Donezk Kämpfe in Ostukraine - Separatisten mobilisieren Reservisten

Die pro-russischen Separatisten haben angekündigt, Menschen aus den Konfliktgebieten in der Ostukraine mit Bussen nach Russland zu bringen. Foto: Alexei Alexandrov/AP/dpa/dpa

Ein ukrainischer Soldat stirbt bei neuen Kämpfen im Konfliktgebiet in der Ostukraine. Internationale Beobachter sind beunruhigt. Die Separatistenführer machen mitten in der angespannten Lage mobil.

Neue Kämpfe im Konfliktgebiet in der Ostukraine haben Sorgen vor einer Eskalation ausgelöst. Am Samstag setzten die Regierungsarmee und die von Russland unterstützten Separatisten den gegenseitigen Beschuss fort. Nach Angaben der Armee wurde ein Soldat getötet.

Die Aufständischen in den Gebieten Donezk und Luhansk ordneten angesichts der Lage eine allgemeine Mobilmachung von Männern für Kampfeinsätze an. Die Evakuierungen der Städte und Dörfer in den Regionen nach Russland gingen weiter. Russland testete unterdessen Nuklearraketen.

Der Chef der Aufständischen im Gebiet Donezk, Denis Puschilin, rief Reservisten auf, sich an die Meldestellen des Militärs zu wenden. "Ich appelliere an alle Männer der Republik, die in der Lage sind, eine Waffe in der Hand zu halten, sich für ihre Familien, ihre Kinder, ihre Frauen, ihre Mütter einzusetzen." Auch im benachbarten Gebiet Luhansk gab es einen solchen Appell. Männer im Alter von 18 bis 55 Jahren dürften die Region nicht verlassen.

Brüchiger Waffenstillstand

Im Konfliktgebiet machten sich beide Seiten einmal mehr gegenseitig den Vorwurf, gegen den geltenden Waffenstillstand verstoßen zu haben. Die Aufständischen teilten mit, seit Mitternacht seien mehrere Dutzend Granaten auf ihr Gebiet abgefeuert worden. Die ukrainische Armee sprach ebenfalls von zwei Dutzend Verletzungen durch die Separatisten. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Im Laufe des Tages gab es zunächst keine Meldungen über neue größere Angriffe.

Der Konflikt in der Ostukraine dauert schon seit fast acht Jahren an. In den Gebieten Donezk und Luhansk unweit der russischen Grenze kämpfen vom Westen ausgerüstete Regierungstruppen gegen von Russland unterstützte Separatisten. UN-Schätzungen zufolge sind bereits mehr als 14.000 Menschen getötet worden, zumeist im Separatistengebiet. Ein Friedensplan von 2015 wird nicht umgesetzt. Seit 2014 kommt es immer wieder zu Spannungen.

Nach Einschätzung internationaler Beobachter nehmen die Verstöße gegen den Waffenstillstand massiv zu. In der Region Luhansk seien 648 Verstöße gegen die Waffenruhe festgestellt worden, darunter 519 Explosionen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Für die Region Donezk wurden 222 Verstöße gemeldet, darunter 135 Explosionen. Das war eine deutliche Zunahme im Vergleich zu den vergangenen Tagen.

Evakuierungen durch Aufständische

Unterdessen liefen die Evakuierungen der Städte und Dörfer in den Separatistengebieten. Seit Freitagabend werden Menschen in die südrussische Region Rostow gebracht, wo Unterkünfte bereit standen. Nach Donezker Angaben vom Samstagmorgen wurden bereits mehr als 6.000 Menschen in Sicherheit gebracht, darunter 2.400 Kinder. Die Luhansker Aufständischen sprachen ihrerseits am Mittag von 13.500. Die Behörden in Rostow riefen wegen der vielen Menschen den Notstand aus.

Die Separatistenführungen hatten zur Flucht aufgerufen und den Appell mit einem drohenden Angriff durch ukrainische Regierungstruppen begründet. Ukrainische Regierungsvertreter und das Militär betonten mehrfach, keine Offensive gegen die Region zu planen. Zudem wurde die Geldausgabe von Bankautomaten im Donezker Gebiet am Samstag auf umgerechnet rund 114 Euro täglich begrenzt.

Unklar war zunächst der Hintergrund zweier Granateneinschläge in der Region Rostow - etwa einen Kilometer entfernt von der Grenze zur Ukraine. Das russische Ermittlungskomitee leitete nach eigenen Angaben ein Strafverfahren ein. In einer Mitteilung hieß es unter Berufung auf Medienberichten, dass ukrainische Streitkräfte dafür verantwortlich seien. Die ukrainische Armee wies die Vorwürfe zurück. Außenminister Dmytro Kuleba forderte eine internationale Untersuchung.

In Moskau gab derweil Präsident Wladimir Putin den Start für ein Manöver mit Einsatz ballistischer Raketen. Der Staatschef habe die Übung mit dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko im Kreml verfolgt, das Präsidialbüro mit. Ziel war es dem Verteidigungsministerium zufolge, die strategischen Nuklearwaffen auf ihre Zuverlässigkeit zu testen. Die Armee feuerte demnach auch Marschflugkörper ab. Zudem sei eine Hyperschallrakete vom Typ Kinschal (Dolch) erfolgreich getestet worden.

Russland testet mehrfach im Jahr Raketen. Das Land und die USA sind die beiden mit Abstand größten Atommächte der Welt.

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