Flugzeugbau Verkauf von Airbus-Standort an Investor ist vom Tisch

Der Hauptsitz der Airbus-Tochter Premium Aerotec. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild

Zehn Monate hatte die IG Metall mit Airbus um Bedingungen für den Umbau der Flugzeugfertigung in Deutschland gerungen. Dabei ging es auch um den Einstieg eines Investors in der Teilefertigung. Die Gespräche darüber gehen nun in die Schlussphase.

Der geplante Verkauf der Teilefertigung von Airbus am Augsburger Standort der Tochter Premium Aerotec (PAG) ist vom Tisch. Die Gespräche zwischen dem Flugzeugbauer und dem nordrhein-westfälischen Mittelständler Mubea konzentrieren sich nun auf das PAG-Werk im niedersächsischen Varel. Ob die Verhandlungen erfolgreich zu Ende gehen, soll sich innerhalb der kommenden drei Wochen entscheiden, wie aus einer Airbus-Mitteilung vom Mittwoch in Hamburg hervorgeht. Außerdem beabsichtigt Mubea eine Übernahme des rumänischen PAG-Standortes Brasov.

Die IG Metall, die sich in langwierigen Verhandlungen ein Mitspracherecht gesichert hatte, sieht die jüngste Entwicklung als Belastung für die weiteren Gespräche. "Airbus und Mubea müssen beantworten, wie Varel allein mit dem Werk in Brasov ein starker und zukunftsfähiger Zulieferer werden kann", sagte der norddeutsche Bezirksleiter und Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Daniel Friedrich. Maßstab der Gewerkschaft sei das Ziel, die Einzelteilfertigung unter einem neuen Investor zukunftssicherer aufzustellen, als dies bei Airbus selbst möglich sei. In der betroffenen Sparte sind im Inland nach früheren Angaben von Airbus-Deutschlandchef André Walter gut 3000 Menschen beschäftigt.

Airbus und der Autozulieferer Muhr und Bender im sauerländischen Attendorn haben der Arbeitnehmerseite einen Vorschlag präsentiert. "Darin wird im Fall einer Partnerschaft mit Mubea dem Premium Aerotec-Standort Varel eine maßgebliche Rolle in der Wachstumsstrategie von Mubea als künftiger globaler Hauptsitz für das Luftfahrtgeschäft zukommen", heißt es. Die vier Augsburger Werke, darunter eines, in dem ebenfalls Teile gefertigt werden, spielen in den Planungen keine Rolle mehr. Bei Airbus wird nun überlegt, wie diese möglichst profitabel in den Konzern integriert werden können.

Dem friesischen Premium-Aerotec Standort wird den Planungen zufolge eine deutliche Erweiterung der Produktpalette mit einem "mittelfristig deutlichen Zuwachs an Arbeitsplätzen" in Aussicht gestellt. Varel hätte zudem "erstmals die Möglichkeit, weitere Flugzeughersteller und Lieferanten als Kunden zu gewinnen, wobei Airbus mittelfristig der Hauptkunde bleiben würde". Mubea beliefert als Leichtbauspezialist vor allem die Autoindustrie, ist mit der Tochter Flamm aber auch im Luftfahrtsektor unterwegs und gehört seit Jahren zu den Airbus-Zulieferern.

Die Vorgeschichte ist kompliziert: Während der zehn Monate währenden Auseinandersetzungen zwischen Airbus und der IG Metall wurden für den Standort Augsburg verschiedene Varianten diskutiert. Auf der Suche nach einer Lösung für die seit Jahren defizitäre Teilefertigung wollte Airbus ursprünglich die PAG-Standorte Varel, Brasov sowie das PAG-Werk IV in Augsburg verkaufen. Ein Ergebnis der Verhandlungen mit der IG Metall war aber Anfang Februar, dass der Standort Augsburg nicht gespalten werden soll. Damit war ein - nun offensichtlich verworfener - Paketverkauf inklusive der Baugruppenfertigung in den drei anderen Augsburger Werken dort ins Gespräch gekommen.

Unabhängig von der Teilefertigung läuft bei Airbus der andere Teil der geplanten Umstrukturierung. Zum 1. Juli soll die bisher bei verschiedenen Gesellschaften angesiedelte Montage von Flugzeugrümpfen und -strukturen in einer neuen deutschen Tochterfirma zusammengefasst werden. Die noch namenlose Tochter, intern "ASA" genannt, wird ihren Hauptsitz in Hamburg haben und mehr als 12.000 Menschen an den Standorten Hamburg, Stade, Bremen sowie Nordenham beschäftigen.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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