Fashion, Food, Fitness Kathrin Weber aus Bogen ist Influencerin in Wien

Kathrin Weber ist in Wien als Influencerin bekannt geworden. Foto: privat

Von der Kleinstadt in die Großstadt: Kathrin Weber aus Bogen ist für ihr Studium nach Wien gezogen und dort bekannt geworden – für ihren Modestil und ihre Videos über gesunde Ernährung. Sie verdient ihr Geld als Influencerin. Auch wenn sie die Berufsbezeichnung nicht mag.

Mittwochabend: Kathrin teilt in ihrer Instagram-Story Eindrücke aus einem Auto. Es geht zu einem Event von Diesel. Präsentation der neuen Sommerkollektion. Influencer, Blogger und Presseleute sitzen an fein gedeckten Tischen. Die 23-Jährige trägt ein schwarzes Kleid, darüber einen einfachen dunkelgrünen Pulli. Alles minimalistisch. So ist ihr Kleidungsstil. Von dem Inhalt ihres Kleiderschranks kann man sich auf ihrem Instagram-Account @kathrin.we überzeugen. „Ich setze auf Basics, hoch qualitative Stoffe und gute Schnitte. Damit kannst du am besten kombinieren“, sagt sie.

Kathrin ist Influencerin. Vor zwei Jahren, als sie mit Instagram und YouTube angefangen hat, machte sie das neben ihrem Film-, TV- und Medien-Studium. Dafür hat sie ihre Heimat Bogen 2015 verlassen und ist nach Wien gezogen. Seit Juli des vergangenen Jahres – das Studium abgeschlossen, der Bachelor in der Tasche – ist sie hauptberuflich Influencerin. Kathrin lebt davon.

Kooperation mit Firmen

Geld verdient die 23-Jährige damit, dass sie Marken in ihren Beiträgen verlinkt oder in ihrer Story erwähnt – darunter vor allem Kosmetik und Kleidung. „Ich trage heute ein Turtle-Neck-Kleid von G-Star“, sagt Kathrin lächelnd in die Kamera, während sie ihr Outfit des Tages präsentiert. Kauft jemand auf ihre Empfehlung hin ein Produkt, wird sie am Gewinn beteiligt. „Das macht aber nur einen kleinen Teil meiner Einnahmen aus“, sagt sie. Viel wichtiger: Kooperationen mit Firmen. „Die kommen auf mich zu, weil sie ein neues Produkt bewerben oder eine Social-Media-Kampagne mit mir machen wollen“, erklärt sie.

Den Großteil aller Anfragen lehnt Kathrin aber ab, denn sie will möglichst authentisch bleiben. „Deshalb kooperiere ich nur mit Firmen, hinter denen ich auch wirklich stehe“, betont sie. Dabei achtet sie auch darauf, wie die Kooperation ablaufen soll. „Manche Firmen geben dazu ein Skript vor, wann man was sagen soll – das lehne ich auch ab“, erklärt sie. Kathrin will möglichst echt bleiben. „Das gelingt mir, indem ich meine Beiträge kreativ und natürlich gestalte.“ Bei den vielen Anfragen bleiben auch verrückte Kooperationsangebote nicht aus: „Einmal sollte ich eine Autoscheibenabdeckung bewerben“, erinnert sich die Wahl-Wienerin.

Dem Begriff „Influencerin“ für ihren Beruf steht sie skeptisch gegenüber. „Schwierig“, sagt sie. „Der ist immer so ein bisschen verpönt. Deshalb bezeichne ich mich offiziell eher als Digital Content Creator.“ Sie überlegt kurz. „Das klingt zwar besser, aber ehrlich gesagt auch irgendwie blöd.“ Von negativen Kommentaren in diese Richtung wurde sie bisher verschont. „Zum Glück! Aber gerade bei Außenstehenden, die wenig mit Social Media zu tun haben, stoße ich auf Vorurteile. Ich glaube, das liegt auch daran, dass es immer mehr vermeintliche Influencer gibt“, vermutet sie. Auch ihre Eltern waren anfangs skeptisch. „Sie sind da aber mit rein gewachsen und stehen hinter mir, so lange ich damit glücklich bin. Sie verfolgen auch regelmäßig meine Videos“, sagt Kathrin und lacht.

Auf dem YouTube-Kanal der 23-Jährigen fehlt von Mode jede Spur. Denn in ihren Videos geht es um ihre „geheime“ Leidenschaft: Kochen, gesunde Ernährung, gesundes Leben und Fitness. Das war nicht immer so: Anfangs gab es auch Shopping-Hauls und Make-up-Tutorials. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass gerade die Themen Food und Health gut ankommen. Weil ich es liebe, mich mit Ernährung auseinanderzusetzen, habe ich beschlossen, mich darauf zu fokussieren“, erzählt sie.

„Influencerin – das ist ein Vollzeitjob“, sagt Kathrin. E-Mails bearbeiten, Kommentare und Likes checken, Videos filmen und schneiden, Outfits shooten, abends auf Events gehen – es gibt immer was zu tun. Besuche in ihrer Heimat Bogen sind deshalb wie Urlaub. „Da kann ich ein bisschen entspannen“, sagt die 23-Jährige. Trotzdem werde sie vorerst nicht mehr nach Niederbayern zurückkehren. „Mein Lebensmittelpunkt ist erst mal hier in Wien“, sagt sie.

In einer Kleinstadt schwierig

Das bringt sie zum Nachdenken. Ob ihr Erfolg in den sozialen Medien auch in ihrer Heimat möglich gewesen wäre? „Ich bin ein großer Fan davon, zu sagen, dass du alles schaffen kannst, wenn du es wirklich willst.“ Sie hält inne. „Aber die Bedingungen in einer Kleinstadt sind schwierig. Es gibt keine Events, die lokale Vernetzung fehlt“, sagt sie. Außerdem sei der deutsche Markt an Influencern riesig – viel größer als in Österreich. „Du brauchst eine viel höhere Reichweite, um wirklich erfolgreich zu sein. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht, dass ich in Bogen so weit gekommen wäre.“

Plan B: Marketing

Zurück in Kathrins Instagram-Story: ein Missgeschick. Die 23-Jährige hat beim Fotografieren aus Versehen ihren Kaffee über ihren Laptop verschüttet. Ihre Follower sind dabei. Tollpatschig. Authentisch. Sympathisch. Wenige Stunden danach: roter Teppich, roter Mantel, Glamour. Kathrin ist auf eine Filmpremiere eingeladen. Ihre Follower sind dabei.

Was, wenn sie sich irgendwann nicht mehr für sie interessieren? Kathrin hat einen Plan B: Während des Studiums hat sie bei Videoproduktionen oder in Marketingabteilungen gearbeitet. „Die andere Seite sozusagen. Das wäre meine zweite Wahl“, erklärt sie. Sie möchte aber auf jeden Fall selbstständig bleiben. Influencerin oder wie sie sagt, Digital Content Creator: „Das ist definitiv mein Traumjob.“

 

Hier geht's zu Kathrins Instagram-Account. 

Und hier zu ihrem Youtube-Kanal.

 
 

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