Archäologieprojekt Nachgebaute römische Galeeren erreichen Regensburg

, aktualisiert am 19.07.2022 - 18:20 Uhr
Drei nachgebaute römische Galeeren sind auf der Donau unterwegs. Foto: Armin Weigel/dpa

Von wegen "Alle Wege führen nach Rom" - an der Regensburger Naabspitz in Mariaort haben am Montag drei rekonstruierte Römerschiffe angelegt.

Eines davon war die "Regina", die 2004 an der Universität Regensburg fertiggestellt wurde. "Man kann davon ausgehen, dass hier am Naabspitz früher viel Patroullie gefahren wurde", erklärte Heinrich Konen, der Akademische Direktor am Lehrstuhl für Alte Geschichte in Regensburg.

Grund dafür sei, dass die Donau ein wichtiger Teil des Grenzverlaufs des römischen Reiches, des sogenannten Limes, war. Dieser verlief über 6.000 Kilometer von Großbrittanien über Mitteleuropa bis in den Nahen Osten. Im Freistaat verlief der Grenzfluss als "Donau Limes" zwischen Neustadt an der Donau und Passau und bildete eine Nordgrenze der Weltmacht.

Im Rahmen des EU-Programm "Living Danube Limes" ist nun das Römerboot "Danuvina Alacris", lateinisch für "beflügelte Donau", nach zwei Jahren fertiggestellt worden. In Zusammenarbeit von zehn Donaustaaten seien große Teile des Schiffbaus mit den gleichen Mitteln gezimmert worden, die auch in Römerzeiten üblich gewesen seien, erklärte Christina Sponsel-Schaffner, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Alte Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg (FAU). Geleitet habe das Projekt die Donau-Universität Krems. Die EU stellte im Rahmen ihres übergeordneten "Danube Transnational Programme" 3,15 Millionen Euro für das Projekt zur Verfügung.

Bei praller Hitze im Kettenhemd

Die Rekonstruktion des Schiffs vom Typ "Losuria" basiere auf Mainzer Schiffsfunden aus den Jahren 1981/1982, so Sponsel-Schaffner. Dort sind bei Ausschachtungsarbeiten des Hilton-Hotels fünf römische Kriegsschiffe gefunden worden.

Bereits vor der Ankunft der drei Schiffe war am Montag an der Naabspitz im detailreich gestalteten Lager viel los. Die Faszination für das Römische Großreich schien bei Groß und Klein ungebrochen.

Heimlicher Star war "Legio III Italica Antoniniana", wie sich die Gruppe, die zum Verein der Freunde der Alten Geschichte (Vefag) nennt. Bei prallem Sonnenschein vermittelten sie stundenlang in komplettem Legionärs- und Römergewand den Lager- und Kriegsalltag.

Dazu trugen sie originalgetreue Rüstungen, die je nach Typ um die 25 Kilo und mehr wiegen, wie Hardy Pomrenke, Vorstand der Vefag, erklärte. Dazu kamen Waffen wie Lang- und Kurzschwerter, Speer sowie der Schild. Der war je nach Epoche viereckig und nach außen gebogen - wie man es aus Asterix-Comics kennt - oder oval-rundlich.

"Aber das Wichtigste ist der Schuh aus Leder", erklärte Pomrenke. Machte doch erst die enorme Mobilität des römischen Heeres einen Großteil seines Erfolgs aus.

Dürre verhindert Start in Ingolstadt

Nachdem der angedachte Start am 15. Juli in Ingolstadt aufgrund des Niedrigstandes der Donau ausfallen musste, starteten die Schiffe am Montag um 8 Uhr in Kelheim. Gegen 15 Uhr wurde die "Regina" für die applaudierende Menge sichtbar. Das bis zu 30 Rudernde umfassende Schiff fuhr der "Danuvina Alacris" und der "FAN" voraus und begleitete die zwei Schiffe lediglich für diese erste Etappe.

Unter lateinischen Befehlsrufen ihres Kommandeurs betraten die sichtlich erschöpften Ruderer, gekleidet in römischen Tuniken, an der Naabspitze das Land. Dort wurden sie von begeisterten Zuschauern und Vertretern der Lehrstühle für Alte Geschichte der Uni Regensburg und der FAU empfangen.

Für die "Danuvina Alacris" und die "FAN", letztere entstand 2016an der Uni Erlangen, geht es auf der Donau noch bis nach Rumänien. Dort muss die "Journey Without Limits" frühzeitig zu einem Ende kommen. Der Ukraine-Krieg mache eine Durchfahrt bis ans Schwarze Meer unmöglich, erklärte Sponsel-Schaffner.

Bis dahin legen, nach Stopps gestern in Pfatter und heute Nachmittag in Stephanposching, die zwei Schiffe am 21. Juli mittags noch in Vilshofen - und am 22. Juli gegen 18 Uhr am Dreiflüsseeck in Passau an. Dort wird zwei Tage später die "Danuvina Alacris" an die Universität Krems übergeben und begibt sich auf ihre Weiterfahrt Richtung Osten.

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