Folterpaar ging auch hier auf Opferfang Aus Ostbayern in die Hölle von Höxter?

Immer mehr Details zu den Gräueltaten von Höxter kommen ans Tageslicht. Jetzt ist klar: Angelika W. und Wilfried W. suchten auch in Ostbayern nach potentiellen Opfern. Mehrere Frauen meldeten sich auf das Inserat des Paares.

In der vergangenen Woche fertigte Angelika W. in ihrer Zelle in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede eine Tabelle an. Oben schrieb sie die Namen von sieben Frauen auf. Die Opfer. Auf der linken Seite notierte sie untereinander verschiedenste Formen von Misshandlungen. Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ handelt es sich bei der Tabelle um eine „Matrix des Grauens“: würgen, schlagen und treten, fesseln, Kopf in kaltes Wasser tauchen, heißes Bügeleisen, Knie in den Bauch, Kälte, Essensentzug. Die Qualen, die die mutmaßlichen Opfer von Angelika W. und Wilfried W. in deren Haus in Höxter in Nordrhein-Westfalen hinnehmen mussten, erstrecken sich dem „Spiegel“ zufolge über drei DIN-A4-Blätter. In den Spalten unter den Opfern und neben den Torturen steht, wer die Misshandlungen ausführte: „Ich“ oder „W.“. Der schockierende Fall zieht sogar Kreise bis nach Ostbayern. Denn auch hier ist das Paar auf Opferfang gegangen.

„Er, 44 J., aus Paderborn, 1,88 m, NR, dkl.-haarig, 99  kg, sucht fürsorgliche SIE für gemeinsame Zukunft, die zu ihm zieht. Alter Nebensache“, heißt es in der Kontaktanzeige, die Angelika W. in den Ausgaben der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung in Auftrag gegeben hatte. Erschienen ist die Kleinanzeige am 29. November 2014.

Das sagt die Staatsanwaltschaft

Anhand des digitalen Verwaltungssystems der Mediengruppe lässt sich nachvollziehen, dass sich auf die Anzeige insgesamt fünf Menschen bei dem heute 46-jährigen Wilfried W. meldeten. Mutmaßlich sind es Frauen. Namen oder Angaben zu deren Herkunftsort gibt es aufgrund des Chiffre-Geheimnisses nicht. Lediglich der Zeitraum des Eingangs der Rückmeldungen ist bekannt: Drei Antworten gingen im Dezember 2014 ein, zwei Mitte Januar 2015. Beglichen hat Angelika W. die Rechnung über 37,50 Euro für die Anzeige nicht.

Bei der Staatsanwaltschaft in Regensburg indes ist nichts von mutmaßlichen Opfern aus Ostbayern bekannt. „Bei uns in der Hauptstelle ist dazu nichts aufgelaufen“, sagte der Regensburger Oberstaatsanwalt Theo Ziegler am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung. Er verwies auf die Kollegen in Paderborn, die in dem Fall ermitteln. Der dort zuständige Oberstaatsanwalt war gestern nicht für eine Auskunft zu erreichen.

Mehrere Hundert Kontaktanzeigen geschaltet

Das Paar aus Höxter hat offenbar unvorstellbare Verbrechen begangen. Mindestens zwei Frauen sollen die Qualen im Saatweg 6 nicht überlebt haben. Wilfried W. habe allein seit 2011 mehrere Hundert Kontaktanzeigen geschaltet, um Frauen anzulocken, teilten die Ermittler vergangene Woche mit. Die Staatsanwaltschaft in Paderborn geht anhand der vielen Annoncen davon aus, dass mehr als hundert Frauen Kontakt mit Wilfried W. hatten.

In der Tabelle von Angelika W. soll laut dem „Spiegel“ überwiegend „Ich“ vermerkt sein. Sie sehe sich offenbar als Täterin und zugleich als Opfer. Wilfried W. habe sie angeblich mit kochendem Wasser übergossen und ihr so Verbrennungen an Arm und Schulter zugefügt. Die Frau habe in einer Vernehmung ausgesagt, dass sie von ihrem Ex-Mann nicht zu den Misshandlungen gezwungen worden sei. Der Anwalt der 47-Jährigen sagte Anfang dieser Woche: „Sie hat 17 Jahre lang Gewalt erfahren.“ Während sich Angelika W. geständig zeigt, hüllt sich der 46-jährige Tatverdächtige in Schweigen. Neben den zwei Toten aus Niedersachsen sind der Polizei vier weitere Frauen namentlich bekannt, die mutmaßlich von dem Paar gequält wurden. Zudem sollen die Verdächtigen einige Opfer finanziell geschädigt haben.

 
 

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