Erste Apotheken melden Wartezeiten Corona lässt Nachfrage nach Grippeimpfstoff steigen

Die kalte Jahreszeit ist auch Grippezeit. Vor allem Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen wird empfohlen, sich im Herbst gegen Influenza impfen zu lassen. In diesem Jahr hat die Nachfrage nach Grippeimpfstoff wegen der Corona-Pandemie sogar noch zugenommen. Vereinzelt kommt es deswegen bereits zu Lieferengpässen und Wartezeiten - auch in Ostbayern. 

Der Bayerische Apothekerverband (BAV) bestätigte am Dienstag auf idowa-Anfrage, dass es zuweilen zu Lieferengpässen kommt. Konkrete Zahlen lägen zwar noch nicht vor, der BAV geht allerdings davon aus, dass die Nachfrage nach Grippeimpfstoff heuer "mindestens zehn Prozent über dem Vorjahresbedarf" liegen dürfte. Apotheker und Mediziner, die bereits im Frühjahr bestellt haben, seien auf der sicheren Seite. "Unsicher ist die Situation bei Impfstoffen, die jetzt nachbestellt werden", so der BAV.

Diese Einschätzung teilt auch die Bayerische Landesapothekerkammer (BLAK). "Insgesamt ist in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie mit einer gegenüber den Vorjahren erhöhten Nachfrage auch nach einer Influenza-Impfung zu rechnen", teilt Pressespecher Werner Kurzlechner auf Anfrage mit. Vereinzelt könne es deswegen vorkommen, dass Apotheken vor Ort nicht genügend Impfstoff vorrätig haben – Wartezeiten sind die Folge. 

Wartezeit beträgt ein bis zwei Wochen

Bei der Rosenapotheke in Landshut ist genau das schon geschehen. Dort gibt es bereits eine Warteliste, auf der momentan etwa zehn Personen stehen. Die Wartezeit beträgt laut einer Sprecherin der Apotheke derzeit etwa ein bis zwei Wochen. "Die Nachfrage ist gerade sehr groß - schätzungsweise etwa 50 Prozent über dem Vorjahresniveau", so die Sprecherin. Es sei allerdings schwer abzuschätzen, ob das weiter so bleibt: "Möglicherweise flaut es dafür im November ab." Auch bei der Apotheke im Gäubodenpark in Straubing ist die Nachfrage nach Grippeimpfstoff momentan groß. "Es wird auf jeden Fall deutlich mehr nachgefragt, als in den Vorjahren", sagt Apotheker Peter Distler. Ob es heuer Engpässe bei der Verfügbarkeit des Impfstoffes geben wird, darüber kann auch er noch keine Prognose abgeben. 

Werner Kurzlechner sieht momentan keinen Anlass zur Sorge: Der Vorrat an Impfstoffen in Deutschland sei für diese Saison bereits deutlich erhöht worden. Das bestätigen auch die Zahlen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), das in Deutschland für die Zulassung von Influenza-Impfstoffen zuständig ist. Am 2. Oktober waren in Deutschland bereits etwa 18,8 Millionen Impfdosen freigegeben. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt erst 17 Millionen. Insgesamt sind für Deutschland in diesem Jahr 26 Millionen Dosen vorgesehen, deutlich mehr als noch 2019 (21,2 Millionen).

Grippewelle beginnt meist erst zum Jahreswechsel

Die meisten Menschen lassen sich erfahrungsgemäß im Oktober und November gegen Influenza impfen. Die Grippewelle in Deutschland beginnt meist nach der Jahreswende. Allerdings sollte die Impfung schon früher erfolgen, weil es etwa 14 Tage dauert, bis der Impfschutz im Körper ausreichend aufgebaut ist. Empfohlen wird die Influenza-Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) generell für Personen ab 60 Jahren und Menschen, die wegen einer Vorerkrankung besonders gefährdet sind. "Laut dem Robert-Koch-Institut sind die Impfquoten gerade bei diesen Risikogruppen aber seit Jahren zu niedrig", beklagt Werner Kurzlechner. Dabei wäre die Impfung gerade in diesem Jahr besonders wichtig. Einerseits, um Doppelinfektionen mit Grippe und Covid-19 zu verhindern, andererseits, um das Gesundheitssystem generell zu entlasten. Durch eine hohe Impfquote könnten schwere Verläufe der Grippe weitgehend verhindert werden, wodurch mehr Intensivbetten und Beatmungsplätze für schwere Covid-Infektionen frei bleiben.

Einem häufig in sozialen Netzwerken geäußerten Gerücht erteilt das RKI in diesem Zusammenhang gleich eine klare Absage: Bislang liegen keinerlei Hinweise vor, dass Grippe-Impfungen das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, erhöhen würden. Dem Institut ist auch kein Mechanismus bekannt, der einen solchen Einfluss plausibel erklären könnte. 

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