Expertenumfrage Wie sieht die perfekte Schule aus?

Wie könnte die perfekte Schule aussehen? Wir haben mit fünf Experten gesprochen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Wir haben fünf Experten – vom Schülervertreter bis zum Bayerischen Kultusminister – Fragen dazu gestellt und sie klar Stellung beziehen lassen.

Ist es sinnvoll, dass die Schule um 8 Uhr morgens beginnt?

Simone Fleischmann: Nein. Ich plädiere dafür, den Unterrichtsbeginn flexibler zu gestalten, weil nicht für alle Schülerinnen und Schüler ein Unterrichtsbeginn um 8 Uhr Sinn macht. Jugendliche in der Pubertät haben zum Beispiel ein anderes Schlafverhalten als Kinder. Sie kommen morgens nicht in die Pötte und würden von einem späteren Schulbeginn profitieren.

Florian Schwegler: Nein. Ein Unterrichtsbeginn um 8 Uhr ist wissenschaftlich nicht vorteilhaft. Dies ergaben viele Studien, wie die der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Hier tendiert man zu einem Schulstart um 9 Uhr, welcher sich als vorteilhaft für Schülerinnen und Schüler erweisen würde. Wir sind ebenfalls der Meinung, dass die Schüler dadurch effizienter den Unterricht begleiten und somit bessere Ergebnisse erzielen können.

Dr. Anna-Maria Schirmer: Ja. Denn man kann den Beginn jedes Schultages so gestalten, dass auch Kinder mit morgendlichen Anlaufschwierigkeiten gut in den Tag kommen. Am späteren Nachmittag sollte Zeit für Aktivitäten außerhalb der Schule bleiben.

Dr. Sebastian Suggate: Nein. 9 Uhr wäre viel besser. Aus Sicht der Kinder und Eltern finde ich 8 Uhr viel zu früh, vor allem mitten im Winter. Für Gymnasialkinder, die biologisch gesehen dazu neigen, etwas später zu schlafen, ist es noch schwieriger.

Staatsminister Bernd Sibler: Ja. So kann eine Verlagerung von Unterricht in den Nachmittag hinein vermieden werden. Allerdings beginnt an vielen Schulen der Unterricht gar nicht um Punkt 8 Uhr. Das kann individuell vor Ort entschieden werden.

Ist es sinnvoll, dass eine Schulstunde 45 Minuten dauert?

Simone Fleischmann: Nein. Besser wäre es, aus der strengen Stundentaktung auszubrechen und mehr fächerübergreifenden Unterricht anzubieten. Auch mehr Projektunterricht wäre sinnvoll.

Florian Schwegler: Nein. Wir denken eine Dauer von 90 Minuten stellt eine sinnvollere Variante der Stundengestaltung dar, da hiermit flüssiger (stofftechnisch gesehen) unterrichtet werden kann. Durch dieses „Doppelstunden-Prinzip“ kann zum Beispiel in den Naturwissenschaften ein viel praxisbezogenerer Unterricht abgehalten werden, welcher allen Schülerinnen und Schülern zugute kommt. Jedoch sollte nach ungefähr der Hälfte der Stunde eine kurze Pause von maximal fünf Minuten eingeplant werden.

Dr. Anna-Maria Schirmer: Nein. Nur für manche Lerninhalte macht dieser enge Zeitraum Sinn. An Waldorfschulen beginnt jeder Tag mit einer längeren Zeiteinheit, die in sich flexibel gestaltet wird. Schulen, die mit dem bewegten Klassenzimmer arbeiten, setzen auf variable Zeiteinteilungen und machen damit gute Erfahrungen.

Dr. Sebastian Suggate: An sich ist das weder sinnvoll noch sinnfrei. Sinnlos ist dagegen ein Festhalten an eine konkrete Zeit, wenn eine bestimmte Unterrichtsstunde oder der Stoff etwas anderes verlangt.

Staatsminister Bernd Sibler: Ja. Für einzelne Stunden ist es sinnvoll, kürzer und sehr verdichtet an einem Thema zu arbeiten. An vielen Schulen werden zur Ergänzung aber auch Doppelstunden sowie fächer- und stundenübergreifende Projekte abgehalten. Die Mischung macht’s.

Sind Hausaufgaben sinnvoll?

Simone Fleischmann: Ja. Hausaufgaben machen Sinn. Sie dienen dazu, im Unterricht Gehörtes und Gelerntes zu vertiefen. Allerdings wäre es hilfreich, wenn alle Schüler die nötige Unterstützung beim Erledigen der Hausaufgaben hätten.

Florian Schwegler: Ja. Hausaufgaben dienen der Wiederholung und Festigung des im Unterricht durchgenommenen Stoffes. Auch bilden sie eine Stütze für Schülerinnen und Schüler, wenn es ums Lernen geht.

Dr. Anna-Maria Schirmer: Ja. Es kommt allerdings auf Gestaltung und Umfang der Hausaufgaben an. Waldorfschüler schreiben zum Beispiel Epochenhefte. Dabei haben sie einen wachsenden Gestaltungsspielraum, das, was sie aus dem Unterricht mitnehmen zu Hause selbständig zu vertiefen.

Dr. Sebastian Suggate: Ja. Ich finde die dadurch erbrachte Verbindung zwischen Schule und Familie sinnvoll, allerdings sollten diese möglichst kurz gehalten werden.

Staatsminister Bernd Sibler: Ja. Hausaufgaben sind sinnvoll, um den in der Schule gelernten Stoff zu vertiefen oder zu üben. Sie geben eine aussagekräftige Rückmeldung, ob man Inhalte verstanden hat und selbst dazu Aufgaben lösen kann.

 
 
 

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