Dingolfing-Landau Landkreis ohne Notarzt: Blick auf einen Ausnahmezustand

Für einige Stunden gab es im Landkreis Dingolfing-Landau einen Notarzt-Engpass. (Symbolbild) Foto: Lisa Ducret/dpa

Für 16 Stunden hat es in der vergangenen Woche im Landkreis Dingolfing-Landau keinen örtlichen Notarzt gegeben, der für Einsätze verfügbar gewesen wäre. Kollegen aus anderen Landkreisen mussten einspringen. Diese Ausnahmesituation kommt selten vor – so selten, dass sich die Verantwortlichen von Kassenärztlicher Vereinigung und Integrierter Leitstelle kaum an eine ähnliche Situation erinnern können.

Jeder, der schon mal einen Einsatz nach einem Autounfall erlebt hat, weiß es: In atemberaubender Geschwindigkeit ist neben den Rettungskräften auch ein Notarzt vor Ort. Möglich macht das ein engmaschiges Netz aus Notarzt-Standorten. Das sorgt für kurze Anfahrtswege. Normalerweise.

Nicht normal war allerdings die Situation im Landkreis Dingolfing-Landau am 8. und 9. Mai. Von Mittwoch 16 Uhr bis zum Morgen des Donnerstags um 8 Uhr stand im ganzen Landkreis Dingolfing-Landau kein örtlicher Notarzt zur Verfügung. Das bestätigten die Integrierte Leitstelle (ILS) Landshut, die für den Landkreis zuständig ist, sowie die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) auf Nachfrage von idowa.

In dieser Zeit herrschte tatsächlich eine Ausnahmesituation, wie uns die KVB schriftlich mitteilt: „In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 2019 war aufgrund eines krankheitsbedingten kurzfristigen Ausfalls des eingeteilten Notarztes der Notarztstandort Dingolfing stundenweise nicht besetzt. Trotz aller Bemühungen der KVB konnte so kurzfristig in dieser Nacht kein Ersatz-Notarzt mehr gefunden werden.“

Kritisch sei die Situation aber nicht gewesen, so die KVB: „Genau für solche Fälle gibt es ein gut funktionierendes System, um die notärztliche Versorgung der Bevölkerung in jedem Fall zu sichern: Über nicht besetzte Dienste werden umgehend der regional zuständige Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung und die jeweilige Integrierte Leitstelle informiert. Dadurch kann im Bedarfsfall der nächstliegende Notarzt oder der Rettungshubschrauber durch die jeweilige Integrierte Leitstelle alarmiert und die notärztliche Versorgung der Menschen vor Ort stets sichergestellt werden.“

Heißt im Klartext: Es wird ein Notarzt aus einem Nachbarlandkreis „ausgeliehen“, der dann eben einen weiteren Anfahrtsweg hat. Variante zwei: Der Hubschrauber fliegt einen Notarzt von weiter her ein. Die Möglichkeiten sind hier allerdings begrenzt, wie eben auch die Zahl der Rettungshubschrauber.

Wie aber sieht die Einsatzbilanz für diese Zeit aus? Zehn Einsätze seien in dieser Nacht gelaufen, bei denen ein Notarzt gebraucht wurde, erklärt Peter Winzinger, der Leiter der ILS Landshut. Bei zwei davon half der Hubschrauber aus, der einen Notarzt vor Ort brachte. Achtmal mussten die Patienten womöglich länger als üblich auf einen Notarzt warten – der kam nämlich aus dem Raum Straubing beziehungsweise aus dem Raum Landshut angefahren. „Wir hätten auch noch die Möglichkeit, nach Eggenfelden auszuweichen – das haben wir aber in der konkreten Situation nicht getan“, sagt Peter Winzinger.

„Natürlich wird man als Disponent dann zuweilen unruhig, weil man mit seinem Patienten ja auch mitfühlt“, erklärt der ILS-Leiter im Gespräch mit idowa. Nach bisherigem Kenntnisstand kam es bei keinem der Fälle, die in dieser Nacht zu bearbeiten waren, buchstäblich auf die Minute an. Gott sei Dank.

„Da müsste ich schon weit zurückgehen, um eine ähnliche Situation zu finden“, sagt Peter Winzinger auf die Frage, ob so etwas schon öfter vorgekommen sei. Da pflichten auch die Ärztevertreter bei. Von generellen Personalengpässen seien die Notarzt-Standorte in der Region laut Aussage der KVB noch weit entfernt.

 

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