Doku-Tipp Zum Wein etwas Koks — Die Kokain-„Epidemie“ Großbritanniens

Großhändler Grant stellt in seiner Küche mithilfe einer Presse kompakte Kokain-Päckchen her. Sie sollen aussehen, als kämen sie frisch aus Südamerika. Foto: ZDF/Vice Studios

Egal, ob im Innenstadt-Apartment oder der Studentenbude: „Es ist überall“, heißt es in der Doku „Drug Wars: Großbritannien und das Kokain“. Eine Kamera begleitet Briten beim Verkauf und Konsum der Droge, die eine ganze Gesellschaft durchdringt.

Darum geht’s: Um zu verschleiern, dass sein Kokain unrein ist, presst Grant es. Die Brocken wirken wie „frisch von einem Schiff aus Südamerika“. Der Dealer denkt, sie könnten bis ins Unterhaus, das britische Parlament, gelangen.

Wie die Abgeordneten dort ist auch Jean Marc Teil der Oberschicht. Er kann sich eine schicke Wohnung in London leisten. In manchem Monat geht ebenso viel Geld für Kokain wie für die Miete drauf. Besuchen ihn Freunde auf ein Glas Rotwein, bekommen auch sie einige Lines. „Es ist so einfach hier in London. Ich habe drei Dealer und jeder kann innerhalb von 15 Minuten liefern“, erklärt er.

Ein Weinabend wäre für Tommy Mack wohl zu langweilig. Der ehemalige Discostar ist zwar schon über 60, aber noch in Londoner Clubs anzutreffen. Seit Jahrzehnten bringt ihn Kokain durch die Nacht. Tommy Mack kennt das Risiko für Herzerkrankungen, das durch Kokain entsteht: „Mehrere Freunde sind dabei schon drauf gegangen. Das soll mir nicht passieren.“

Phil studiert in Manchester. Wann er mit dem Koksen aufhört, weiß er nicht. Er bestellt gerne im Darknet. Dort sei der Stoff besser und der Kauf professioneller als auf der Straße. Laut der Doku liegt das am effizienten System: „Es gibt jemanden, der sich um Kundenbeschwerden kümmert, einen für die Verpackung und einen für den Versand.“

Das Besondere: Anonyme Erfahrungsberichte geben Einblicke, wie verbreitet die Droge im Königreich ist. Sie reichen von Aussagen wie „Ich liebe Kokain!“ bis zum Jungen, der von seinem Vater erzählt. Der kokste schon als Teenager und kann heute „einen Schnürsenkel durch das Loch in seiner Nasenscheidewand“ ziehen.

Fazit: Die Dokumentation „Drug Wars: Großbritannien und das Kokain“ stürzt den Zuschauer in sehr unterschiedliche Welten – mit einer Verbindung: Kokain. Tatsächlich ist der Konsum in dem Land besonders hoch. Laut Zahlen des zuständigen UN-Büros ist der Anteil derer, die innerhalb eines Jahres Kokain genommen haben, in kaum einem Land so hoch wie in Großbritannien. Doch in der Doku verliert die Droge ihre bedrohliche Seite, da sie für die Konsumenten so selbstverständlich ist. Nur endet dieser tägliche Rausch oft in der Sucht. Und der Preis dafür ist die eigene Gesundheit.

„Drug Wars: Großbritannien und das Kokain“, Dokumentarfilm, Dauer: 44 Minuten, verfügbar auf zdf.de und YouTube. Hier gibt es mehr Infos. 

Die Doku auf YouTube: 

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading