Die Rinderzucht war lange auch vom Glück abhängig: Das Kalb der besten Kuh und des besten Stieres ist vielleicht trotz der herausragenden Eltern nur durchschnittlich. Doch einige Fleckviehhalter lassen nun das Erbgut ihrer Tiere auslesen und können damit sehr viel gezielter züchten.

Neugierig heben die jungen Kühe die Köpfe und hören auf zu fressen, als Landwirt Christian Ettl und Zuchtleiter Josef Tischler den Stall in Eggerszell (Kreis Straubing-Bogen) betreten. In den Ohren der Tiere steckt neben der gelben Identifikationsmarke ein kleiner weißer Chip. Dort wurde eine Gewebeprobe entnommen, sagt Ettl. Sein Betrieb nimmt an einem Pilotprojekt teil, das die Fleckviehzucht einen großen Schritt voranbringen soll.

Früher lief Rinderzucht so ab: Man wusste, wie Bulle und Kuh aussehen und weil man auch die Zuchtwerte der Elterntiere kannte, hatte man eine ungefähre Vorstellung davon, welche Eigenschaften ein Kalb haben könnte. Ob das Kalb dann tatsächlich zu einer guten Milchkuh heranwuchs wie seine Mutter oder eine so gute Bemuskelung entwickelte wie sein Vater, wusste man erst, wenn es ausgewachsen war. "Die erste Anpaarung der Färsen (Anm. d. Red.: geschlechtsreifes Rind vor der ersten Kalbung) war früher auf gut Glück", sagt Milchviehhalter Ettl.

Inzwischen ist die Zucht viel weiter. Ettl weiß von jedem seiner vier bis sechs Wochen alten Kälbchen, die inzwischen das Interesse an ihm verloren und wieder zu fressen begonnen haben, ob sie die Anlagen zu einer guten Milchkuh haben oder nicht. Möglich machen das zwei relativ neue Entwicklungen in der Fleckviehzucht.