Idowa-Adventskalender (18) Ein Held namens Martin Semecky

Der Förster Martin Semecký zeigt auf die Stelle, wo er das achtjährige vermisste Mädchen im hohen Gras gefunden hat. Foto: Karl Reitmeier

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Martin Semecký, Förster bei den städtischen Wäldern Domažlices, wird in den Sozialen Medien in Tschechien als Held gefeiert. Der 31-Jährige hatte am Dienstagnachmittag die achtjährige Julia aus Berlin entdeckt, die seit dem späten Sonntagnachmittag bei einer Wanderung am Cherchov verschwunden war. 

Unterwegs war Semecký mit den Waldarbeitern Ivan Zavadil und Jiři Dufek. „Es ist ein Wunder, dass sie überlebt hat“, sagt Semecký. Er selbst hatte kaum noch Hoffnung, das Mädchen lebend zu entdecken. 

Der Fundort liegt im Dreieck zwischen Kamenná Loučka/Steinwiese, Bystřice/Fichtenbach und Česká Studánka/Böhmischen Brunnen. Letztgenannter befindet sich jedoch noch rund 1,5 Kilometer nordöstlich. Der Förster gibt sich bescheiden, will nicht als Held gefeiert werden. Er verweist auf die vielen freiwilligen Helfer, die seit Sonntagabend zum Teil bis zur Erschöpfung nach der Vermissten gesucht hatten. Semecký ist wie alle anderen auch froh über den glücklichen Ausgang des Falls.

Am Mittwoch führen Martin Semecký, der seit fünf Jahren bei den Städtischen Wäldern Domažlice arbeitet, und Forstdirektor Jan Benda zum Fundort. Semecký erzählt, wie er zunächst mit der Feuerwehr Všeruby, zu denen auch Bürgermeister Václav Bernard gehörte, das Gelände in  Fünfergruppen durchkämmte. Rund 200 Meter von der späteren Fundstelle entfernt hatten die Feuerwehrmänner aus Všeruby ihre Suchaktion in diesem Bereich beendet und kehrten um.

Gegen 13 Uhr fuhr Semecký mit den beiden Waldarbeitern in Richtung Böhmischer Brunnen. Sie gingen rund 500 Meter in den Wald und gelangten an eine frisch bepflanzte Kahlfläche. Dort wächst hohes Gras und junge Bäumen. Das Trio hatte noch nicht einmal damit angefangen, das Gebiet abzusuchen, als Semecký das vermisste Mädchen im Gras bemerkte. Sein Puls ging hoch.

Semecký brachte die Achtjährige nach dem Fund zunächst zum Auto, das rund 700 Meter entfernt stand. Dort warteten bereits Feuerwehrleute mit Quad. Der 31-Jährige gibt sich bescheiden. Es sei "definitiv nicht mein Verdienst, dass Julia gefunden wurde“. Es sei der Verdienst aller, die an der Rettungsaktion beteiligt waren. „Es war ein Zufall, dass wir diesen Ort aufgesucht und das Mädchen gefunden haben“, stellt er klar. Es handelt sich aber hier auch um sein Revier mit dem Namen Čerchov, das er natürlich auch wie seine Westentasche kennt.

Ganz nahe an dem Geschehen war auch Bürgermeister Václav Bernard aus Všeruby. Er war mit einem Trupp der Freiwilligen Feuerwehr aus dem Ort unterwegs. Er berichtete, dass er bei der Suchaktion einen kleinen Schutzengel dabei hatte und ihm dieser schon einmal in einer schwierigen Situation geholfen habe. Er bat darum, der Schutzengel möge nochmal helfen, als ihm klar wurde, dass das Mädchen eine weitere Nacht nicht überstehen würde.

Überglücklich nahm Bernard die Nachricht auf, dass das Mädchen gefunden wurde. Der Bürgermeister ist überzeugt, dass der Schutzengel ein zweites Mal geholfen habe. Er traf sich mit seinen Feuerwehrkollegen nach der erfolgreichen Suchaktion spontan im Bistro am Cherchov, wo auf einen Freudentag angestoßen wurde. 

Schnell war klar, dass die Kleine keine größeren Verletzungen davongetragen hatte, allerdings war sie durch die lange Zeit unter freien Himmel stark unterkühlt. Doch dem Mädchen ging es den Umständen entsprechend gut. Einer der Waldarbeiter sprach gut Deutsch, konnte sich mit dem Kind verständigen. Das nahm ihm offenbar die Angst. Wo es die Tage seit seinem Verschwinden verbracht hatte, konnte Semecký nicht sagen. Er glaubt allerdings, dass sie irgendwo Unterschlupf fand. Möglicherweise war sie in einem Hochsitz in der Nähe. Aber das sei Spekulation, so der Förster. 

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