Einmal Mangaka sein Das ist Mangazeichnerin Aimi Prade

Zum Zeichnen hat sich Aimi ein eigenes Zimmer eingerichtet. Foto: Sebastian Geiger

Konnichi-wa, minna-san! Hallo, ihr alle! Die gedruckte Freistunde feiert eine Premiere: Wir haben unseren eigenen Manga. Wer die Frau hinter dem Comic ist und wie es dazu kam, dass wir ihn veröffentlichen, verraten wir hier. 

Post, egal in welcher Form, bekommen wir in der Redaktion regelmäßig. Viele Anfragen sind dabei, die eine oder andere Idee für einen Artikel und natürlich immer wieder Künstler aller Art.

Eine Anfrage wie die von Aimi hatten wir aber noch nie. Ob wir uns vorstellen könnten, einen Manga zu veröffentlichen, den die junge Künstlerin extra für uns anfertigt. Mehr noch: Aimi Prade ist keine Zeichnerin aus Hamburg oder Berlin, die 23-Jährige kommt aus Japan und wohnt nun in unserer Region, in Dingolfing.

So ein Angebot mussten wir uns natürlich ansehen – und mehr über die Person herausfinden, die bereit wäre, für uns einen Manga zu zeichnen.

Shounen-Mangas haben es Aimi angetan

Mangas faszinieren Aimi schon seit ihrer Kindheit. Dabei haben es ihr aber nicht die Shoujo-Mangas angetan, die üblicherweise von Mädchen und jungen Frauen gelesen werden, sondern die Shounen-Mangas, also die für Jungs. Einen davon, „Ranma ½“, zeichnet eines ihrer großen künstlerischen Vorbilder, die Manga-Autorin Rumiko Takahashi. Ihre Zeichnungen und Geschichten liebt Aimi. Aktuell lässt sie sich von den Geschichten von Shuuichi Asou inspirieren, oder „Asou-san“ (Herr Asou), wie sie ihn ehrfürchtig nennt.

Dass Aimi Shounen-Mangas so gerne mag, hat einen einfachen Grund: „Sie sind lustig“, sagt sie. Das soll auch der Manga sein, den sie für Freistunde zeichnet. Wie für diese Art von Comic üblich, spielt er an einer Schule, in der ein neuer Schüler über alle möglichen lustigen Probleme stolpert. „Musterschüler“ hat Aimi ihn genannt.

Da das Schulsystem in Deutschland ein anderes ist als in Japan, recherchierte Aimi über deutsche Schulen und ließ sich erzählen, wie es dort so zugeht. Ob ein paar der Gags, in denen der Hauptcharakter bestimmte Worte falsch versteht, auf ihren eigenen Erfahrungen mit der deutschen Sprache beruhen, verrät sie nicht.

Japan und Deutschland: Da gibt es viele Unterschiede

Aimi lebt der Liebe wegen in Deutschland. 2016 verbrachte sie ein Jahr als Austauschstudentin in Deutschland. An der Uni in München lernte sie ihren heutigen Ehemann kennen. Die beiden saßen zufällig in der Mensa nebeneinander. Danach ging sie wieder zurück nach Japan. Seit September 2018 lebt sie nun mit ihrem Mann in Dingolfing.

Als Japanerin in Deutschland gibt es für Aimi immer wieder Dinge, die anders sind. „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass es in Deutschland so viele Leute gibt, die nicht wissen, dass man Mangas von rechts nach links liest“, sagt sie. Sie spricht damit etwas an, das in der deutschen Mangafan-Szene schon für viele Diskussionen gesorgt hat. Weil Bücher in Japan von rechts nach links gelesen werden, mussten die deutschen Verlage Mangas, die sie übersetzten, spiegeln, um so einen passenden Lesefluss zu gewährleisten. Das führt aber nicht selten zur Verwirrung, da an manchen Stellen so die Bildfolge nicht logisch ist. Vor einigen Jahren gab es deshalb die Petition vieler deutscher Mangafans, die japanischen Comics auch in Deutschland so zu veröffentlichen, dass sie von rechts nach links gelesen werden sollen. Die Verlage fügten sich den Fans. Auch Aimis Manga „Musterschüler“ wird von rechts nach links gelesen.

Aimis Traum: einmal in der Mangabranche arbeiten

Aimi hat sich in ihrer neuen Heimat gut eingelebt. Dingolfing und Niederbayern gefallen ihr. In ihrem Haus, in dem sie mit ihrem Mann und seiner Familie lebt, hat sie sich ein Zeichenzimmer eingerichtet, mit Mangaregal und Zeichentisch. Dort malt sie an ihren Mangas – traditionell mit Stift und Papier.

Am Anfang überlegt sie sich die Geschichte. Das dauert am längsten. „Die folgenden Schritte gehen dann immer schneller“, erklärt Aimi. Zuerst entstehen mit Bleistift die einzelnen Felder. Diese zeichnet sie mit Tinte nach und fügt zum Schluss Schattierungen mit einer Rasterfolie in den Comic ein. Für einen Teil des Freistunde-Mangas „Musterschüler“ braucht die 23-Jährige drei bis vier Stunden. Seit sie als Kind ihre ersten Mangas las, hat Aimi einen Traum: „Ich wollte irgendwann in der Mangabranche arbeiten“, sagt sie. Ihr Manga in der Freistunde ist da schon mal ein Anfang.

Hier erklären wir dir Begriffe rund um die Manga-Kunst.

 

Aimis Manga findest du jeden Freitag im Mai auf der Freischreiben-Seite in unserer Freistunde-Zeitung.

 
 

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