Gastbeitrag Markus Hörner: "Überschätzte Wirkung"

Der Landwirt Markus Hörner ist Sprecher der Interessengemeinschaft gegen die Flutpolder Wörthhof und Eltheim Foto: std

Ein Gastbeitrag von Markus Hörner

Die Diskussion über Sinn und Bedarf von gesteuerten Flutpoldern östlich von Regensburg hat um den Jahreswechsel herum die Medien gefüllt und viele Menschen bewegt. Vor allem die Kommunen am Unterlauf der Donau haben sich lautstark zu Wort gemeldet und auf den Bau dieser Polder gedrängt. Dabei konnte man feststellen, dass diese Resolutionen häufig emotional motiviert waren und nicht immer die fachlichen Grundlagen berücksichtigten. Die Eindrücke der Überflutungskatastrophen aus dem Jahr 2013 ließen schließlich keinen anderen Gedanken zu, als jedes denkbare Werkzeug zu nutzen, um eine Wiederholung zu verhindern.

Und um genau eines dieser Werkzeuge tobt nun dieser Streit, weil die Unterlieger darin den Heilsbringer sehen, die Menschen, vor deren Haustür Flutpolder gebaut werden sollen, aber eine Bedrohung ihrer Lebensqualität. Die Bevölkerung im östlichen Landkreis Regensburg setzt sich seit über 13 Jahren inhaltlich mit Poldern auseinander. Im Zuge des staatlich initiierten Hochwasserdialogs wurde sehr viel Wissen aufgebaut. Erlauben Sie mir daher einige Klarstellungen.

Fatale Versäumnisse

Ein Flutpolder für sich trägt nichts zum Hochwasserschutz bei! Er ist nur ein Ventil, um im nicht immer erreichbaren Optimalfall einer Hochwasserwelle die Spitze zu nehmen und damit eine eventuelle Überlastung der Dämme und Mauern abzupuffern. Voraussetzung ist natürlich, dass vor Ort der Hochwasserschutz erstellt ist. Gerade im Raum Deggendorf mit Dammbrüchen an der Donau (Winzer/ Niederalteich) und der Isar (Fischerdorf) wurden die Versäumnisse der Vergangenheit grausam offensichtlich. Jahrzehntelang wurde die Ertüchtigung auf HQ100 vor sich hergeschoben. Hier die Schuld auf fehlende Polder bei Regensburg zu schieben, wird den Tatsachen nicht gerecht.

Die Wirkung eines Flutpolders wird gerne überschätzt. In der entsprechenden Studie der TU München kann man nachlesen, dass sich mit zunehmender Entfernung zum zu schützenden Ort die Wirkung stark abbaut. Durch die Polder Eltheim und Wörthhof ist in 70 Kilometern Entfernung bei Deggendorf nur noch eine gewisse Wirkung von jeweils 1,6 Prozent zu erwarten (im Idealfall!). In Passau ist von den beiden Poldern keine Wirkung mehr zu spüren! Das wurde auch vonseiten des Umweltministeriums immer so kommuniziert. Warum dann zum Beispiel der Passauer Stadtrat so aufgeregte Resolutionen verfasst, ist sicher nicht nur mir ein Rätsel und hat mit Fakten nichts zu tun.

Mit Kanonen auf Spatzen

Ein weiterer Aspekt wurde im Zuge des Hochwasser-Dialogs öffentlich: die "Hochwasserdemenz". Das heißt: Je höher der vermeintliche Hochwasserschutz, umso unvernünftiger wird in Hochwasserrisikogebiete gebaut. Dies lässt sich zum Beispiel in Straubing beobachten. Direkt hinter dem ertüchtigten Donaudamm wächst unter Missachtung der Naturrisiken ein komplettes Stadtviertel aus dem Boden. Soll diese Fahrlässigkeit von den Oberliegern abgesichert werden ?

Die ursprüngliche Festlegung im Koalitionsvertrag folgte einer Abwägung: Wie viel Belastung wollen/ dürfen wir einer Region aufbürden, um einer anderen mit welcher Wahrscheinlichkeit zu helfen? Im Zuge des Hochwasserdialogs wurde von einem Moderationsbüro ein Dokument erstellt, in dem diese Belastungen dem vermuteten Nutzen anschaulich gegenübergestellt wurden. Dies war die fachliche Grundlage für die politische Entscheidung.

So alternativlos wie oftmals dargestellt ist dieses Projekt offensichtlich nicht. Bereits im Jahr 2006 hatte der Chef der damaligen Rhein-Main-Donau AG über die Gedanken zum Polderbau nur den Kopf geschüttelt: "Damit schießen sie mit Kanonen auf Spatzen! In den Dämmen, die wir bauen, kann ein 500-jährliches Hochwasser abfließen, da passiert gar nichts!" Hätte man das in Deggendorf doch nur beizeiten gehört.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading