Eishockey Silber bei Olympia: "einzigartiger Erfolg" und Hoffnung

Der Erfolg von Pyeongchang ist eine große Chance fürs deutsche Eishockey. Foto: imago

Der Silbermedaillen-Gewinn der Nationalmannschaft ist der größte Erfolg der deutschen Eishockey-Geschichte. Nun besteht Hoffnung auf einen Aufschwung.

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat bei den Olympischen Spielen Historisches geschafft. Mit dem Gewinn der Silbermedaille gelang dem Team der größte Erfolg in der deutschen Eishockey-Geschichte. "Das ist ein einzigartiger Erfolg", sagt Deutschlands Jahrhundertspieler Erich Kühnhackl.

"Es hat sich wieder einmal bewahrheitet: man braucht nicht immer die individuell besten Spieler. Wenn jeder für jeden kämpft und alles in den Dienst der Mannschaft stellt, dann kann man als Team viel erreichen", sagt Hannes Süß, Vorstand vom EHC Straubing. Seine Überzeugung: "Wir hatten bei diesem Turnier das beste Team auf dem Eis." Stefan Schnabl, DNL-Trainer beim EV Regensburg und Sportlicher Leiter bei den Eisbären, sagt: "Was Marco Sturm mit dieser Mannschaft geschafft hat, ist unerreicht."

"Die Sensation wurde wahrgenommen"

Mit dem Erfolg verbunden ist auch die Hoffnung, dass das deutsche Eishockey einen neuen Aufschwung erlebt. "Man merkt schon, dass wieder mehr über Eishockey gesprochen wird. Diese Sensation wurde auf jeden Fall wahrgenommen", sagt Süß. "Es wäre wünschenswert und ich habe auch die Hoffnung, dass die Sportart wieder mehr in den Fokus rückt, dass man sich neben dem Fußball etablieren kann." Bundestrainer Marco Sturm sagt: "Hoffentlich gibt es einen Boom. Für das deutsche Eishockey ist das extrem wichtig und hoffentlich eine Motivation an die Jugend, die wir auch brauchen."

Stefan Schnabl, der im Nachwuchsbereich unter anderem schon mit den beiden Medaillengewinnern Gerrit Fauser und Yasin Ehliz zusammengearbeitet hat, hofft, "dass das deutsche Eishockey dahin kommt, wo es meiner Meinung nach hingehört. Dass es in den Medien und im TV präsenter wird, dass mehr Kinder in die Eishallen kommen und dass man wieder klar die Sportart Nummer zwei wird."

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Was nun in der Zukunft wichtig sein wird? "Man muss speziell im Nachwuchs mehr Zeit und Geld investieren", sagt Kühnhackl. Es müssten sich auch noch weitere Dinge verändern. "Aber das ist jetzt alles leichter zu bewerkstelligen, da die Nationalmannschaft den Sport wieder in den Fokus gebracht hat", so Kühnhackl. Schnabl wünscht sich ebenfalls, dass der Nachwuchs eine höhere Wertigkeit bekommt. "Für jeden Verein sollte die Nachwuchsarbeit das Nonplusultra sein", sagt er. Am Ende hänge im Nachwuchs viel vom Geld ab. Er wünscht sich mehr Investition, damit mehr Trainer eingestellt werden können und die Kinder mehr Eiszeit bekommen. "Viele Spieler in anderen Ländern haben deutlich mehr Eiszeit als unsere Kinder und Jugendlichen", sagt Schnabl. "Je mehr man unten investiert, desto mehr kommt am Ende auch oben heraus." Ein weiterer Wunsch ist, dass die deutschen Talente mehr Chancen bei den Vereinen bekommen.

Kühnhackl: "Werden diese Chance nutzen"

Damit die nötigen Veränderungen auch klappen, müssen endlich alle Parteien - die Nationalmannschaft, die Vereine, der Nachwuchs - in eine Richtung marschieren. "Ich hoffe, dass dieser Erfolg gemeinsam umgesetzt und diese Sportart weiter nach vorne gebracht wird", sagt Kühnhackl. "Ich glaube, die Verantwortlichen und alle, die mit diesem Sport verbunden sind, werden diese Chance auch nutzen. Ich bin ein Mensch, der grundsätzlich positiv denkt."

Einen Riesenanteil am Erfolg hat der niederbayerische Bundestrainer Marco Sturm. "Er ist ein Glücksfall fürs deutsche Eishockey", ist Kühnhackl überzeugt. Er habe in seinen Stab die richtigen Leute geholt. Die Trainer, der Staff und die Mannschaft würden gut miteinander harmonieren und eine Einheit bilden. "Nur wenn das passt, kann man Erfolg haben. Das ist ganz klar Marcos Handschrift", so Kühnhackl. "Marco ist ein Weltstar und trotzdem ein toller Typ, nett und bescheiden", sagt Stefan Schnabl. Für ihn ist Sturm sogar mehr als ein Glücksfall: "Ich glaube nicht, dass dieser Erfolg mit einem anderen Bundestrainer möglich gewesen wäre."

1976, als Deutschland Bronze bei den Olympischen Spielen in Innsbruck geholt hat, stand Erich Kühnhackl selbst mit auf dem Eis. Nun ist er froh, dass neue Helden geboren wurden. "Wenn man, wie ich, Eishockey im Blut hat und selbst Kinder hat, die Eishockey spielen, dann freut man sich einfach mit dem Eishockey-Sport", sagt er. Auch Hannes Süß ist überzeugt, dass für Deutschland neue Eishockey-Helden wichtig sind. "Die Spieler von 1976 sind für unsere Nachwuchsspieler kaum noch greifbar. Jetzt sehen sie Woche für Woche bei den DEL-Spielen Silbermedaillen-Gewinner auf dem Eis."

Das deutsche Eishockey hat bei Olympia den größten Erfolg seiner Geschichte gesehen. Nun wird es wichtig sein, dass die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden, damit der ganze Sport einer besseren Zukunft entgegenblickt. "Uns alle freut dieser Erfolg ungemein", sagt Hannes Süß abschließend. "Und ich hoffe, dass diese Euphorie weiter anhält."

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