Einzigartiger Joystick Wie ein Tüftler aus Bernried der Tastatur Konkurrenz machen will

Tom Bredinin in seinem Element: Jeder "Move-Master" wird in Handarbeit zusammengesetzt. Foto: Bredinin

Tom Bredinin aus Bernried (Landkreis Deggendorf) hat zusammen mit seinem Cousin einen einzigartigen Joystick entwickelt. Der 43-Jährige ist überzeugt: Ihre Erfindung ließe sich in zahlreichen Bereichen einsetzen – und könnte sogar der Tastatur Konkurrenz machen.

Ein Griffstück, eine Auflagefläche, zehn Tasten. Recht viel mehr ist es nicht. Auf den ersten Blick wirkt der „Move-Master“ zwar ungewöhnlich, aber nicht unbedingt besonders. Doch sein Schöpfer Tom Bredinin weiß genau, was in ihm steckt. Der 43-jährige Bernrieder hat den Joystick zusammen mit seinem Cousin Johann Meindorfer aus Deggendorf entwickelt und dafür Tausende Stunden an Arbeit investiert. Und er ist fest davon überzeugt, dass ihre Erfindung nicht nur für die Gaming-Szene eine Revolution bedeuten könnte.

Die Idee dazu kam Bredinin bereits 2010 bei einem Spiele-Abend unter Arbeitskollegen. Einer seiner Kollegen verwendete damals für ein Videospiel auf dem PC einen Joystick statt einer Tastatur. Einen der herkömmlichen Sorte, der ein bisschen an den Steuerknüppel eines Flugzeugs erinnert. „Ich habe eine Weile zugesehen und dachte mir: 'Das ist doch eigentlich ein totaler Schmarrn'. Unhandlich und kompliziert“, erzählt Bredinin. „Gleichzeitig habe ich mich aber gefragt: 'Wie müsste so ein Gerät eigentlich aussehen?' Denn es ist ja so, dass es sich bei der Tastatur im Grunde um ein reines Schreibgerät handelt. Trotzdem ist sie bis heute bei der Steuerung von PC-Spielen das Maß aller Dinge geblieben. Und warum? Weil es keine vernünftigen Alternativen gibt.“ Nach diesem Abend war Bredinins Ehrgeiz geweckt, also tüftelte der leidenschaftliche Spiele-Fan selbst an einer Alternative. Er machte sich Gedanken, skizzierte seine Ideen, kaufte Teile – und am Ende stand die erste Version des „Move-Master“.

Wirkung in Ego-Shootern gestestet

Was das Gerät von herkömmlichen Joysticks unterscheidet, ist vor allem sein Design. Er ist quasi einer menschlichen Hand nachempfunden. Gesteuert wird nicht mit einem Steuerknüppel, sondern einem Griffstück. Vorne befinden sich acht Tasten, an der Seite zwei – genau auf Höhe der Finger. Die Steuerung erfolgt so direkt mit dem Handgelenk. Die Vorteile des „Move-Master“ liegen für Bredinin auf der Hand – im wahrsten Sinne des Wortes: „Normalerweise muss sich die Hand dem Gerät anpassen. Hier ist es umgekehrt. Das Griffstück lässt sich an die Handform des Benutzers anpassen.“ Durch die Steuerung aus dem Handgelenk gebe es nur kurze Hebelwege. Das ermögliche schnelle Reaktionen und sei gleichzeitig bequem. Zudem seien die Tasten frei konfigurierbar, was wiederum Aktionen ermögliche, die mit der Tastatur gar nicht möglich wären. Die Funktionalität seiner Erfindung hat Bredinin vor allem in Ego-Shootern erprobt. Eines der populärsten Spiele-Genres – und eines der anspruchsvollsten. „Der Ego-Shooter ist mit das Komplexeste, was es im Spiele-Bereich gibt. Hier kommt es auf sehr schnelle Reaktionen an, Sekundenbruchteile können über Sieg und Niederlage entscheiden.“ Gerade hier seien die Vorteile seiner Erfindung spürbar gewesen: „Ich konnte Manöver ausführen, die mit der Tastatur gar nicht möglich wären – weil man sich sonst die Finger verknoten würde.“

Hier können Sie den "Move-Master" im Video in Aktion sehen:

