, arabische Süßigkeiten, edle Spirituosen und vieles mehr an. Probieren ist hier erwünscht. Mit türkischer Schokolade, Safranrisotto, Baklava und einem vollen Magen komme ich aus der Halle.

Grie und Woi

Den Abend lassen wir mit unseren Freunden gemeinsam bei "Äpplwoi" und der typischen frankfurter "Grie (Grüne) Soß", Kartoffeln und Ei im gemalten Haus, einer Apfelweinwirtschaft im Ortsteil Sachsenhausen, ausklingen. Die grüne Soße besteht ganz traditionell aus sieben Kräutern, die es überall in Frankfurt auf Märkten und in Geschäften zu kaufen gibt. Mit Schmand und Mayonnaise angerührt wird die Soße kalt zu Pellkartoffeln und hartgekochten Eiern serviert - super einfach, super lecker. So lecker, dass es fünf Mal in sechs Tagen für mich "Grie Soß" gab. Selbst zum Fisch gab es die traditionelle Soße. Meine Gastgeber amüsierten sich, dass ich als Tourist ausprobierte, welche wilden Kombinationen schmecken könnten. Und ehrlich: Es schmeckte alles.

Gewöhnungsbedürftig dagegen für einen Menschen aus bavarischen Gefilden ist der "Äpplwoi". Der Wein, den ich probiert habe, wirkte herb, sauer, verschlossen - zumindest wenn man ihn pur trinkt. Vermischt mit Wasser ist er allerdings - in verschiedenen Mischverhältnissen - ein spritziger Durstlöscher zur Brotzeit, besonders bei heißem Wetter. Und wer weiß: Wenn ich länger in der Mainmetropole wäre ...

Tausend Eindrücke

An den Handkäs mit Musik, einem, na ja, sehr intensiven Käse mit Zwiebeln, der ähnlich wie ein Wurstsalat angemacht wird, habe ich mich dann als Anfänger-Hessin dann doch noch nicht herangewagt. Die Frankfurter essen das Gericht natürlich zum - "Äpplwoi". Die aromatische Kombination stimmt für sie offensichtlich.

Als ich mich nach sechs Tagen wieder von meinen Gastgebern verabschiede, nehme ich tausend Eindrücke mit nach Niederbayern - die Gerüche der hessischen Küche, die Geräusche der Weltstadt, den Klang des Dialekts, das Glitzern der Auslagen, die Gastfreundschaft der Menschen. Ich komme wieder, bestimmt, denn so viel Frankfurt wartet noch auf mich...

Noch ein kleiner Tipp: Wer nach Frankfurt kommt, sollte sich die etwa zwanzig Kilometer Richtung Taunus gelegene Stadt Bad Homburg besuchen. Kurstadt-Flair paart sich hier mit schönen Geschäften. Nur etwa zwanzig Minuten mit dem Auto westlich der Stadt liegt der große Feldberg. Und im Taunus kommen auch Naturfreunde auf ihre Kosten.

 

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