Wie weit rechts steht die AfD? Dieser Frage will das Bundesamt für Verfassungsschutz noch genauer nachgehen und die Partei deshalb als rechtsextremistischen Verdachtsfall einstufen. Damit könnte es sie künftig auch mit nachrichtendienstlichen Mitteln ausspähen. Bislang wehrt sich die AfD aber noch erfolgreich vor Gericht dagegen. Wir stellten die Frage für Bayern Thomas Witzgall, der sich als Fachjournalist und Referent seit Jahren mit Rechtsextremismus im Freistaat auseinandersetzt. Dabei verantwortet er auch das Internetportal "Endstation Rechts" der bayerischen SPD.

Herr Witzgall, das Bundesamt für Verfassungsschutz will die gesamte AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall einstufen. Ist dieser Schritt für Sie nachvollziehbar?

Thomas Witzgall: Auf alle Fälle. Ich habe mich eher gewundert, warum das so lange gebraucht hat. Die Behörden setzen bei der AfD heute das um, was das Bundesverfassungsgericht vor vier Jahren für die NPD definiert hat. Karlsruhe stufte die NPD damals als verfassungsfeindlich, aber zu unbedeutend für ein Verbot ein. Im damaligen Urteil sind die Kennzeichen einer verfassungsfeindlichen Haltung klar dargelegt. Sie betreffen mit der Garantie der Menschenwürde sowie den Prinzipien von Demokratie und Rechtsstaat die Kernpunkte der Verfassung. Vieles, was damals der NPD angelastet wurde, findet sich heute bei der AfD wieder.

Beim nationalistischen "Flügel" der AfD und bei der Jungen Alternative ging es etwas schneller. Sie wurden bereits vor einem Jahr zum Verdachtsfall erklärt.