Bayern Drei Festnahmen nach größtem Kokain-Einzelfund

, aktualisiert am 11.07.2022 - 14:34 Uhr
Vom Zoll sichergestelltes Kokain auf der Spitze eines Taschenmessers. Foto: Marcus Brandt/dpa/Symbolbild

Das wird einigen dunklen "Investoren" sehr weh tun: Spezialeinheiten des Zolls und der Polizei aus Bayern und Hessen haben am 16. Juni im Aschaffenburger Containerhafen 1,075 Tonnen Kokain mit einem Verkaufswert von 100 Millionen Euro sichergestellt. Am Montag gaben Vertreter von Polizei und Zoll sowie der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg in München Details zum bisher größten Rauschgiftfund in Bayern bekannt.

Wie bereits berichtet, war das Rauschgift in einem Schiffscontainer von der Dominikanischen Republik nach Hamburg und von dort weiter per Zug zum Containerhafen Aschaffenburg gelangt. Die mehr als 1.000 Päckchen mit jeweils einem Kilogramm Kokain waren offensichtlich nachträglich in einem mit medizinischem Material bepackten Container geschmuggelt worden, der für eine Firma in Friedberg (Hessen) bestimmt war. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Empfänger der Medizinprodukte vom brisanten Beipack keine Kenntnis hatte.

Wer "besichtigte" den Container?

Am 15. Juni waren die bayerischen Fahnder von einer "ausländischen Partnerdienststelle" darauf hingewiesen worden, dass mit dem Container etwas nicht in Ordnung sein könnte, berichtete der Leiter der Rauschgiftschmuggelbekämpfung beim Zollfahndungsamt München, Jürgen Thiel, am Montag. Die Spur des Containers führte nach Aschaffenburg, wo die Rekordmenge an Kokain von Zoll und Polizei gefunden wurde. Die Fahnder der "Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift Nordbayern" (GER) behielten den Container tagelang im Auge in der Hoffnung, die Abholer dingfest machen zu können.

Drei Tage später wurden tatsächlich fünf Männer beobachtet, die in Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen entstiegen und sich den Schiffscontainer näher ansahen, Fotos von ihm machten, ihn aber nicht berührten. Der Container wurde weiter auf seiner Reise ins hessische Friedberg und dort auf den Großparkplatz der Empfängerfirma verfolgt. In den frühen Morgenstunden des 21. Juni schließlich schnappte die Falle zu. Beim Versuch, das nicht mehr in dem Container befindliche Kokain zu bergen, wurden ein 26-jähriger Niederländer und zwei marokkanische Staatsangehörige im Alter von 22 und 45 Jahren nach kurzer Flucht festgenommen. Keiner der Festgenommenen sei mit den fünf Männern identisch, die in Aschaffenburg beobachtet wurden, sagte Thiel. Der Abtransport des Rauschgifts sollte offenbar mit einem in Deutschland angemieteten Kleintransporter vorgenommen werden.

Den Behörden ist klar, dass es sich bei den seither in Untersuchungshaft Sitzenden eher um kleine Fische handelt, weshalb weitere Ermittlungen gegen die Drahtzieher laufen. "Die maßgeblichen Figuren dürften der Organisierten Kriminalität zuzuordnen sein", sagte Thiel. Konkret werde gegen einen weiteren Beschuldigten ermittelt, der davon noch nichts ahne, ließ die Aschaffenburger Leitende Oberstaatsanwältin Monika Schramm wissen. Die drei Festgenommenen hätten in Deutschland keinen Wohnsitz. Gegen sie werde nicht nur wegen der Einfuhr, sondern auch wegen Handels mit Betäubungsmitteln von nicht geringer Menge ermittelt.

Weitere Ermittlungen werden aus Bayern geführt

Die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg habe sich mit den hessischen Kollegen geeinigt, dass die weiteren Ermittlungen von Bayern aus geführt werden, sagte Schramm. Die "Zuständigkeit des Tatorts" sei in Aschaffenburg begründet. Die eingeleiteten Ermittlungen haben internationale Dimensionen. Rechtshilfeersuchen an die Niederlande seien unterwegs, so Schramm.

Möglicherweise ist bei der Rauschgiftlieferung schon im Vorfeld etwas schief gelaufen. Der Container sollte in Antwerpen entladen werden, sei aber umgeleitet worden, berichtete Thiel. Zur Vermutung, das Rauschgift sei für den niederländischen Markt vorgesehen gewesen, wollten die Fahnder nichts sagen. Es handele sich um qualitativ guten Stoff, teilte GER-Nordbayern-Leiter Michael Griesmeier mit. Eine Analyse habe einen Kokain-Gehalt von 85 bis 90 Prozent ergeben. Griesmeier äußerte sich besorgt über die immer größeren Mengen, in denen Rauschgift sichergestellt werde. Dafür müsse es ja wohl auch einen Absatzmarkt geben.

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