Energy geht an die Börse Chefwechsel bei Siemens: Ab Oktober übernimmt Busch

Joe Kaeser (l), scheidender Vorstandsvorsitzender von Siemens, und der neue Chef an der Spitze des Konzerns, Roland Busch. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild/dpa

Eigentlich sollte erst im Sommer entschieden werden, jetzt ging es schneller: Roland Busch übernimmt nach und nach die Macht bei Siemens von Joe Kaeser.

München - Inmitten von Coronakrise und tiefgreifendem Konzernumbau wechselt Siemens zentrale Teile seiner Führung aus. Der neue starke Mann des Konzerns wird Roland Busch, der sukzessive Joe Kaeser ablöst.

Dass überraschenderweise mit Michael Sen auch der designierte Chef von Siemens Energy und dessen Finanzchef, Klaus Patzak, gehen, hat die Entscheidung beschleunigt. Am Plan, Energy Ende September an die Börse zu bringen, soll dies aber ebensowenig rütteln wie die Corona-Krise.

"Wir sind im Zeitplan", betonte Kaeser am Freitag in einer Telefonschalte, in der er und Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe die Personalien und die Zukunft von Energy erklärten. Dies gelte sowohl für die Abspaltung Ende März als auch die Vorbereitung des Börsengangs. Er gehe davon aus, dass die dafür wichtige Hauptversammlung am 9. Juli stattfindet, sagte Kaeser. Was passiere, wenn sie doch abgesagt werden müsse, blieb offen. Ein Sprecher sagte, die Frage stelle sich im Moment nicht.

Noch sind diese Auftritte Sache des eher extrovertierten Niederbayern Kaeser, der seit August 2013 die Geschicke von Siemens lenkt. Spätestens zur nächsten regulären Hauptversammlung im Februar 2021 ist damit Schluss. Doch schon mit Start des nächsten Geschäftsjahres übernimmt der 55 Jahre alte Busch die Budgetverantwortung und damit weitgehend die Macht. Man habe "die optimale Lösung" gefunden, bei der Busch "ab 1. Oktober jetzt alles verantwortet" und Kaeser sich bei der Hauptversammlung "ordentlich und strukturiert" verabschiede, sagte Snabe.

Der in Erlangen geborene Busch gilt als zurückhaltender als Kaeser, der nicht zuletzt auch mit seinen Äußerungen im Kurznachrichtendienst Twitter immer wieder für Diskussionen gesorgt hat. Doch im Unternehmen wird Busch große Durchsetzungskraft nachgesagt. Er gilt als energisch und zielorientiert, ohne ideologischen Mauern im Kopf. Busch ist - wie Kaeser - seit Beginn seiner Laufbahn Siemensianer, was ihm in einem Unternehmen, das seine Chefs meist aus den eigenen Reihen rekrutiert, zusätzliche Akzeptanz bringt.

Anders als der ehemalige Finanzvorstand Kaeser ist Busch allerdings Techniker. Eine Eigenschaft, die auch bei den Arbeitnehmervertretern gut ankommt: "Es ist bestimmt nicht schlecht für Siemens, wenn wieder ein Techniker an der Unternehmensspitze steht und weniger die Finanzkennzahlen als die technischen Fertigkeiten im Fokus stehen. Die machen ja traditionell die Stärke von Siemens aus", sagt Hagen Reimer, der für die IG Metall im Siemens-Aufsichtsrat sitzt.

Buschs Durchsetzungsfähigkeit könnte auch beim überraschenden Abgang von Sen und Patzak bei Energy eine Rolle gespielt haben. In Kreisen wird darüber spekuliert, dass es Differenzen zwischen Busch und Sen gegeben hat. Kaeser betonte am Freitag, dass die Entscheidung einvernehmlich gefallen sei. Er berichtete allerdings auch von Gesprächen mit Busch und Sen über die Abspaltung von Energy, bei denen es zu Interessenskonflikten gekommen sei. Nachfolger von Sen wird Christian Bruch, der von Linde zu Siemens kommt.

Ob der machtbewusste Kaeser auch die letzten Monate bis zur Hauptversammlung bleibt, in denen sein Einfluss schwindet, wird sich zeigen. Er betonte aber am Freitag, dass es ihm bis dahin nicht langweilig werde. Es sei noch einiges zu tun. "Und ehrlich gesagt: selbst wenn es langweilig wird, dann freue ich mich darüber, weil das war eigentlich in den letzten sechs Jahren zu keinem Tag so wirklich der Fall." Zudem gibt es auch eine neue Aufgabe für Kaeser: Als künftiger Aufsichtsratschef von Siemens Energy.

Davor gilt es, das Unternehmen durch die Corona-Krise zu steuern. Man fahre auf Sicht, diese sei derzeit "nicht sehr weit", sagte Kaeser. Siemens sei robust, aber die Pandemie werde nicht spurlos am Unternehmen vorübergehen. Stand Donnerstag gebe es im Konzern 57 Corona-Fälle, 41 davon in Deutschland. Mit Ausnahme von zwei kleineren Werken liefen die Fabriken des Konzerns aber. Zudem sei man in China wieder auf 95 Prozent des Levels, den man vor Ausbruch der Krise gehabt habe.

 

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