Erinnerung an Österreich-Posse Kanadas Nationalhymne wird geschlechtsneutral

Kanadas Nationalhymne wurde durch eine Gesetzesänderung geschlechtsneutral. In der zweiten Zeile der Hymne "O Canada" heißt es nun nicht mehr "in all thy sons command", sondern "in all of us command". Foto: Patrick Pleul/dpa

Die kanadische Nationalhymne wurde kürzlich umgedichtet. Grund für die Änderung ist eine Passage, die wegen des Wortes "sons" nicht geschlechtsneutral war. Durch ein neutrales "all of us" ist die Hymne nun auch gendermäßig einwandfrei. 

Ottawa - Das kanadische Parlament beschloss vor Kurzem, dass eine Passage der kanadischen Nationalhymne "O Canada", in der von Söhnen die Rede ist, nicht mehr zeitgemäß sei. Deshalb kam es nun zu einer Veränderung der betreffenden Liedzeile. Anstelle von "true patriots, in all thy sons command" (in etwa: "Erwecke in allen deinen Söhnen wahre Vaterlandsliebe") werden die Kanadier ab sofort die Zeile "in all of us command", also "erwecke in uns allen" zum Besten geben. 

Widerstand bei Konservativen

Damit wurde die von dem im Jahr 2016 verstorbenen liberalen Abgeordneten Mauril Bélanger geforderte Änderung nun trotz des Widerstands der oppositionellen Konservativen durchgesetzt. Wie WELT berichtet, wurde das Gesetz zur Änderung  am Mittwochabend vom Senat in Ottawa gebilligt. Führende kanadische Politiker zeigen sich begeistert.

So kommentierte zum Beispiel Senatorin Frances Lanking, dass die Änderung zwar nur zwei Worte betreffe, aber nichtsdestotrotz ein gewaltiger Schritt sei. "Ich bin sehr, sehr glücklich", sagte sie laut dem Sender BBC. Aber nicht nur Frauen unterstützen die Aktion. Auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau äußerte sich auf Twitter positiv. Dies sei "ein weiterer positiver Schritt in Richtung Geschlechtergleichheit", bilanzierte er. 

Österreich: Gabalier ignoriert neue "Töchter"-Hymne

"O Canada" ist jedoch nicht die einzige Nationalhymne, bei der zum Zwecke der Geschlechtergleichheit nachgebessert wurde. Während die Kanadier mit "in all of us" eine vergleichsweise elegante Neuformulierung gefunden haben, taten sich die Österreicher damit ein bisschen schwerer. Zum 1. Januar 2012 legte das Bundesparlament in Wien eine „geschlechtergerechte Änderung der Österreichischen Bundeshymne“ gesetzlich fest. Der Text von Paula Preradović wurde dabei von "Heimat bist Du großer Söhne" in "Heimat großer Töchter und Söhne" geändert. Diese nach einem jahrelangen Streit eingefügte zusätzliche Silbe führt in der Praxis dazu, dass nicht jeder soviel musikalisches Talent mitbringt, dass er die neue Passage nicht nur hinnuschelt, sondern auch rhythmisch singen kann. Oder will. Denn auch bei offiziellen Anlässen wie zum Beispiel Fußball-Länderspielen ist häufig noch die alte, männliche Hymnenversion zu vernehmen - was wiederum zu neuen Debatten im Land führt.

Die bislang heftigste tobte dabei um den sogenannten "Volks-Rock'n Roller" Andreas Gabalier. Der Sänger weigerte sich 2014 vor Zehntausenden Menschen bei einem Formel-1-Rennen in der Steiermark den neuen Hymnen-Text zu singen. Dass er nur die "großen Söhne", nicht aber die "Töchter" erwähnte, brachte ihm massive Kritik von den Grünen ein. Immerhin: Rückendeckung bekam Gabalier von Politikerinnen der rechtspopulistischen FPÖ. Gabalier habe mit seiner Interpretation "auch einem Großteil der Frauen aus dem Herzen gesprochen, die mit den Minderheitenideen der linken Emanzen wenig anfangen können", so die FPÖ-Frauensprecherin Carmen Gartelgruber. Der 33-jährige Gabalier sagte dazu, dass er den Text der Hymne im Alter von acht Jahren in der Schule gelernt habe. Und weiter: "Ich sehe keine Veranlassung, ihn anders zu singen."

 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading

Videos