"Es gibt mehr als Fußball" Geschäft hat sich kaum verändert - die Charaktere schon

Beller hat auch die Entwicklung des Fußballs in den vergangenen Jahrzehnten mitgemacht. Das Geschäft, sagt er, habe sich nicht groß verändert. Themen wie Bezahlung im Amateurbereich, die habe es auch vor 30 Jahren schon gegeben. Was sich dagegen verändert hat, ist das Spiel an sich. Er habe in den über 30 Jahren einige Systeme bei seinen Mannschaften eingeführt, sich immer selbstständig weitergebildet. „Schnelligkeit, Athletik, läuferisches Vermögen – in diesen Punkten hat sich der Fußball sehr weiterentwickelt", sagt Beller. Ebenso hätten sich die Charaktere in den Mannschaften verändert. Ein Beispiel? „Dass ein Spieler in der Bayern- oder Landesliga während der Saison in den Urlaub gefahren ist, das hat es vor 30 Jahren nicht gegeben. Das ist auch eine Entwicklung, die ich total verurteile und die ich als Trainer nie akzeptiert habe.“

Was nach Bellers Ansicht einen guten Trainer ausmacht? „Die guten Trainer sind die, die über Jahre hinweg und bei verschiedenen Vereinen erfolgreich sind“, sagt er. Dabei mache es, angesprochen auf die „Generation Laptoptrainer“, keinen Unterschied, wie der Erfolg erreicht wird. „Am Ende setzt sich nur der durch, der erfolgreich ist – ob mit Laptop oder ohne.“ Was Bellers Weg zum Erfolg war? „Ich habe immer versucht, ehrlich und korrekt zu den Spielern zu sein – egal ob Leistungsträger oder Nummer 18 im Kader.“ Zudem habe er auf die deutschen Tugenden geachtet: Pünktlichkeit, Einsatzbereitschaft und den Willen, alles für die Mannschaft und den Verein zu geben. „Das sind für mich Grundvoraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Darauf aufbauend kann man dann über Taktik und individuelle Sachen reden“, sagt Beller. Haben die Grundtugenden nicht gepasst, dann konnte ein Spieler auch schon mal Probleme mit Beller bekommen.

Fuidl kann Trennung von Cham nicht nachvollziehen

Ebenfalls ohne Trainerjob ist aktuell Roland Fuidl. Er musste sich im Winter unfreiwillig von seinem Posten beim ASV Cham verabschieden. Er wurde vom Verein entlassen – obwohl er neun Spiele in Folge nicht verloren und sieben davon gewonnen hatte. Für Fuidl war die Entscheidung damals nicht nachvollziehbar, und sie ist es noch immer nicht. „Ich habe immer die Einstellung verfolgt, dass auf diesem Niveau, auf dem wir uns bewegen, der Maßstab für einen Trainer der sportliche Erfolg ist“, sagt er. Dies war hier aber seiner Einschätzung nach nicht der Fall. Cham hatte zwar einen schwachen Start in die Saison erwischt, was Fuidl nach einem Trainerwechsel nicht als ungewöhnlich einstuft – durch die Positivserie vor dem Winter hatte sich der ASV aber bis auf Rang vier vorgearbeitet.

Dass mit Andreas Lengsfeld ein guter Freund von Abteilungsleiter Matthias Altmann sein Nachfolger geworden ist, hatte für Fuidl zumindest ein „Gschmäckle“. Unter Lengsfeld schnupperte der ASV zum Ende der Saison sogar noch an Relegationsplatz zwei ran. Doch das lag nicht nur am ASV Cham, dessen Punkteschnitt sich in der Rückrunde nur unwesentlich verbessert hatte, sondern auch am Schwächeln der Konkurrenten aus Waldkirchen und Hauzenberg. Diese Restrückrunde mit am Ende 22 Punkten aus zwölf Spielen hätte sich Fuidl auf jeden Fall mit der gefestigten Mannschaft im Winter auch zugetraut.

Sicht aufs Geschäft verändert

Vor seiner Station beim ASV Cham war Fuidl bereits als Trainer in Bad Kötzting, Miltach, im Chamer Nachwuchs und bei der SpVgg Lam tätig. Doch die letzte Station im Seniorenbereich des ASV Cham hat seine Sicht auf das Geschäft erheblich verändert. Fuidl empfindet den Umgang mit ihm rund um die Trennung im Winter als „unterste Schublade“.

Seit dem Winter hat Fuidl Abstand gewonnen zum Geschäft. Auf Fußballplätzen ist er immer wieder anzutreffen – aber derzeit nur noch als Zuschauer. „Aktuell will ich nicht als Trainer arbeiten“, stellt Fuidl klar, der das eine oder andere Angebot im letzten halben Jahr ausgeschlagen hat. „Man investiert extrem viel Zeit und Kraft in den Job als Trainer, dafür kann einem der Sport auch sehr viel geben“, sagt Fuidl. „Aber aktuell habe ich nicht das Gefühl, dass mir der Fußball weiterhin so viel geben kann.“ Fuidl hat sich mehr Zeit genommen für die Familie, Freunde und andere Hobbys – Sachen, die während einer Trainertätigkeit auch ein bisschen auf der Strecke bleiben. „Bis in den Februar hinein Skifahren, das konnte ich schon lange nicht mehr und habe das in diesem Jahr einfach genossen“, erzählt er.

 

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