Eisbären-Kapitän im Interview Peter Flache: "Igor Pavlov kann auch Witze machen"

Eisbären-Kapitän Peter Flache. Foto: Fabian Roßmann

Am 29. Juli sind die Spieler der Eisbären Regensburg das erste Mal aufs Eis. Zwei lange Monate Vorbereitung gehen nun zu Ende, am Freitag startet in Deggendorf endlich die neue Oberliga-Saison. Nach dem frühen Playoff-Aus in Runde eins vergangene Saison soll es dieses Mal besser werden. Kapitän Peter Flache (37) spricht im idowa-Interview über die Lehren aus der vergangenen Saison, die Entwicklung von jungen Spielern und den ersten Gegner Deggendorf.

Herr Flache, hinter den Eisbären liegt eine fast zwei Monate dauernde und unter Trainer Igor Pavlov wahrscheinlich auch harte Vorbereitung. Ist da die Vorfreude auf den Saisonstart umso größer?
Peter Flache: Jeder freut sich auf das erste Punktspiel. Das Training ist hart, es ist nicht immer leicht um 6 Uhr auf dem Eis zu stehen. Aber ich finde es gut. Denn so bleiben wir Spieler einfach fit und das hilft uns in der Saison. Igor ist hart, aber er ist auch fair. Wenn er merkt, dass wir müde sind oder wir eine gute Leistung bringen, dann kriegen wir auch einmal noch einen zusätzlichen freien Tag. Regeneration ist sehr wichtig. Das Wichtigste ist, dass man zu den Playoffs frisch und bereit ist.

Ist Igor Pavlov also gar nicht so hart wie es sein Ruf sagt?
Flache: (schmunzelt) Es heißt immer, dass er so extrem hart ist. Aber das stimmt nicht. Igor kann auch lustig sein und Witze machen. Bei ihm muss einfach die Einstellung passen, die Leidenschaft muss da sein. Aber das ist doch ganz normal. Wenn das nicht da ist, dann kann er schon richtig sauer sein.

In der Vorbereitung gab es wechselnde Ergebnisse. Wie blicken Sie unter dem Strich darauf zurück?
Flache: Wir haben teilweise sehr gut gespielt, teilweise nicht so gut. Man muss berücksichtigen, dass wir, außer ein paar Spieler, immer noch sehr jung sind. Wenn man sich zum Beispiel Peiting im letzten Jahr ansieht: die sind mit Führungen souverän umgegangen, haben dir nichts geschenkt, weil sie die Klenigkeiten richtig machen. Das sage ich immer zu unseren jungen Spielern: Der Unterschied zum nächsten Niveau ist es, diese Kleinigkeiten immer zu machen, das macht am Ende einen großen Unterschied. Du kannst nicht jeden Wechsel ein Tor schießen, manchmal musst du auch einfach gut verteidigen. Zum Teil haben wir während der Vorbereitung aber auch sehr gut gespielt. Ich glaube, wir sind stärker als letztes Jahr, aber auch die Liga ist meiner Meinung nach stärker.

Letzte Saison lief es gut für die Eisbären – bis zu den Playoffs, als gleich in der ersten Runde Schluss war. Wie haben Sie diese Saison aufgearbeitet?
Flache: Mir persönlich hat es sehr weh getan und es hat auch ein bisschen gedauert, das zu verdauen. Du arbeitest so lange, machst zwei Monate Vorbereitung, spielst eine gute Saison und dann ist es so schnell vorbei. Wenn man aber zum Beispiel das letzte Spiel hernimmt, da hatten wir über 50 Schüsse, mehr Chancen, mehr Scheibenbesitz als der Gegner. Vielleicht hat der Wille zu einem Dreckstor ein bisschen gefehlt. Letztlich war es nicht unser Jahr. Das Wichtigste ist, dass man daraus lernt.

Was speziell haben Sie denn gelernt?
Flache: Wichtig ist, dass man für die Playoffs bereit ist, nicht für das erste Vorbereitungsspiel. Das ist Eishockey. Herne hat Playoff-Eishockey gespielt. Richtig hart, in den Ecken, sie waren stärker an der Scheibe. In den Playoffs kommt es auch auf den unbedingten Willen an, aufs Tor zu gehen, einen Check zu machen und vor dem Tor zu stehen, auch mal ein Dreckstor zu erzwingen.

Die Mannschaft ist im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert, nur drei neue Spieler wurden verpflichtet. Ein Vorteil?
Flache: Das ist der Weg der Eisbären. Wir haben ein paar ältere Spieler, aber vor allem viele junge. Diese müssen aber auch spielen, um sich zu entwickeln. Wir haben Spieler wie Philipp Vogel oder Lukas Heger, die sind noch jung, haben aber schon Erfahrungen gesammelt. Die machen jetzt den nächsten Schritt, müssen aber auch die Chance erhalten, diesen Schritt zu gehen. Es ist wichtig fürs deutsche Eishockey, dass man junge Spieler entwickelt.

Wie bewerten Sie die drei Neuzugänge?
Flache: Tomas Schwamberger ist ein sehr guter Spieler, vielleicht der Schnellste in der Mannschaft. Filip Reisnacker ist ein Top-Talent, hat einen super Schuss und ist läuferisch stark. Michail Guft-Sokolov ist ebenfalls läuferisch stark und gibt immer Vollgas. Menschlich passen alle drei in unsere Kabine und sind auf alle Fälle eine Verstärkung.

Was ist für Spieler wie Sie wichtig im Umgang mit den Spielern?
Flache: Es ist unsere Aufgabe, sie zu unterstützen. Ich sage ihnen zum Beispiel immer, wie wichtig die Kleinigkeiten sind, zum Beispiel Schüsse zu blocken oder die Scheibe im richtigen Moment rauszuspielen. Die Kleinigkeiten richtig machen bezieht sich aber auch schon darauf, wie man sich auf ein Spiel vorbereitet.

Wie viel Spaß bereitet es Ihnen, wenn die jungen Spieler Ihre Ratschläge annehmen?
Flache: Das ist natürlich super. Ich sag Ihnen ein Beispiel. Philipp Vogel ist der Spieler, der sich meiner Meinung nach letzte Saison am meisten entwickelt hat. Ich habe ihm gesagt, er könne auf dem höheren Niveau nicht immer mit der Scheibe laufen, sondern müsse den Puck mehr bewegen. Das hat er gemacht, hat unter Druck auch mal die Scheibe einfach rausgespielt und plötzlich auch ein paar Scorerpunkte damit bekommen. Er hat das schnell kapiert, hat einen großen Sprung gemacht. Plötzlich spielt er Überzahl. Er arbeitet an seinem Spiel, aber auch viel im Kraftraum, ist einer unserer fittesten Spieler. Er hört zu und entwickelt sich. Wenn sich jeder der jungen Spieler entwickelt, dann werden wir eine bessere Mannschaft.

Harte Arbeit muss sich auszahlen.
Flache: Ganz genau. Das kann man als Team auch leben. Unser Torhüter Peter Holmgren hat beim Spiel gegen Herne gesagt: Ein Herner Spieler blockt einen Schuss und die ganze Mannschaft freut sich. Wenn bei uns jemand einen Schuss blockt, ist das noch nicht der Fall. Daran müssen wir noch arbeiten.

Mit welchen Zielen gehen Sie in die Saison?
Flache: Wir wollen oben in der Tabelle dabei sein und in den Playoffs so weit kommen wie möglich. Das Ziel ist der Aufstieg. Es gibt Leute, die lachen darüber. Aber ganz ehrlich: Das ist Profisport. Wer geht in eine Saison und sagt, mein Ziel sind die ersten Acht? Wir sollten in jedes Spiel gehen mit dem Ziel zu gewinnen. Igor Pavolov sagt zum Thema Aufstieg immer: Wir wollen, aber die Frage ist, ob wir können. Das sehe ich genauso.

Wer sind die Hauptkonkurrenten in der kommenden Saison?
Flache: Wenn man die Liga anschaut, muss man sagen, dass viele starke Mannschaften dabei sind. Es gibt kein einfaches Spiel in diesem Jahr. Ich glaube, dass eine stärkere Liga jede Mannschaft stärker macht. Es wird ein Kampf unter den ersten Mannschaften, es wird ein Kampf um das Heimrecht in den Playoffs.

Wofür soll die Eisbären-Mannschaft in der kommenden Saison stehen?
Flache: Für mich müssen wir läuferisch und in puncto Wille die stärkste Mannschaft sein. Ich glaube es wird schwierig eine Mannschaft zu finden, die fitter ist als wir. Aber es liegt auch an der Einstellung. Wir müssen Gas geben. Wir haben technisch starke Spieler, aber nur damit erreichst du nichts in den Playoffs, da ist eine andere Spielweise gefragt.

Am Freitag geht es los in Deggendorf, wie schätzen Sie den DSC als Absteiger ein?
Flache: Sehr stark. Deggendorf hat viele gute Spieler. Die Kleinigkeiten können am Ende den großen Unterschied machen. Spielern wie Thomas Greilinger, René Röthke oder Christoph Gawlik darfst du nichts schenken. Wir müssen für alles arbeiten. Wenn wir das machen, werden wir auch unsere Chancen kriegen.

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