Corona Keine einheitliche Linie für Schulen nach Osterferien

Für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte gelten in den kommenden Wochen unterschiedliche Regeln. Foto: Marijan Murat/dpa/dpa

Über Stunden berieten die Kultusminister die Corona-Lage. Schon vorher war klar: Für die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte gelten in den kommenden Wochen unterschiedliche Regeln.

Berlin - Ungeachtet aller Aufrufe für eine einheitliche Linie für Deutschlands Schulen in der dritten Corona-Welle gehen die Länder getrennte Wege.

Die Kultusminister berieten die Corona-Lage und andere Themen, die Tagung dauerte mehrere Stunden bis in den Abend. Mehrere Länder gaben aber bereits zuvor ihre Entscheidungen für die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler bekannt. Der CDU-Vorsitzende und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte sich für eine bundesweit einheitliche Regelung ausgesprochen, wie es für die Schulen in der Pandemie nach den Osterferien weitergeht.

In Nordrhein-Westfalen wird nun mit Ausnahme der Abschlussklassen ab Montag Distanzunterricht für alle anderen Schüler stattfinden, wie Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bekanntgab. Für die Schüler der Abschlussklassen soll es in Nordrhein-Westfalen auch nach den Osterferien Präsenzunterricht in den Klassenräumen geben. Für die übrigen Jahrgänge gelte der Distanzunterricht vorerst nur eine Woche lang bis zum 16. April.

Gebauer sagte, Mediziner hätten im Rahmen der Kultusministerkonferenz bestätigt, dass das Infektionsgeschehen bei Kinder und Jugendlichen zunehme. "Die Schulen sind keine Treiber der Pandemie", sagte Gebauer zugleich. Laut Lageberichten des Robert Koch-Instituts der vergangenen Wochen spielen die Schulen eine wachsende Rolle bei der Viruszirkulation in Deutschland. Auch in den Kitas infizierten sich viele Minderjährige mit der britischen Corona-Variante.

Vor den Osterferien hatte das NRW-Schulministerium angekündigt, dass die Schulen möglichst in den Wechselunterricht starten sollen. Mehrere Städte und Kreise hatten auf einen Aufschub wegen steigender Infektionen gedrungen.

Wie es zuvor bereits für NRW angekündigt wurde, führt nun auch Berlin eine Testpflicht für Schülerinnen und Schüler ein. Ab dem 19. April sollen zwei Corona-Tests pro Woche verpflichtend sein, wie die Senatsverwaltung für Bildung mitteilte. Die Tests sollen dann unter Aufsicht in der Schule durchgeführt werden. Wechselunterricht in Lerngruppen mit halber Klassengröße soll die Regeln sein. Die Jahrgangsstufen 7 bis 9 bleiben erstmal ausgenommen und sollen ab dem 19. April folgen, wenn die Abiturienten keinen Unterricht mehr in der Schule haben, sondern nur noch zu den Prüfungen kommen müssen.

Auch in Baden-Württemberg kündigte die Landesregierung eine neue Teststrategie an. Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und auch Hausmeister dürfen nach dem Willen des Kultusministeriums ab dem 19. April ohne negativen Corona-Test nicht mehr am Unterricht teilnehmen oder das Gelände betreten, wenn es mehr als 100 Corona-Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen gibt. Wer in der Woche ab 12. April in die Schulen zurückkehrt, kann sich noch freiwillig testen lassen. Allerdings gibt es Präsenzunterricht in der Woche nach den Osterferien zunächst nur für Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen - im Wechselbetrieb. Für Schüler der Klassen 1 bis 7 wird nur eine Notbetreuung angeboten.

In Mecklenburg-Vorpommern hat der Unterricht nach zehntägiger Osterpause bereits begonnen. Dabei kehrten in weiten Teilen des Landes die Schüler der Klassen eins bis sechs sowie der Abschlussklassen zum Präsenzunterricht in ihre Schulen zurück. Die Schüler der anderen Klassenstufen werden abwechselnd in der Schule und zu Hause unterrichtet. Eine Ausnahme bildet der Landkreis Ludwigslust-Parchim: Dort wurde wegen der zuletzt hohen Corona-Infektionszahlen der Präsenzunterricht bis zum Wochenende ausgesetzt.

Brandenburg schickt ältere Schüler oberhalb der Grundschule erst einmal wieder in den Fernunterricht. In Bayern schalten Schulen in der Regel ab einem Inzidenzwert von 100 in einer Stadt oder einem Landkreis wieder von Präsenz- auf Fernunterricht um. Hamburg tut das erst, wenn der Wert an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei über 200 liegt. Sachsen verabschiedet sich nach der Osterpause ganz von der Kopplung an den Inzidenzwert und hält Schulen und Kitas unabhängig davon offen.

In Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz war bereits wieder Unterricht, auch im Saarland begann er am Donnerstag. Hamburg hatte keine Osterferien, und in Hessen und Schleswig-Holstein dauern die Ferien noch bis Ende kommender Woche. Das Gespräch der Kultusministerinnen und -minister sollte auch der Vorbereitung des nächsten Corona-Krisengipfels der Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der kommenden Woche dienen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im WDR5-"Morgenecho", es sei wichtig, "in den Schulen sehr konsequent mindestens zweimal die Woche zu testen". "Man hätte jetzt aus meiner Sicht die Ostertage gut nutzen können, jetzt in der Verlängerung Schulen und Kitas in Notbetreuung zu bringen."

Der Beamtenbund dbb forderte einheitlich klare Regeln. "Wenn die Schulen in der dritten Welle geöffnet sein sollen, müssen die Lehrkräfte auch geimpft und die Schülerinnen und Schüler getestet werden", sagte der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach der Deutschen Presse-Agentur. "Wer nicht getestet werden kann oder will, muss vom Präsenzunterricht ausgeschlossen werden. Andernfalls setzen wir alle Beteiligen einem zu großen Risiko aus, und die Infektionszahlen drohen nach den Osterferien zu explodieren."

Die KMK hatte sich in diesem Jahr mehrfach für möglichst offene Schulen ausgesprochen. Zuletzt hatten die Schulministerinnen und -minister am 18. März gefordert, Schulen müssten im Vergleich zu allen anderen Lebensbereichen am längsten geöffnet bleiben.

© dpa-infocom, dpa:210408-99-121608/7

 

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