Über 2.000 Stunden lang hat Bredinin seinen Prototypen so getestet, bis er sich sicher war, dass das Prinzip funktionierte. 2011 entschloss er sich schließlich, mit seiner Erfindung an die Öffentlichkeit zu gehen. Der Erste, der sie zu Gesicht bekam, war sein Cousin Johann Meindorfer. Der 52-Jährige stammt aus Deggendorf, wohnt aber in Rosenheim und arbeitet dort als Innenarchitekt. „Johann und ich sind neben unserer Verwandtschaft schon seit Jahrzehnten befreundet. Außerdem ist er genau wie ich ein Spieler der ersten Stunde. Ich habe ihm also meine Ideen geschickt und gefragt, ob er so etwas designen könnte. Und er war sofort begeistert.“

3-D-Druck ermöglichte Produktion

So wurden die beiden bei mehreren Firmen vorstellig, um ihr Produkt vorzustellen. „Wir haben auch durchaus positives Feedback bekommen und hatten mehrere Produktvorführungen. Aber nach der anfänglichen Begeisterung kamen leider lange keine Rückmeldungen mehr“, beschreibt Bredinin die Situation. „So lag das Projekt erstmal auf Eis. Wir haben zwar auch mit dem Gedanken gespielt, den 'Move-Master' einfach in Eigenregie herzustellen. Als unsere eigenen Chef - komplett unabhängig. Aber das wäre finanziell nicht machbar gewesen.“

Bis sich ihnen 2017 eine andere Möglichkeit bot: Der 3-D-Druck. „Das war unser Plan B. Zu diesem Zeitpunkt waren 3-D-Drucker einerseits technisch weit genug und andererseits auch einigermaßen bezahlbar. Also haben wir uns einen zugelegt und getestet, ob wir damit einen Move-Master herstellen können“, erzählt Bredinin. Es dauerte ungefähr ein halbes Jahr, bis feststand: Ja, es geht. Im Mai 2018 waren Bredinin und Meindorfer schließlich soweit, die ersten Move-Master herzustellen und zu verkaufen. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung: Sie konnten in der Heimat bleiben. Bei der Produktion ist ihnen auch das Thema Umweltverträglichkeit sehr wichtig: „Wir fertigen das Gehäuse aus biologisch abbaubarem Kunststoff. Man könnte den 'Move-Master' in den Garten werfen, er würde irgendwann verrotten. Zudem ist er so konstruiert, dass man einzelne Komponenten einfach wechseln kann. Man kann ihn reparieren und muss kein neues Gerät kaufen. Das ist unser Beitrag für Nachhaltigkeit und gegen die Wegwerfgesellschaft.“

Knapp 70 Stück können Bredinin und Meindorfer momentan pro Monat anfertigen. „Die Herstellung ist recht aufwendig: Der Drucker benötigt allein 30 Stunden für das Gehäuse, dann kommen noch Tests und die Montage dazu“, erläutert Bredinin. Dementsprechend ist auch der fertige Joystick nicht ganz billig: 199 Euro kostet ein Gerät. „Das ist natürlich viel Geld. Aber Handarbeit und Nachhaltigkeit haben eben ihren Preis. Es steckt eine Ideologie dahinter – und die kauft man eben mit.“

Auch für Menschen mit Behinderung interessant

Über mangelndes Interesse können sich Bredinin und Meindorfer jedenfalls nicht beschweren: Sie mussten bereits eine Warteliste einführen, weil sie mit den Lieferungen kaum hinterherkommen. Wie sich gezeigt hat, ist ihr Gerät nicht nur für Gamer, sondern auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen interessant. „Einer unserer ersten Fans war Sven, ein junger Mann, der seit einem Badeunfall schwer gelähmt ist und nur noch wenige Finger bewegen kann. Seine Geschichte hat uns so berührt, dass wir ihm einen Move-Master geschenkt haben. Zum Dank hat er uns später ein Video geschickt, wie er damit wieder spielen kann. Das ist schon ein tolles Gefühl, wenn wir auch solchen Menschen helfen können“, erzählt Bredinin stolz. Weitere Betroffene, etwa querschnittsgelähmte Personen oder Tetraplegiker (Menschen, bei denen alle vier Gliedmaßen gelähmt sind), folgten. Auch von einem Arzt hat Bredinin bereits eine erste Anfrage bekommen. Generell ist er überzeugt, dass das Konzept des Move-Masters in vielen Bereichen eingesetzt werden könnte.

In Zukunft wollen sich Tom Bredinin und Johann Meindorfer deswegen darauf konzentrieren, langsam zu wachsen. Überstürzen wollen sie aber trotz des vielversprechenden Starts nichts: „Wir werden jetzt nicht auf einmal 20 Drucker kaufen, sondern wollen auf Nummer sicher gehen. Wir versuchen, das im Kleinen immer mehr auszubauen und uns langsam zu etablieren.“

 

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