FIFA forciert WM-Pläne EM nur noch als "Pausenfüller"

Eine Weltmeisterschaft alle zwei anstatt vier Jahre? Wenn es nach der FIFA geht, würde das WM-Turnier lieber früher als später in kürzeren Abständen stattfinden. Foto: Alexander Zemlianichenko/dpa

Das Störfeuer aus der FIFA-Zentrale könnte nicht ungelegener kommen. Gerade steuert das Premiumprodukt der Europäischen Fußball-Union (UEFA) auf seinen Höhepunkt zu, da wird die EM-Endrunde von der Strategie-Abteilung des Weltverbands zum künftigen "Pausenfüller" abgestempelt. Als nichts anderes muss die forcierte Idee einer WM im Zweijahres-Rhythmus gesehen werden - auch wenn FIFA-Chefentwickler Arsene Wenger das natürlich ganz anders sieht.

"Wir wollen definitiv keinen Konflikt. Ich möchte letztlich ja nur das Beste für den Fußball, für die Nationen genauso wie für die Verbände", sagte Wenger dem kicker mit Blick auf die angestrebte Termin-Revolution: "Natürlich muss es da Gespräche mit der UEFA und den anderen Kontinentalverbänden an einem Tisch geben. Aber wenn man die Qualität der Spiele auf der ganzen Welt verbessern möchte, dann sollte man darüber nachdenken."

Mehrheit der Verbände spricht sich für WM-Endrunde alle zwei Jahre aus

Das tut der Weltverband bereits seit Mai. Beim FIFA-Kongress stimmten 166 der 209 Verbände für eine Machbarkeitsstudie hinsichtlich einer WM-Endrunde alle zwei Jahre. Die Entscheidung fällt das FIFA-Council. "Was zählt, sind die Ergebnisse der Studie", hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino damals gesagt, seine Ansicht aber gleichzeitig durchblicken lassen: "Klubs haben die Chance auf fünf oder sechs Titel pro Jahr. Jede Nationalmannschaft hat nur alle vier Jahre die Möglichkeit."

Dass der frühere UEFA-Generalsekretär dabei die Meisterschaften der Kontinentalverbände gekonnt ignorierte, spricht mit Blick auf die Wertschätzung des FIFA-Chefs für die UEFA und Co. Bände. Angeblich nicht wichtig sind für Infantino auch die höheren Einnahmen, die mehr Weltmeisterschaften naturgemäß einbringen. Es gehe ihm vor allem darum, der "Fußballwelt zu helfen". Natürlich.

Wenger fordert weniger Abstellungsperioden

Wenger befindet sich selbstverständlich auf einer Wellenlänge mit seinem Chef. "Es geht nicht darum, recht haben zu wollen, sondern die beste Lösung für den Fußball zu finden", sagte der Franzose. Wenn es nach Wenger geht, wird nach der EM 2024 in Deutschland und der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada alles anders: 2027 eine EM und die anderen Kontinentalturniere, 2028 wieder eine WM, "und so weiter".

Dazu soll es laut Wenger nur eine oder zwei (statt wie bisher fünf) Abstellungsperioden geben, in denen alle Qualifikationsspiele über die Bühne gehen. "Wir wollen die Zahl der Spiele reduzieren", äußerte der frühere Trainer des FC Arsenal: "Denn wir sehen ja den Zustand der Spieler. Wir garantieren auch nach jedem Turnier eine Ruhephase."

Ärger mit den Kontinentalverbänden ist vorprogrammiert

Garantiert ist bei diesem Thema in jedem Fall eine Menge Ärger. Schließlich dürfte der UEFA wie den anderen Kontinentalverbänden die Entwertung ihrer Turniere gar nicht gefallen - vor allem, weil die strapazierten Topstars dann sicher vermehrt auf diese Endrunden verzichten werden. Dazu kommt die Übersättigung der Konsumenten, die nicht endlos gut gehen dürfte.

Zur Problembewältigung könnte die FIFA allerdings auf ein probates Mittel zurückgreifen. Sie muss allen Beteiligten inklusive UEFA und Co. nur genügend Geld versprechen, dann dürfte der Plan früher oder später abgesegnet werden.

Matthäus würde sich über neues System freuen

Lothar Matthäus freut sich schon. "Es sind weniger Reise-Strapazen für die Profis und die Vereine können besser planen", sagte der WM-Rekordspieler (25 Partien) der Bild-Zeitung. Einen Haken hat aber auch Matthäus ausgemacht: "Der einzige Nachteil an dem Modell ist, dass der Weltmeister-Titel nicht mehr ganz so hochwertig ist."

Wenn es tatsächlich doch nur dieser Haken wäre...

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading