Dingolfing als Hochschulstandort? Was vor vielen Jahren noch zur Bemühung medizinischen Personals geführt hätte, wird 2023 Realität. Die Fachhochschule Landshut bringt nach der Forschung im Rahmen des TZ PULS nun auch die Lehre in die Autostadt und verdutzte mit dieser vollmundigen und bereits wohl geplanten Ankündigung einige Mitglieder des Stadtrates und des Kreitages.

Während die meisten Gremiumsmitglieder hellauf begeistert von dieser einmaligen Chance nicht zögerten zuzustimmen, brachten andere Fraktionen dem Entwurf und der finanziellen Ausgestaltung dessen noch Skepsis entgegen, zu groß war die Angst vor einem Blankoscheck. Über die politische Resonanz, die wissenschaftliche Ausgestaltung des Projekts und die weiteren Planungen sprach die Heimatzeitung daher mit Prof. Dr. Reinhold Kohler, der die Machbarkeitsstudie zum Standort Dingolfing und dem zugehörigen Bachelorstudiengang verantwortet, und mit Prof. Dr. Holger Timinger, der den neuen Campus Dingolfing federführend betreut.

Beginnend mit der Vergangenheit gilt es zunächst, die Sitzung des Stadtrates der Stadt Dingolfing und des Kreistages des Landkreises Dingolfing-Landau zu resümieren, in dem Sie Ihren Plan diskutierten. Waren Sie überrascht davon, dass ihr Entwurf doch von einigen Kommunalpolitikern kritisiert wurde?

Holger Timinger: Es gibt immer viele unterschiedliche Interessen, insbesondere zu Beginn eines solchen Projektes sorgen noch ungeklärte Details für Fragen. Deshalb haben uns die kritischen Stimmen nicht wirklich überrascht, wenngleich wir der Meinung sind, alle kritischen Anregungen im Laufe des Prozesses aufgreifen und beantworten zu können. Wir haben aus diesem Grund auch bewusst bereits zwei Jahre vor Studienbeginn die Öffentlichkeit gesucht, um Stadt, Landkreis und Bevölkerung frühzeitig miteinzubeziehen.

Reinhold Kohler: Ich sehe in diesem Bezug natürlich auch den Zusammenhang mit dem 26.09. und der Schärfung der politischen Profile zum einen, zum anderen haben wir den Studiengang auch in einem kontroversen und langwierigen Prozess aufgebaut. Vor diesem Hintergrund waren wir auf diese offenen Diskurs bereits vorbereitet.

Daran angeschlossen: Können Sie die Sorgen hinsichtlich der konzeptionellen Ausrichtung des geplanten Studiengangs als technischer und englischsprachiger Bachelor ein Stück weit nachvollziehen? Welche Schlüsse haben Sie aus den Anregungen für Ihre weitere Vorbereitungsarbeiten gezogen?