Eiskunstlauf Mia Krojer ist die Eisprinzessin

Pirouetten wie diese sind für Mia mittlerweile kein Problem mehr. Foto: Anna-Lena Weber

Eine doppelte Umdrehung in der Luft. Danach wieder ganz elegant zurück auf dem glatten Eis landen. Für Mia Krojer aus Landshut ist das kein Problem. Die Zwölfjährige ist Eiskunstläuferin beim EVL. Wir haben sie bei einem Training besucht.

ine Eiskunstläuferin gleitet mit ihren weißen Schlittschuhen über die glänzende Eisfläche. Die oberste Eisschicht zerfällt in winzige Schneeflöckchen. Es ist kalt, die Luft ist rein. „Und jetzt Sprung!“, ruft eine Stimme aus dem Hintergrund. Es ist die von Eislauftrainerin Michaela Steer-Fauser. Die Eiskunstläuferin wird schneller. Schneller. Immer schneller. Bis ihre Füße plötzlich den Boden verlassen. Während sie in der Luft schwebt, dreht sie sich. Ihr Kleid folgt der Bewegung und hüllt die zarte Gestalt in einen roten Schimmer.

Das Mädchen ist Mia Krojer. Sie ist Eiskunstläuferin beim Eiskunstlaufverein Landshut (EVL). Gerade trainiert die Zwölfjährige ihre Kür für einen Wettkampf. Eine Kür ist eine Choreographie auf dem Eis. „Sie enthält immer verschiedene Pflichtelemente, zum Beispiel Sprünge oder Pirouetten“, erklärt Mia. „Den Rest überlegen sich meine Trainerin und ich.“

Mia gleitet wieder zu Boden. Ganz leicht. Es wirkt fast so, als würde die Erdanziehung bei ihr eine Ausnahme machen. „Und jetzt machen wir weiter mit dem Axel“, weist die Trainerin Mia an. Die Zwölfjährige wird erneut schneller. Sie holt Schwung. Springt, dreht sich eineinhalb Mal um die eigene Achse und landet rückwärts wieder auf den Kufen der weißen Schlittschuhe. Das war der Axel – auch bekannt als König der Sprünge. „Um das zu lernen, habe ich eine Saison gebraucht“, erzählt Mia.

Eine Eislaufsaison dauert in der Regel von August bis April. „Es ist oft stressig, ich habe vier- bis fünfmal pro Woche Eiskunstlauftraining, einmal in der Woche Ballett-Training und ein- bis zweimal pro Woche Athletiktraining.“

Mit Ballett fing alles an

Doch die harte Arbeit zahlt sich aus. Mia tritt drei- bis viermal pro Saison bei bayernweiten Wettkämpfen an und schneidet gut ab. Die Zwölfjährige landet meist auf dem Siegertreppchen. Nach der Saison trainieren die Eiskunstläufer des EVL in einem Trainingslager in Mittenwald im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Dort gibt es jedes Jahr in der Pfingstzeit eine Eisfläche, die nach dem Trainingslager wieder abgetaut wird.

Mia begann mit vier Jahren mit dem Eiskunstlauf. „Vorher habe ich aber schon ein Jahr Ballett getanzt“, erzählt sie. Mit fünf Jahren folgte dann der erste Wettkampf und da lief es für Mia richtig gut. Sie macht den ersten Platz. Sie fing damals klein an. „Am Anfang habe ich erst einmal gelernt, sicher auf dem Eis zu stehen, das hat eine Weile gedauert“, blickt sie zurück. Bis zu Pirouetten oder Sprüngen war es ein weiter Weg.

Zurück in der Eishalle. Mia stellt sich auf ein Bein und streckt die Arme und das andere Bein elegant von sich. „Das ist der Flieger. Mit dieser Figur beginnen die meisten Anfänger, ihr Gleichgewicht zu trainieren“, erklärt sie.

Für junge Eiskunstläufer kann die Pubertät zum Problem werden. „Ein Wachstumsschub macht es schwieriger, manche Figuren auszuführen, da die langen Beine plötzlich stören“, erklärt Trainerin Michaela Steer-Fauser. „Mia hat das gut gemeistert, sie ist enorm gewachsen und hat trotzdem nichts verlernt – sie ist sogar besser geworden.“

Wichtig ist aber nicht nur, dass die Eiskunstläufer alle Sprünge und Drehungen perfekt beherrschen. Auch der Gesichtsausdruck wird mitbewertet. „Ein Sturz ist natürlich blöd. Danach sollte man aber mit einem Lächeln wieder aufstehen und weiter machen, als wäre nichts gewesen“, sagt Mia.

Fällt das Mädchen auf dem Eis hin, kann das ziemlich weh tun. Bis auf den ein oder anderen blauen Fleck oder einer Zerrung blieb die Landshuterin aber bisher vor größeren Verletzungen beim Eiskunstlauf verschont. Doch an eine verrückte Geschichte dazu erinnert sie sich: „Einmal habe ich mir den Mittelfuß gebrochen, weil ich im Wohnzimmer herumgetanzt bin. Ich habe die Schmerzen zwei Wochen lang mehr oder weniger ignoriert und bin weiter ins Training gegangen. Als es nicht besser wurde, bin ich aber dann doch zum Arzt gegangen.“ Mittlerweile kann die Zwölfjährige aber über diesen Unfall wieder lachen.

Anspruchsvolle Doppelsprünge

Das Training für heute geht langsam zu Ende. Michaela Steer-Fauser schaltet die Musik ein. Mia geht in Position. Beine und Arme gestreckt und ein leichtes Lächeln auf den Lippen, die aufgrund der Kälte mittlerweile eine leicht bläuliche Farbe haben. Sie probt noch einmal ihre Kür von Anfang bis Ende. Trainerin Michaela Steer-Fauser ist überzeugt vom Talent der Zwölfjährigen. Sie selbst hat Eiskunstlauf im Leistungssportbereich betrieben und weiß daher, worauf es ankommt. „Mia ist ein sehr fleißiges Mädchen und hebt sich mit ihrem eleganten Laufstil von ihrer Konkurrenz ab.“ Das Besondere: Mia beherrscht alle Doppelsprünge, dabei dreht sie sich zweimal um die eigene Achse. Diese Sprünge sind besonders anspruchsvoll und erfordern viel Training.

Eine letzte Pirouette. Mia zeigt ihre Schlusspose. Sie nimmt Schwung und verlässt die Eisfläche mit einem eleganten Sprung hinter die Bande. Das Training ist vorbei. Zurück bleibt die Eisfläche – von Kratzern übersät.

 
 

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