Ergoldsbach/Straubing Wenn Wandersteine um die Welt reisen

Die Ergoldsbacherin Karin Löschenbrand bemalt und verteilt Wandersteine in Niederbayern. Sie will Menschen damit eine Freude machen. Foto: Karin Löschenbrand

Im Stadtpark, an Bushaltestellen oder gar am Straubinger Stadtplatz: Seit einigen Monaten finden Spaziergänger aus Niederbayern immer wieder kleine, bunt bemalte Steine an ungewöhnlichen Orten. Ins Leben gerufen hat diese Aktion Karin Löschenbrand aus Ergoldsbach mit ihrer Facebookgruppe "#Wandersteine". Im Interview spricht die 35-Jährige über das Auslegen und Finden von Steinen und wie ihre Kunstwerke sogar bis nach Indien kamen.

Frau Löschenbrand, was genau sind denn Wandersteine?

Karin Löschenbrand: Wandersteine heißt, dass man einfach draußen bewusster Steine sucht, bemalt und dann irgendwo auslegt, damit der Finder sich einfach freut, einmal kurz aus dem Alltag rauskommt und ihm ein Lächeln auf das Gesicht zaubert.

Was macht man, wenn man einen Wanderstein findet?

Der Finder kann den Wanderstein dann behalten oder weiter wandern lassen, ganz wie er möchte. Natürlich wäre es schön, wenn er auf Facebook ein Foto davon posten würde, damit der Künstler dann auch sieht, dass jemand den Stein gefunden hat und was mit ihm passiert.

Wenn man selbst einen Stein bemalen und als Wanderstein aussetzen möchte: Was muss man dabei beachten?

Es sollte beispielsweise nichts auf die Steine geklebt werden, damit nichts abfallen kann. Dazu sollen wasserfeste Farben verwendet und mit Klarlack versiegelt werden, damit sie nicht abfärben. Und man sollte Farben auf Wasserbasis benutzen, damit das alles möglichst umweltfreundlich ist. Die Steine sollen dann auch nicht an gefährlichen Stellen ausgelegt werden. Also beispielsweise nicht an Bächen, damit kleine Kinder nicht ins Wasser fallen.

Auf Facebook haben Sie die Gruppe „#Wandersteine“ gegründet, in der sich Finder und Gestalter austauschen können. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ich habe eine kleine Tochter und da suche ich immer wieder eine Beschäftigung für sie. Auf einer Seite im Internet ist über die „Allersteine“ in Verden in Norddeutschland berichtet worden. Dann habe ich geschaut, ob es in Bayern schon so etwas gibt. Da gab es noch nichts dazu und dann dachte ich mir, ich gründe selber eine Gruppe.

Die Gruppe gibt es seit dem 20. Mai. Wie wurde die Aktion seitdem angenommen?

Ich bekomme ganz viele Rückmeldungen und wurde auch schon in Ergoldsbach darauf angesprochen. Zwei Mädels haben mir ganz lieb Steine geschenkt. Da stand drauf: „Schön, dass es dich gibt.“ Die haben sich so gefreut, dass sie Steine von mir gefunden haben. Oft habe ich auch gehört, dass die Steine Mut machen. Ich sag immer, meistens findet der richtige Stein den richtigen Finder.

Und wie sind die Reaktionen im Netz?

Gepostet werden jetzt nicht so viele Bilder von Steinen, vielleicht so fünf bis zehn Prozent. Insgesamt habe ich aber schon über 400 Steine ausgelegt. Aber das macht ja nichts. Wenn ich sehe, dass ein Stein weg ist, dann freu ich mich, dass ihn anscheinend einer schön gefunden und mitgenommen hat. Das ist das Wichtigste für mich. Und auch meine kleine Tochter findet das Anmalen und Auslegen der Steine riesig toll.

Wie weit sind Ihre Steine denn bisher gewandert?

Ich hab schon mal welche meiner Familie nach Indien mitgegeben. Sie sind schon unglaublich viel in der Welt herumgekommen. Eine aus der Gruppe hat auch mal einen mit nach Nepal genommen. Und in China war auch schon mal einer.

Können Sie sich an den kuriosesten Ort erinnern, an dem Sie einen Wanderstein gefunden haben?

Ich habe selbst leider noch nicht so viele gefunden, ich lege sie eher aus (lacht). Ich habe erst zwei gefunden und davon war einer mein eigener und der andere lag vor einer Praxis in Ergoldsbach. Meine Tochter hat auch schon mal beobachtet, wie jemand einen Stein gefunden hat. Sie hat in sich rein gegrinst, wie die Frau den angeschaut hat und hat sich richtig gefreut.

Gibt es ein Wanderstein-Motiv, das Ihnen besonders gefallen hat?

Es gibt so viele verschiedene Motive. Aber der eine, der mir eben geschenkt wurde, mit der Aufschrift „Schön, dass es dich gibt“ - das war schon sehr süß von dem Mädel.

Steine bemalen: Beruf oder Hobby?

Das ist ein Hobby. Ich bin gerade noch in Elternzeit und arbeite ansonsten im Büro. Aber ich war schon immer gern kreativ. Das Malen habe ich schon immer gern gemacht und das entspannt mich. Ich genieße das total.

Seitdem Sie auf Facebook die "#Wanderstein"-Gruppe gegründet haben, sind schon über 5.000 Mitglieder dazu gekommen. Wie geht's weiter?

Ich war seitdem auch schon mit meiner Mama in einem Seniorenheim und habe da mit den älteren Bewohnern Steine bemalt. Und inzwischen gibt es auch schon einen Stammtisch. Anfang November haben wir uns zum ersten Mal in Straubing getroffen und gemeinsam gemalt. Davor waren wir auch schon mal in Landshut. Wir wollen das künftig einmal im Monat machen.

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